Herzinfarkt: Symptome bei Frauen und Männern, Tests, Behandlung und Reha

Das Wichtigste in Kürze
Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wird die Durchblutung eines Teils des Herzmuskels plötzlich unterbrochen. Das häufigste Zeichen sind Schmerzen oder Druck in der Brust; Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes spüren aber oft vor allem Atemnot, Übelkeit oder starke Erschöpfung. Rufen Sie sofort die 112 an und fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus. Die Diagnose stützt sich auf ein EKG und wiederholte Troponin-Bluttests.
Was ist ein Herzinfarkt? Das Wichtigste im Überblick
- Was passiert: „Myokard“ bedeutet Herzmuskel, „Infarkt“ das Absterben von Gewebe durch Blutmangel. Wird der Blutfluss nicht rasch wiederhergestellt, stirbt der betroffene Teil des Herzmuskels ab[1].
- Wie häufig in Deutschland: Mehr als 300.000 Menschen erleiden hier jedes Jahr einen Herzinfarkt. Akuter Herzinfarkt und chronische ischämische Herzkrankheit waren 2023 zusammen die häufigste Todesursache; die Zahl der Infarkttoten hat sich seit dem Jahr 2000 aber etwa halbiert[5].
- Häufigste Ursache: die koronare Herzkrankheit (KHK)[4].
- Kein Herzstillstand: Beim Herzstillstand hört das Herz plötzlich auf zu schlagen; ein Herzinfarkt kann ihn auslösen[1].
- Wichtigste Untersuchungen: ein Elektrokardiogramm (EKG), danach Troponin-Bluttests, die im Abstand weniger Stunden wiederholt werden[7][8].
Welche Symptome hat man bei einem Herzinfarkt, bei Frauen und bei Männern?
Die Beschwerden können langsam oder plötzlich beginnen, leicht oder heftig sein und über mehrere Stunden kommen und gehen[2]:
- Schmerzen, Druck, Enge oder Brennen in der Mitte oder links in der Brust, oft länger als 20 Minuten[7];
- Schmerzen in einem oder beiden Armen, im Rücken, in den Schultern, im Hals, im Kiefer oder im Oberbauch;
- Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen;
- Benommenheit, Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag[2].
Bei Frauen ist der Brustschmerz ebenfalls das häufigste Zeichen. Häufiger als bei Männern kommen aber Schmerzen in Schulter, Rücken oder Arm, Atemnot, ungewöhnliche Erschöpfung und Schwäche, Magenbeschwerden oder Angst hinzu, mit oder ohne Brustschmerz[3]. Übelkeit, Erbrechen und Atemnot können sogar die einzigen Zeichen sein; deshalb bleibt ein Herzinfarkt bei Frauen häufiger unerkannt[13]. Frauen warten zudem oft länger, bevor sie Hilfe rufen[3], und haben im ersten Jahr nach dem Infarkt ein 1,5-mal höheres Risiko als Männer, an den Folgen zu sterben[5]. Ältere Menschen und Menschen mit Diabetes haben manchmal kaum Brustschmerzen; manche Infarkte verlaufen „stumm“ und fallen erst später im EKG auf[2][7].
Angina pectoris oder Herzinfarkt? Eine stabile Angina pectoris tritt bei Belastung auf und lässt in Ruhe oder mit dem Notfallspray (Nitro) innerhalb weniger Minuten nach; der Schmerz eines Herzinfarkts nicht. Im Zweifel: 112[2].
Was tun bei Verdacht auf einen Herzinfarkt?
Wann zur Ärztin oder zum Arzt
- Notfall: Rufen Sie sofort die 112 an und sagen Sie „Verdacht auf Herzinfarkt“, auch wenn Sie unsicher sind. Wählen Sie nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, und warten Sie nachts nicht bis zum Morgen[13]. Fahren Sie nicht selbst und lassen Sie sich nicht fahren: Rettungsdienst und Notärztin oder Notarzt beginnen Untersuchung und Behandlung schon unterwegs[2]. Kauen Sie eine Tablette ASS (Aspirin) nur, wenn die Leitstelle oder eine Ärztin oder ein Arzt es Ihnen sagt und Sie nicht allergisch sind; verzögern Sie dafür nie den Notruf[6]. Bricht die Person zusammen und atmet nicht normal, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und einen Defibrillator (AED) holen lassen[6].
- Innerhalb von 24 Stunden bei neuen Brustbeschwerden unter Belastung, die in Ruhe vergehen, bei Angina-Anfällen, die häufiger werden, oder bei neuer, unerklärter Atemnot, besonders mit Diabetes oder nach einem früheren Infarkt. Im Zweifel 112.
- Beim nächsten Termin um nach einem Herzinfarkt Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker und Medikamente zu besprechen.
Jede Minute zählt: Das Risiko eines plötzlichen Herztods ist in den ersten Stunden am höchsten[7].
Was sind die Ursachen eines Herzinfarkts, und wer ist gefährdet?
Die meisten Herzinfarkte beginnen mit Ablagerungen (Plaques) aus Fett, Cholesterin und Kalk in einem Herzkranzgefäß. Reißt eine Plaque auf, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließt[4].
- Häufig Aufgerissene Plaque mit Gerinnsel, begünstigt durch hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alter und familiäre Belastung[4].
- Möglich Zu wenig Sauerstoff für den Bedarf des Herzens ohne neues Gerinnsel (Typ-2-Myokardinfarkt), etwa bei starker Blutarmut, sehr schnellem Herzrhythmus oder schwerer Infektion[10].
- Möglich Ein Herzinfarkt ohne verengte Herzkranzgefäße (MINOCA), häufiger bei Frauen und jüngeren Menschen: Gefäßkrampf (Rauchen, Kokain) oder ein Gerinnsel, das zum Herzen wandert[4].
- Selten Ein Einriss in der Wand eines Herzkranzgefäßes (SCAD), vor allem bei Frauen unter 50 Jahren oder rund um eine Schwangerschaft[4].
Wie wird ein Herzinfarkt festgestellt? EKG und Troponin
Ärztinnen und Ärzte stellen die Diagnose, wenn das Troponin im Verlauf ansteigt oder abfällt und mindestens ein Wert über der oberen Referenzgrenze liegt, und wenn zugleich Zeichen eines Sauerstoffmangels des Herzens vorliegen: typische Beschwerden, neue EKG-Veränderungen oder in der Bildgebung neu geschädigter Herzmuskel[10].
- STEMI: Eine ST-Strecken-Hebung im EKG spricht meist für ein komplett verschlossenes Gefäß, das so schnell wie möglich geöffnet werden muss, ohne auf Blutwerte zu warten[13].
- NSTEMI: keine ST-Hebung, manchmal ein unauffälliges EKG; die Diagnose hängt am Troponin[7][11]. Bleibt das Troponin trotz Beschwerden normal, spricht man von instabiler Angina pectoris, ebenfalls ein Notfall.
Wie liest man wiederholte Troponin-Werte?
Troponin tritt aus absterbenden Herzmuskelzellen ins Blut über. Entscheidend ist die Veränderung zwischen den Blutentnahmen bei Ankunft und einige Stunden später (mit hochsensitiven Tests oft nach 1 bis 2 Stunden)[8][11]:
- Normal, und auch Stunden nach Beschwerdebeginn noch normal: ein Herzinfarkt ist unwahrscheinlich[8].
- Erhöht und deutlich steigend oder fallend: akute Herzmuskelschädigung; zusammen mit Beschwerden oder EKG-Veränderungen ein Herzinfarkt[10].
- Erhöht, aber stabil: eher eine länger bestehende Schädigung, etwa bei einer chronischen Nierenerkrankung[10].
Ein erster normaler Wert schließt einen Herzinfarkt nicht aus: Troponin steigt erst 2 bis 3 Stunden nach Beginn an und kann etwa 24 Stunden lang weiter steigen[8]. Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Test und manchmal zwischen Frauen und Männern[10]. CK-MB und Myoglobin werden heute nur noch selten gebraucht.
| Untersuchung | Ergebnis | Referenzbereich | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Troponin T hs, 0 h | 21 ng/l | <14 ng/l | ↑ |
| Troponin T hs, 2 h | 68 ng/l | <14 ng/l | ↑ |
| eGFR (CKD-EPI) | 78 ml/min/1,73 m² | >60 ml/min/1,73 m² | |
| LDL-Cholesterin | 142 mg/dl (3,7 mmol/l) | <116 mg/dl | ↑ |
- Zwei Troponin-Zeilen: Der Wert hat sich in zwei Stunden mehr als verdreifacht. Dieser Anstieg spricht zusammen mit den Beschwerden für einen Herzinfarkt.
- eGFR: die Nierenfunktion, wichtig vor Medikamenten und vor dem Kontrastmittel der Herzkatheteruntersuchung.
- LDL-Cholesterin: Die Grenze im Befund gilt für Menschen mit niedrigem Risiko; nach einem Herzinfarkt liegt das Ziel viel tiefer (siehe unten).
- Referenzbereich: Die Bereiche hier sind Beispiele; es gelten die Angaben auf Ihrem eigenen Befund.
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Meinen Befund erklären lassenEine Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) zeigt, welches Gefäß verschlossen ist, ein Herzultraschall (Echokardiografie), wie gut das Herz pumpt; bei Verdacht auf Herzschwäche kann ein BNP-Test hinzukommen[7].
Welche Blutwerte werden nach einem Herzinfarkt kontrolliert?
- Lipidprofil: 4 bis 12 Wochen nach Beginn oder Änderung einer Statin-Behandlung erneut messen[12]. Die europäischen Leitlinien (ESC/EAS) empfehlen nach einem Herzinfarkt ein LDL-Cholesterin unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und eine Senkung um mindestens 50 %[15]; wird das Ziel nicht erreicht, kommt ein weiteres cholesterinsenkendes Medikament hinzu[11][15].
- Nierenwerte und Kalium: nach Beginn oder Änderung von Medikamenten wie ACE-Hemmern.
- Blutzucker: Nüchternblutzucker oder HbA1c, weil ein Diabetes das Risiko erhöht.
- Großes Blutbild: bei Verdacht auf Blutung oder Blutarmut unter blutverdünnenden Medikamenten.
Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?
- Gefäß wieder öffnen: meist mit einem Herzkatheter, also einer Ballonaufdehnung mit Stent, möglichst innerhalb von 90 Minuten nach Ankunft im Krankenhaus; seltener mit einem gerinnselauflösenden Medikament oder einer Bypass-Operation[7][13].
- Notfallmedikamente: ASS oder ein anderer Plättchenhemmer, Nitro gegen die Schmerzen und eine Überwachung des Herzrhythmus[7].
- Dauerhafte Medikamente: Plättchenhemmer (nach einem Stent oft zwei, bis zu einem Jahr lang), ein Statin und häufig ein Betablocker und ein ACE-Hemmer[9][11]. Setzen Sie sie nie eigenmächtig ab[7].
Wie geht es nach einem Herzinfarkt weiter, und wie beugt man einem neuen vor?
In Deutschland überleben etwa drei von vier Menschen einen Herzinfarkt[13]. Die meisten kehren in ein aktives Leben zurück, oft innerhalb weniger Wochen zu ihren gewohnten Tätigkeiten[9]. Mögliche Folgen sind eine Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen[9]. Niedergeschlagenheit oder Angst sind anfangs häufig; sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn sie anhalten[7].
- Eine kardiologische Reha machen: überwachtes Training, Schulung und Beratung[9]. In Deutschland meist als Anschlussrehabilitation direkt nach dem Krankenhaus[14].
- Mit dem Rauchen aufhören, herzgesund essen, in Bewegung bleiben und die Medikamente täglich nehmen[9].
- Blutdruck, LDL-Cholesterin und Blutzucker im Zielbereich halten.
- Ein zweiter Herzinfarkt kann sich anders anfühlen als der erste: im Zweifel 112[9].
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- War es ein STEMI, ein NSTEMI oder ein Typ-2-Infarkt, und warum?
- Wie gut pumpt mein Herz jetzt?
- Welche Zielwerte gelten für mein LDL-Cholesterin, meinen Blutdruck und meinen Blutzucker?
- Wann sollen meine Blutwerte wieder kontrolliert werden?
- Wird die Anschlussreha schon im Krankenhaus beantragt?
Häufige Fragen
Gibt es einen leichten Herzinfarkt?
Umgangssprachlich wird ein NSTEMI manchmal so genannt. Auch er schädigt Herzmuskel und wird in den meisten Fällen mit einem Herzkatheter behandelt; jeder Verdacht ist ein Notfall für die 112[13].
Kann man einen Herzinfarkt mit normalem EKG haben?
Ja, vor allem einen NSTEMI. Deshalb werden EKG und Troponin wiederholt[7].
Bedeutet ein erhöhtes Troponin immer einen Herzinfarkt?
Nein. Es steigt auch bei Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung, einer Lungenembolie, einer Sepsis oder nach einem Marathon[8]. Man spricht dann von einer Myokardschädigung[10].
Können junge Menschen einen Herzinfarkt bekommen?
Ja, wenn auch seltener. Bei Jüngeren sind SCAD, Gefäßkrämpfe und Kokainkonsum häufigere Ursachen[4].
Wann ist Sex nach einem Herzinfarkt wieder möglich?
Die meisten Menschen kehren nach und nach zu ihren gewohnten Aktivitäten zurück, auch zur Sexualität. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was für Sie sicher ist[9].
Weiterführende Artikel
- Troponin-WerteDer wichtigste Bluttest beim Herzinfarkt
- Koronare HerzkrankheitDie Krankheit hinter den meisten Herzinfarkten
- Angina pectorisBrustschmerzen durch verengte Herzkranzgefäße
- LipidprofilDie Cholesterinkontrolle nach dem Infarkt
- HerzinsuffizienzEine mögliche Folge eines Herzinfarkts
- National Heart, Lung, and Blood Institute. Heart attack: what is a heart attack? Aktualisiert am 24. März 2022. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- National Heart, Lung, and Blood Institute. Heart attack symptoms. Aktualisiert am 24. März 2022. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- National Heart, Lung, and Blood Institute. Heart attacks in women. Aktualisiert am 24. März 2022. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- National Heart, Lung, and Blood Institute. Heart attack: causes and risk factors. Aktualisiert am 24. März 2022. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Herzinfarkt. dzhk.de (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- MedlinePlus Medical Encyclopedia. Heart attack first aid. Überprüft am 7. Oktober 2024. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- MedlinePlus Medical Encyclopedia. Heart attack. Überprüft am 14. Juli 2024. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- MedlinePlus. Troponin test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
- National Heart, Lung, and Blood Institute. Heart attack: recovery. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 28. Oktober 2026)
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- Rao SV, O'Donoghue ML, Ruel M, et al. 2025 ACC/AHA/ACEP/NAEMSP/SCAI guideline for the management of patients with acute coronary syndromes. Circulation. 2025;151(13):e771-e862. doi:10.1161/CIR.0000000000001309 (abgerufen am 28. Oktober 2026)
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