Durchfall bei Erwachsenen: akut oder chronisch, Ursachen und Untersuchungen

Das Wichtigste in Kürze
Von Durchfall spricht man bei weichem oder wässrigem Stuhl mindestens dreimal in 24 Stunden. Meist steckt ein Magen-Darm-Infekt, eine Lebensmittelvergiftung oder ein Medikament dahinter, und nach wenigen Tagen ist es vorbei. Hält Durchfall 4 Wochen oder länger an oder kommen Blut, Fieber oder Gewichtsverlust hinzu, helfen Stuhl- und Blutuntersuchungen weiter.
Erwachsene in Deutschland haben im Durchschnitt einmal im Jahr eine Durchfallerkrankung[14]. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden nach der Dauer: Akuter Durchfall ist meist nach wenigen Tagen bis einer Woche überstanden, ab 2 Wochen spricht man von anhaltendem Durchfall[14], ab 4 Wochen, durchgehend oder in Schüben, von chronischem Durchfall[1]. Auf der Bristol-Stuhlskala entsprechen die Typen 5 bis 7 weichem Stuhl; häufiger, aber geformter Stuhl ist kein Durchfall[9][5].
Wann ist Durchfall ein Notfall?
Wann zum Arzt?
- Sofort die 112 wählen bei Verwirrtheit, Ohnmacht, kaum noch Urin, schwarzem Teerstuhl oder viel rotem Blut oder bei heftigen Bauch- oder Afterschmerzen[2].
- Binnen 24 bis 48 Stunden bei Temperaturen über 38,3 °C, Blut, Eiter oder Schleim im Stuhl, wiederholtem Erbrechen, 6 oder mehr wässrigen Stühlen am Tag, Durchfall nach einer Auslandsreise oder Durchfall während oder nach einer Antibiotikabehandlung[2][4][10][14]. Außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 erreichbar.
- Zum nächsten regulären Termin, wenn es nach 48 Stunden nicht besser wird[15] oder weicher Stuhl seit 4 Wochen oder länger immer wiederkommt[8].
Schwangerschaft, ein Alter über 65, ein geschwächtes Immunsystem oder eine laufende Antibiotikabehandlung erhöhen das Risiko für Komplikationen: Halten Sie dann engen Kontakt zu Ihrer Praxis[1]. Durst, dunkler Urin, Schwindel und weniger Urin sind frühe Zeichen einer Austrocknung[2].
Was kann ein Grund für plötzlichen Durchfall sein?
- Häufig Magen-Darm-Viren. Am häufigsten sind die sehr ansteckenden Noroviren und Rotaviren[14]; auch Adeno- und Astroviren lösen eine Gastroenteritis aus[2].
- Häufig Lebensmittelvergiftung. Salmonellen, Campylobacter, E. coli und Staphylokokken stecken oft in nicht durchgegartem Fleisch, Rohmilch oder in Essen und Wasser auf Reisen. Die meisten Fälle sind nach einer Woche vorbei[2].
- Häufig Medikamente. Antibiotika, magnesiumhaltige Mittel gegen Sodbrennen, Krebsmedikamente und Säfte mit Sorbit oder Xylit[2].
- Möglich C. difficile. Nach Antibiotika kann sich dieses Bakterium im Dickdarm ausbreiten: 5 bis 10 wässrige Stühle täglich, dazu Krämpfe und Fieber. Auslösen kann das jedes Antibiotikum[10].
Warum hält Durchfall wochenlang an?
- Häufig Reizdarmsyndrom und funktioneller Durchfall. Diese Diagnose steht, wenn die Basisuntersuchungen normal sind und keine Warnzeichen vorliegen[8].
- Häufig Unverträgliche Zucker. Laktose, Fruktose und Zuckeralkohole; diese Unverträglichkeit kann auch nach einem Infekt eine Zeit lang bestehen bleiben[2].
- Möglich Zöliakie, auf die jeder Erwachsene mit chronischem Durchfall getestet werden sollte[8].
- Möglich Gallensäureverlust (chologene Diarrhö). Er betrifft bis zu 30 % derjenigen, bei denen ein Reizdarm mit Durchfall festgestellt wurde, und er erklärt auch viele Durchfälle nach einer Gallenblasenentfernung[8][9].
- Möglich Mikroskopische Kolitis. Nur Gewebeproben zeigen sie; Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, Protonenpumpenhemmer (Magenschutz) und Sertralin werden damit in Verbindung gebracht[9].
- Möglich Hartnäckige Infektionen. Giardia und andere Darmparasiten oder C. difficile[2][7].
- Selten Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), eine Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und Darmkrebs. Gewichtsverlust, Blutarmut, anhaltendes Blut im Stuhl oder solche Erkrankungen in der Familie sind Gründe für eine rasche Abklärung, oft mit Darmspiegelung[7][8].
Welche Stuhl- und Blutuntersuchungen macht der Arzt?
Ein kurzer, leichter Durchfall braucht keinen Test. Stuhltests sind sinnvoll bei Fieber, blutigem oder schleimigem Stuhl, starken Krämpfen, Hinweisen auf eine Blutvergiftung, nach einer Antibiotikaeinnahme oder nach einem Klinikaufenthalt[6] und bei anhaltendem Durchfall[14]. Blutwerte zeigen, ob der Körper ausgetrocknet ist, und suchen nach Krankheiten, die Durchfall verursachen[3].
| Untersuchung | Welche Frage sie beantwortet |
|---|---|
| Elektrolyte (Natrium, Kalium), Harnstoff, Kreatinin | Haben Sie zu viel Flüssigkeit und Salze verloren? |
| Blutbild und CRP | Gibt es eine Blutarmut oder eine Entzündung? |
| Transglutaminase-IgA (tTG-IgA) mit Gesamt-IgA | Liegt eine Zöliakie vor? |
| TSH, Ferritin | Schilddrüsenstörung oder Eisenmangel? |
| PCR-Erregerpanel oder Stuhlkultur | Welcher Erreger steckt hinter einer Infektion mit Fieber oder Blut? |
| C.-difficile-Toxin oder PCR | Kommt der Durchfall nach Antibiotika oder Klinikaufenthalt von C. difficile? |
| Giardia-Antigen oder PCR | Ist ein Parasit beteiligt? |
| Calprotectin oder Lactoferrin im Stuhl | Gibt es eine Entzündung der Darmschleimhaut? |
Bei chronischem Durchfall beginnen amerikanische Hausärzte mit Blutbild, CRP, Elektrolyten und Nierenwerten, tTG-IgA und Gesamt-IgA und ergänzen je nach Beschwerden TSH[8]; die britische Leitlinie nennt zusätzlich Ferritin und Calprotectin[9]. Um eine Darmentzündung zu erkennen, sind Calprotectin oder Lactoferrin besser geeignet als CRP oder Blutsenkung; statt einer routinemäßigen Suche nach Wurmeiern und Parasiten wird gezielt auf Giardia getestet, außer nach Reisen[7]. Ein H2-Atemtest prüft Zuckerunverträglichkeiten[3]. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Stuhluntersuchung.
Ihre Befunde sind nach Wochen mit Durchfall da? BloodSense erklärt Ihren ganzen Befund Zeile für Zeile in verständlicher Sprache, damit Sie wissen, was Sie in der Praxis fragen können.
Meinen Befund erklären lassenWie lese ich meinen Befund?
| Untersuchung | Ergebnis | Referenzbereich | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Natrium | 138 mmol/l | 135–145 mmol/l | |
| Kalium | 3,2 mmol/l | 3,5–5,1 mmol/l | L |
| Harnstoff | 52 mg/dl | 17–43 mg/dl | H |
| Kreatinin | 0,8 mg/dl | 0,5–0,9 mg/dl | |
| Hämoglobin | 13,6 g/dl | 12,0–15,5 g/dl | |
| Transglutaminase-IgA | 1,4 U/ml | < 10 U/ml | |
| Giardia-lamblia-Antigen (Stuhl) | negativ | negativ | |
| Calprotectin im Stuhl | 31 µg/g | < 50 µg/g |
- L bedeutet unter dem Referenzbereich des Labors. Mit dem Durchfall geht Kalium verloren; ein niedriger Wert kann Muskelkrämpfe, Schwäche und Herzrhythmusstörungen verursachen[11].
- H bedeutet über dem Bereich. Austrocknung ist ein Grund für einen erhöhten Harnstoff (in den USA als Harnstoff-Stickstoff, BUN angegeben)[12]; gelesen wird er zusammen mit dem Kreatinin (siehe BUN-Kreatinin-Quotient).
- Die übrigen Zeilen sind normal: Blutarmut, Zöliakie, Giardia und eine Darmentzündung werden unwahrscheinlicher.
Calprotectin: Darm entzündet oder nicht?
Unter 50 µg/g ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung unwahrscheinlich, 50 bis 249 µg/g ist ein Graubereich, Werte über 250 µg/g deuten auf eine aktive Entzündung hin; die Grenzen hängen aber vom Testverfahren ab[9]. Ein niedriger Wert schließt sie nicht aus, wenn Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder Blutarmut bestehen[8].
Erregertests: nachgewiesen oder nicht nachgewiesen
Die PCR findet das Erbgut eines Erregers auch ohne aktives Gift. Ein positiver C.-difficile-PCR-Test wird deshalb zusammen mit den Beschwerden und oft einem Toxintest beurteilt[9]. Für C. difficile reicht meist eine einzige Stuhlprobe[6].
Gallensäureverlust: SeHCAT, C4 oder Therapieversuch
Für den SeHCAT-Test wird eine leicht radioaktiv markierte Gallensäure geschluckt. Sind nach 7 Tagen weniger als 15 % davon noch im Körper oder ist der C4-Wert in einer nüchtern abgenommenen Blutprobe erhöht, deutet das auf einen Gallensäureverlust hin[9]. Wie gut man in Deutschland an diese Tests kommt, ist sehr verschieden, und einheitliche Vorgaben zu ihrem Einsatz fehlen. Ersatzweise lässt sich Colestyramin ausprobieren, das überall zu bekommen ist: Geht der Durchfall darunter zurück, ist ein Gallensäureverlust möglich, aber nicht bewiesen[16].
Was sollte ich mir vor dem Termin aufschreiben?
- Beginn des Durchfalls und ob er ständig da ist oder in Schüben auftritt
- Stühle pro Tag, ihr Typ auf der Bristol-Skala und ob sie Sie nachts wecken
- Blut, Schleim, schwarze Farbe oder fettiger Stuhl, der aufschwimmt (siehe gelber, fettiger Stuhl)
- Gewichtsveränderung, Fieber, Urinmenge
- Neue Medikamente, Antibiotika der letzten Wochen, Nahrungsergänzungsmittel, Alkohol
- Reisen, Erkrankte im Umfeld, Erkrankungen in der Familie, frühere Darm- oder Gallenblasenoperationen
Häufige Fragen zu Durchfall
Darf ich Loperamid gegen Durchfall nehmen?
Für die meisten Erwachsenen mit akutem Durchfall ja, für kurze Zeit. Bei blutigem Stuhl oder Fieber wird davon abgeraten, und wird der Durchfall schlimmer oder dauert er trotz Mittel länger als 2 Tage, gehört er in ärztliche Hände[13]. Am wichtigsten ist es, genug zu trinken, am besten eine Elektrolytlösung aus der Apotheke[5][15].
Ist Durchfall in der Nacht ein schlechtes Zeichen?
Nicht immer, aber erwähnen Sie ihn. Wässriger Durchfall, der nachts oder beim Fasten weitergeht, lenkt den Verdacht auf eine sekretorische Ursache wie Gallensäureverlust oder mikroskopische Kolitis statt auf einen Reizdarm[8].
Brauche ich bei chronischem Durchfall eine Darmspiegelung?
Nicht immer. Sie folgt bei Warnzeichen, auffälligen Blut- oder Stuhlwerten oder wenn die ersten Tests keine Antwort geben. Dabei werden auch aus normal aussehender Schleimhaut Gewebeproben entnommen: So wird die mikroskopische Kolitis gefunden[8].
Weiterführende Untersuchungen und Ratgeber
- Stuhlkonsistenz und Bristol-SkalaWas die Typen 1 bis 7 über die Darmpassage sagen.
- Wurmeier und Parasiten im StuhlWie Giardia und andere Parasiten gefunden werden.
- Grüner Stuhlgang: Ursachen und TestsWenn eine schnelle Darmpassage den Stuhl grün färbt.
- Sichtbares Blut im StuhlWas zu tun ist, wenn der Durchfall blutig ist.
Quellen
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK). Definition & facts for diarrhea. niddk.nih.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- NIDDK. Symptoms & causes of diarrhea. niddk.nih.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- NIDDK. Diagnosis of diarrhea. niddk.nih.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- MedlinePlus: Diarrhea (Medical Encyclopedia). medlineplus.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diarrhoeal disease: fact sheet. who.int (abgerufen am 2. November 2026)
- Infectious Diseases Society of America: Leitlinie 2017 zu Diagnose und Behandlung infektiöser Durchfälle (Shane AL et al., Clin Infect Dis 2017;65:e45–e80). doi:10.1093/cid/cix669 (abgerufen am 2. November 2026)
- American Gastroenterological Association: Leitlinie zur Laboruntersuchung bei funktionellem Durchfall und Reizdarm mit Durchfall (IBS-D) bei Erwachsenen (Smalley W et al., Gastroenterology 2019;157:851–854). doi:10.1053/j.gastro.2019.07.004 (abgerufen am 2. November 2026)
- Burgers K, Lindberg B, Bevis ZJ. Chronic diarrhea in adults: evaluation and differential diagnosis. Am Fam Physician. 2020;101(8):472-480. aafp.org (abgerufen am 2. November 2026)
- British Society of Gastroenterology: Leitlinie zur Abklärung von chronischem Durchfall bei Erwachsenen, 3. Auflage (Arasaradnam RP et al., Gut 2018;67:1380–1399). doi:10.1136/gutjnl-2017-315909 (abgerufen am 2. November 2026)
- MedlinePlus: Pseudomembranous colitis (Medical Encyclopedia). medlineplus.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- MedlinePlus Lab Tests. Potassium blood test. medlineplus.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- MedlinePlus Lab Tests. BUN (blood urea nitrogen). medlineplus.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- NIDDK. Treatment of diarrhea. niddk.nih.gov (abgerufen am 2. November 2026)
- Bundesministerium für Gesundheit. Durchfallerkrankungen: Ursachen und Behandlung. gesund.bund.de. gesund.bund.de (abgerufen am 2. November 2026)
- IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen): Durchfall. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 2. November 2026)
- Wenzel H, Z Gastroenterol 2019;57(6):734–739: „Die primäre chologene Diarrhö in einer gastroenterologischen Praxis“. doi:10.1055/a-0825-2437 (abgerufen am 2. November 2026)
Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei Zeichen von Austrocknung, Blut im Stuhl, hohem Fieber oder starken Schmerzen lassen Sie sich ohne Zögern behandeln.



