Das Wichtigste in Kürze

Für Erwachsene gilt in Deutschland in jedem Alter: optimal ist ein Blutdruck unter 120/80 mmHg, normal sind Werte bis 129/84 mmHg. Bluthochdruck beginnt bei 140/90 mmHg in der Arztpraxis, bei der Selbstmessung zu Hause bei 135/85 mmHg[1]. Der Blutdruck steigt mit dem Alter oft an, doch häufig heißt nicht gesund. Bei Kindern gelten Perzentilen nach Alter, Geschlecht und Größe, ab 16 Jahren die Werte für Erwachsene[2].

Wie liest man ein Blutdrucktagebuch Zeile für Zeile?

Fiktives Beispiel eines Blutdrucktagebuchs (Selbstmessung, Format in Deutschland)
MessungRR (mmHg)Puls (/min)EinordnungMarkierung
Montag, 7:05 Uhr, 1. Messung142/8874Bereich Hypertonie Grad 1H ↑
Montag, 7:07 Uhr, 2. Messung134/8471HochnormalH ↑
Montag, 21:30 Uhr, 1. Messung118/7668OptimalKeine
Mittelwert aus 7 Tagen (28 Messungen)137/8670Über dem Grenzwert für die Selbstmessung (135/85)H ↑
  1. RR: So steht der Blutdruck in deutschen Befunden und Blutdruckpässen. Oben der systolische Wert (Herz zieht sich zusammen), unten der diastolische Wert (Herz erschlafft), jeweils in mmHg.
  2. Einordnung: Liegen die beiden Werte in verschiedenen Kategorien, zählt die höhere. 128/86 ist hochnormal, wegen der 86.
  3. Puls: die Herzfrequenz in Schlägen pro Minute, kein Druckwert.
  4. Mittelwert: Entscheidend ist der Durchschnitt mehrerer Tage, nicht eine einzelne Zeile. Für die Selbstmessung gilt 135/85 mmHg über 7 aufeinanderfolgende Tage als Grenze[1].
  5. Markierung: „H“ heißt nur „über dem Normalbereich“, nicht „Diagnose“.

Ist der Blutdruck zu hoch, folgen meist Laborwerte zu Nieren, Salzen, Zucker und Blutfetten. BloodSense erklärt Ihnen diese Befunde in verständlichen Worten.

Meine Laborwerte verstehen

Was misst der Blutdruck eigentlich?

Der Blutdruck ist die Kraft, mit der das Blut gegen die Wände der Schlagadern drückt. Er schwankt mit Stress, Körperhaltung und Messtechnik, ein einzelner Wert ist also eine Momentaufnahme[3][4]. Die Einheit mmHg ist weltweit dieselbe; nur die Grenzwerte unterscheiden sich. Wie ein Messgerät funktioniert, erklärt unser Ratgeber RR-Wert und Blutdruckmessung.

Welche Blutdruckwerte sind normal? Die Tabelle für Erwachsene

Deutsche Fachgesellschaften und Patientenratgeber nutzen die europäische Einteilung in sechs Stufen[1]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie spricht ab 140/90 mmHg von Hypertonie[5].

Blutdruck-Tabelle für Erwachsene in Deutschland (mmHg, Messung in der Praxis)
KategorieSystolisch (oberer Wert)Diastolisch (unterer Wert)Quelle
Optimalunter 120undunter 80Deutsche Hochdruckliga[1]
Normal120 bis 129und/oder80 bis 84Deutsche Hochdruckliga[1]
Hochnormal130 bis 139und/oder85 bis 89Deutsche Hochdruckliga[1]
Hypertonie Grad 1140 bis 159und/oder90 bis 99Deutsche Hochdruckliga[1]
Hypertonie Grad 2160 bis 179und/oder100 bis 109Deutsche Hochdruckliga[1]
Hypertonie Grad 3ab 180und/oderab 110Deutsche Hochdruckliga[1]
Hypertensive Entgleisungüber 180und/oderüber 110NVL Hypertonie[5]
Niedriger Blutdruckunter 90und/oderunter 60NHLBI[6]

Zu Hause liegen die Werte meist etwas niedriger. Deshalb gilt bei der Selbstmessung schon ein Mittelwert ab 135/85 mmHg als Bluthochdruck[1]. Niedriger Blutdruck ist für sich genommen keine Krankheit: Manche Menschen liegen immer unter 90/60 und fühlen sich wohl[6].

Warum sehen andere Tabellen anders aus? Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie nennt seit 2024 Werte von 120–139/70–89 „erhöht“, Hypertonie bleibt bei 140/90[7]. Amerikanische Tabellen setzen die Grenze schon bei 130/80[8]. Wer in Deutschland behandelt wird, orientiert sich an der Tabelle oben.

Welcher Blutdruck ist in welchem Alter normal?

Für Erwachsene ändern sich die Grenzwerte mit dem Alter nicht. Es ändert sich nur, wie viele Menschen darüber liegen. Bei Kindern ist das anders, weil ihr Blutdruck von der Körpergröße abhängt.

Blutdruck-Tabelle nach Alter (mmHg)
AltersgruppeUnauffälligBluthochdruckQuelle
Kinder 3 bis 15 Jahreunter der 95. Perzentile für Alter, Geschlecht und Größewiederholt über der 95. PerzentileDeutsche Hochdruckliga, ESH 2016[2][9]
Jugendliche ab 16 Jahrenunter 140/90, Kategorien wie bei Erwachsenenab 140/90Deutsche Hochdruckliga[2]
Erwachsene 18 bis 39 Jahreunter 130/85 (optimal unter 120/80)ab 140/90Deutsche Hochdruckliga[1]
Erwachsene 40 bis 59 Jahreunter 130/85 (optimal unter 120/80)ab 140/90Deutsche Hochdruckliga[1]
Erwachsene ab 60 Jahrenunter 130/85 (optimal unter 120/80)ab 140/90Deutsche Hochdruckliga[1]
Obere Blutdruckgrenze (95. Perzentile) bei Kindern mittlerer Größe, Messung mit Automatikgerät (mmHg)
AlterJungenMädchen
3 Jahre110/70109/71
6 Jahre111/71112/72
9 Jahre116/74117/74
12 Jahre124/77124/76
15 Jahre136/82128/80

Die Werte stammen aus der deutschen KiGGS-Studie. Für große Kinder liegt die Grenze etwa 2 bis 4 mmHg höher, für kleine Kinder entsprechend niedriger[2].

Steigt der normale Blutdruck mit dem Alter?

Auf diesem Irrtum beruhen viele Tabellen nach Alter, auch die alte Faustregel „100 plus Lebensalter“. Richtig ist: Im Alter werden die Schlagadern steifer, und der Blutdruck steigt oft an[10]. In Deutschland haben etwa 50 % der Männer und 40 % der Frauen einen erhöhten Blutdruck, und die Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu[11]. Doch häufig ist nicht gesund: Die Leitlinien kennen keine eigenen Kategorien für Ältere. Tabellen mit Durchschnittswerten, die als „normal nach Alter“ beschriftet sind, lassen 145/85 mit 65 Jahren unbedenklich wirken. Das ist es nicht.

Das Alter zählt beim Behandlungsziel. Die Nationale VersorgungsLeitlinie sieht einen Zielwert unter 140/90 mmHg als ideal an und lässt je nach Gesundheitszustand etwas höhere oder niedrigere Werte zu[5]. Bei älteren Menschen wird meist kein oberer Wert unter 120 mmHg angestrebt, weil zu starkes Senken Schwindel und Stürze begünstigen kann[10]. Ab 85 Jahren oder bei Gebrechlichkeit akzeptieren europäische Fachleute ein weniger strenges Ziel, wenn das übliche nicht vertragen wird[7]. Das ist eine gemeinsame Entscheidung, kein anderes „normal“.

Gibt es Unterschiede bei Frauen, Männern und in der Schwangerschaft?

Die Kategorien sind für beide Geschlechter gleich. Männer haben häufiger im mittleren Alter Bluthochdruck, Frauen eher im höheren Alter[12]. In der Schwangerschaft gilt 140–159/90–109 mmHg als leichter, ab 160/110 mmHg als schwerer Bluthochdruck; Medikamente kommen meist ab Werten über 140/90 mmHg infrage[13]. Neu erhöhte Werte werden auf eine Präeklampsie geprüft.

Was macht den Blutdruck zu hoch oder zu niedrig?

Werte über dem Normalbereich

  • Häufig Eine ungenaue oder aufgeregte Messung, darunter die „Weißkittelhypertonie“, bei der der Blutdruck in der Praxis höher liegt als zu Hause[1].
  • Häufig Alter, familiäre Veranlagung, viel Salz und wenig Kalium, Alkohol, Bewegungsmangel, schlechter Schlaf und Übergewicht[12]. Das typische Bild eines dauerhaften Bluthochdrucks.
  • Möglich Medikamente wie abschwellende Schnupfenmittel, manche Antidepressiva, die Pille und entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen[12].
  • Möglich Schlafapnoe, eine chronische Nierenerkrankung oder ein metabolisches Syndrom[12].
  • Selten Hormonelle Ursachen, etwa zu viel Aldosteron, nach dem die amerikanische Leitlinie von 2025 häufiger suchen lässt, oder eine Schilddrüsenüberfunktion und manche Tumoren[8][12].

Werte unter 90/60

  • Häufig Ein von Natur aus niedriger Blutdruck ohne Beschwerden, der keine Behandlung braucht[6].
  • Häufig Flüssigkeitsmangel oder Blutdrucksenker, vor allem bei Älteren, die beim Aufstehen oder nach dem Essen Schwindel spüren[6].
  • Möglich Schwangerschaft, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen wie eine Arrhythmie[6].
  • Selten Plötzlicher Blutverlust oder Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson[6].

Was kann eine Blutdruckmessung verfälschen?

Kleinigkeiten verschieben die Werte. In einer Studie maß eine Standardmanschette an Armen, die eine große Manschette gebraucht hätten, 4,8 mmHg zu hoch, an Armen für eine extragroße Manschette sogar 19,5 mmHg[14]. Lag der Arm auf dem Schoß, stieg der obere Wert um 3,9 mmHg, hing er seitlich herab, um 6,5 mmHg[15]. Prüfen Sie vor jedem Eintrag ins Blutdrucktagebuch:

  • Die Manschettengröße passt zum Oberarm und liegt auf der nackten Haut, nicht über dem Ärmel[14][4].
  • Kein Kaffee, kein Sport, keine Zigarette und kein Alkohol in den 30 Minuten davor[3][16].
  • Die Blase ist vorher entleert[16].
  • 5 Minuten ruhig sitzen, Rücken angelehnt, Füße flach auf dem Boden, Beine nicht übereinandergeschlagen. Übereinandergeschlagene Beine können den oberen Wert um 5 bis 8 mmHg erhöhen[4][16].
  • Der Arm liegt auf dem Tisch, die Manschette auf Herzhöhe[3][15].
  • Nicht sprechen, weder in der Ruhephase noch während der Messung[16].
  • Mindestens zwei Messungen im Abstand von 1 bis 2 Minuten, dann den Mittelwert notieren[16].
  • Bei der ersten Messung beide Arme prüfen; danach am Arm mit dem höheren Wert messen[11].

Ab welchem Blutdruck ist es ein Notfall?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen, wenn der Blutdruck stark erhöht ist und Beschwerden dazukommen: plötzliche starke Kopfschmerzen, Schmerzen in Brust, Rücken oder Bauch, Atemnot, Taubheit oder Lähmung, plötzliche Sehstörungen oder Sprachstörungen[17][5]. Das können Zeichen eines Schlaganfalls sein. Rufen Sie die 112 auch bei niedrigem Blutdruck mit kalter, schweißiger Haut, schneller Atmung oder schwachem, schnellem Puls[6].
  • Am selben Tag, wenn der Blutdruck ohne Beschwerden über 180/110 mmHg liegt und auch nach 30 Minuten Ruhe so hoch bleibt: Hausarztpraxis anrufen oder außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117[5]. Ebenso, wenn Sie bei jedem Aufstehen schwindelig werden oder ohnmächtig geworden sind[6].
  • Beim nächsten Arzttermin, wenn Ihr Mittelwert zu Hause bei 135/85 mmHg oder darüber liegt oder Ihre Werte wiederholt im hochnormalen Bereich sind.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Welchen Zielwert sollte ich bei meinem Alter und meiner Gesundheit anstreben?
  2. Wie oft und an wie vielen Tagen soll ich zu Hause messen, oder ist eine Langzeitmessung sinnvoll?
  3. Kann eines meiner Medikamente den Blutdruck erhöhen oder senken?
  4. Brauche ich Blut- oder Urinuntersuchungen, etwa ein Basis-Stoffwechselprofil oder das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin?

Was fragen andere zur Blutdruck-Tabelle?

Ist ein Blutdruck von 150 zu 90 zu hoch?

Ja. Bestätigt sich der Wert bei wiederholten Messungen in der Praxis, entspricht er einer Hypertonie Grad 1. Das heißt nicht automatisch Tabletten, sollte aber besprochen werden.

Welcher Blutdruck ist mit 70 Jahren normal?

Die gleichen Kategorien wie mit 30: unter 130/85 ist normal, ab 140/90 liegt Bluthochdruck vor. Unterschiedlich ist nur das Behandlungsziel, das sich nach Fitness und Begleiterkrankungen richtet.

Wie hoch soll der zweite Wert beim Blutdruck sein?

Der untere, diastolische Wert sollte unter 85 mmHg liegen, optimal unter 80. Ab 90 mmHg in der Praxis spricht man von Bluthochdruck, auch wenn der obere Wert normal ist.

Ist 130/80 mit 60 Jahren in Ordnung?

Nach deutscher Einteilung ist das hochnormal: noch kein Bluthochdruck, aber ein Anlass, regelmäßig zu messen und auf den Lebensstil zu achten. In amerikanischen Tabellen gilt der gleiche Wert bereits als Hypertonie Stadium 1.

Welche Seiten sollten Sie als Nächstes lesen?

Woher stammen diese Zahlen?

  1. Deutsche Hochdruckliga. Bluthochdruck bei Erwachsenen. hochdruckliga.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  2. Deutsche Hochdruckliga. Bluthochdruck bei Kindern. hochdruckliga.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute. High Blood Pressure: Diagnosis. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  4. Muntner P, Shimbo D, Carey RM, et al. Measurement of Blood Pressure in Humans: A Scientific Statement From the American Heart Association. Hypertension. 2019;73(5):e35-e66. doi:10.1161/HYP.0000000000000087 (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  5. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0, 2023. leitlinien.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  6. National Heart, Lung, and Blood Institute. Low Blood Pressure. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  7. McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J. 2024;45(38):3912-4018. doi:10.1093/eurheartj/ehae178 (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  8. American Heart Association. New high blood pressure guideline emphasizes prevention, early treatment to reduce CVD risk. AHA Newsroom. 14. August 2025. newsroom.heart.org (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  9. Lurbe E, Agabiti-Rosei E, Cruickshank JK, et al. 2016 European Society of Hypertension guidelines for the management of high blood pressure in children and adolescents. J Hypertens. 2016;34(10):1887-1920. doi:10.1097/HJH.0000000000001039 (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  10. Deutsche Hochdruckliga. Bluthochdruck und Alter. hochdruckliga.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  11. Bundesministerium für Gesundheit. Bluthochdruck (gesund.bund.de). gesund.bund.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  12. National Heart, Lung, and Blood Institute. High Blood Pressure: Causes and Risk Factors. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  13. Deutsche Hochdruckliga. Bluthochdruck in der Schwangerschaft und Stillzeit. hochdruckliga.de (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  14. Ishigami J, Charleston J, Miller ER, et al. Effects of Cuff Size on the Accuracy of Blood Pressure Readings: The Cuff(SZ) Randomized Crossover Trial. JAMA Intern Med. 2023;183(10):1061-1068. doi:10.1001/jamainternmed.2023.3264 (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  15. Liu H, Zhao D, Sabit A, et al. Arm Position and Blood Pressure Readings: The ARMS Crossover Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2024;184(12):1436-1442. doi:10.1001/jamainternmed.2024.5213 (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  16. Centers for Disease Control and Prevention. Measuring Your Blood Pressure. cdc.gov (abgerufen am 21. Oktober 2026)
  17. National Heart, Lung, and Blood Institute. High Blood Pressure: Symptoms. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 21. Oktober 2026)

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