Das Wichtigste in Kürze

Blutgerinnsel entstehen natürlich, um Blutungen zu stoppen. Bildet sich aber eines in einer Vene oder Arterie, kann es den Blutfluss blockieren. Ein geschwollenes, schmerzendes, warmes Bein kann auf eine Beinvenenthrombose hinweisen, plötzlicher Brustschmerz mit Atemnot auf eine Lungenembolie. Plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder ein hängender Mundwinkel können einen Schlaganfall bedeuten. Das sind Notfälle. Ein D-Dimer-Test kann ein Gerinnsel eher ausschließen, ein erhöhter Wert ist aber keine Diagnose, meist folgt eine Bildgebung.

Wann muss ich bei einem Blutgerinnsel sofort Hilfe holen?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen bei plötzlichen Brustschmerzen, Atemnot, Herzrasen oder Husten mit Brustschmerz, die auf ein Gerinnsel in der Lunge hinweisen können[4]. Auch bei plötzlicher Verwirrtheit, Sprachstörung, Taubheit oder Schwäche auf einer Körperseite, plötzlichen starken Kopfschmerzen oder Sehverlust, den Zeichen eines Schlaganfalls. Fahren Sie nicht selbst; im Rettungswagen kann die Behandlung schon beginnen[5].
  • Innerhalb von Stunden bis 24 Stunden bei einem Bein, das geschwollen, schmerzhaft oder druckempfindlich, gerötet oder dunkler und warm ist, besonders nach Operation, Verletzung oder langem Stillliegen[4][2]. Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe; eine tiefe Venenthrombose kann zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen[2]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117; bei Atemnot oder Brustschmerz gilt immer 112.
  • Beim nächsten Arzttermin, um Ihr Thromboserisiko zu besprechen, wenn Gerinnsel in der Familie vorkamen, eine größere Operation ansteht oder mehrere Risikofaktoren zusammenkommen[1][3].

Manchmal verursacht ein Gerinnsel keine Beschwerden, bis ernste Komplikationen auftreten[1]. Warten Sie bei Risikofaktoren und einem dieser Zeichen nicht ab, bis es von selbst vergeht.

Woran erkenne ich ein Blutgerinnsel?

  • Bein oder Arm (tiefe Venenthrombose). Schmerz oder Druckempfindlichkeit, Schwellung, Rötung oder dunklere Haut, die sich warm anfühlt. Meist betrifft es Unterschenkel, Oberschenkel oder Becken, seltener einen Arm, vor allem bei einem zentralen Venenkatheter[4][1]. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur tiefen Venenthrombose.
  • Lunge (Lungenembolie). Atemnot, Husten, Brustschmerz, schneller Herzschlag oder schnelle Atmung. Viele Betroffene haben keine Beschwerden[4]. Lesen Sie auch den Ratgeber zur Lungenembolie.
  • Gehirn (Schlaganfall). Hängender Mundwinkel, absinkender Arm, verwaschene Sprache: handeln Sie nach der FAST-Regel und rufen Sie 112[5]. Mehr zum Schlaganfall.

Gerinnsel in der Regelblutung oder im Stuhl sind ein anderes Thema. Dunklen oder schwarzen Stuhl behandelt zum Beispiel unser Ratgeber zum schwarzen Stuhlgang.

Wie entstehen Blutgerinnsel, und wer ist gefährdet?

Ein Gerinnsel kann entstehen, wenn das Blut langsamer fließt oder die Gefäßwand geschädigt ist; die meisten Menschen mit einer Venenthrombose haben mehr als einen Risikofaktor[3]. Bei Gesunden bilden sich ohne Verletzung nur sehr selten Gerinnsel im Blutkreislauf[8]. In den USA treten jährlich bis zu 600.000 venöse Gerinnselereignisse auf[1].

  • Häufig Wenig Bewegung: Bettruhe, Krankenhausaufenthalt, die Zeit nach einer Operation (das Risiko ist in den ersten 3 Monaten am höchsten) und Flüge von mehr als 4 Stunden[3].
  • Häufig Kürzliche Operation, Verletzung oder schwere Infektion, auch COVID-19[1][3]. Das deutsche Gesundheitsportal nennt zudem Operationen mit Vollnarkose, Ruhigstellung großer Gelenke, Tumorerkrankungen, östrogenhaltige Antibabypillen und Schwangerschaft[7].
  • Häufig Alter: Die Wahrscheinlichkeit verdoppelt sich nach dem 40. Lebensjahr etwa alle 10 Jahre[3].
  • Möglich Grunderkrankungen: Krebs und seine Behandlung, Diabetes, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Nierenerkrankung, Übergewicht und Rückenmarkverletzung[3].
  • Möglich Familiäre Häufung: Geschwister von Menschen mit einem Gerinnsel haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko[3].
  • Selten Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen (Thrombophilie), manchmal erst nach einem ersten Gerinnsel entdeckt[3][7].

Welche Untersuchungen finden ein Blutgerinnsel?

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berücksichtigt Vorgeschichte, Risikofaktoren und körperliche Untersuchung und veranlasst dann Blut- und Bilduntersuchungen[2].

Häufige Untersuchungen bei Verdacht auf ein Gerinnsel
UntersuchungWas sie zeigtGut zu wissen
D-Dimer (Blut)Ein Bruchstück, das beim Auflösen eines Gerinnsels frei wird[4]Kann bei niedrigem Risiko ein Gerinnsel ausschließen helfen; nicht spezifisch[2][4]
Doppler-UltraschallBlutfluss in Bein- oder Armvenen[4]Bildgebung bei Verdacht auf ein Venengerinnsel[4]
CT-Angiografie der LungeGerinnsel in den LungengefäßenWichtigste Untersuchung bei Verdacht auf eine Lungenembolie[2]
Ventilations-Perfusions-SzintigrafieLuft- und Blutfluss in der LungeAlternative zur CT-Angiografie[2]
Sauerstoffsättigung im BlutWie gut die Lunge arbeitetNiedrige Werte können auf ein Gerinnsel hinweisen[2]

Weitere Gerinnungswerte wie die Prothrombinzeit, die Thrombozytenzahl und das Fibrinogen beschreiben, wie Ihr Blut gerinnt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ergänzt sie, wenn Gerinnsel wiederholt auftreten oder Sie Gerinnungshemmer nehmen.

Wie lese ich meinen D-Dimer-Wert?

D-Dimer ist ein Eiweißbruchstück, das beim Auflösen eines Blutgerinnsels entsteht. Im Blut findet man es normalerweise nur, wenn der Körper Gerinnsel bildet oder abbaut[4]. Ein normaler oder niedriger Wert spricht gegen eine Gerinnungsstörung, aber Gerinnungshemmer können ein falsch negatives Ergebnis verursachen[4]. Ein hoher Wert kann ein Gerinnsel anzeigen, steigt aber auch bei Schwangerschaft, Herzerkrankung, rheumatoider Arthritis, kürzlicher Operation, höherem Alter und Bewegungsmangel[4]. Hier eine fiktive Befundzeile.

Fiktives Beispiel einer Laborbefundzeile (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichHinweis
D-Dimere, quantitativ0,82 mg/l FEU< 0,5 mg/l FEUH
Thrombozyten245 /nl150 – 400 /nl-
INR1,00,8 – 1,2-
  1. Ergebnis und Einheit: D-Dimer wird in FEU- oder DDU-Einheiten angegeben, die sich nicht umrechnen lassen; vergleichen Sie nur mit dem Bereich Ihres eigenen Labors.
  2. Hinweis H: über dem Bereich. Das allein beweist kein Gerinnsel; Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verbindet den Wert mit Beschwerden und Risiko, bevor eine Bildgebung folgt.
  3. Altersangepasster Grenzwert: Ab 50 Jahren verwenden viele Kliniken das Alter mal 10 µg/l als Grenze, um unnötige Bildgebung zu vermeiden[6].

Steht auf Ihrem Befund ein H neben D-Dimer oder einem Gerinnungswert? BloodSense geht jede Zeile Ihres Befunds mit Ihnen durch und hilft Ihnen, Fragen für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vorzubereiten.

Meinen Befund erklären lassen

Was sollte ich vor dem Arztbesuch notieren?

  • Wann Schwellung, Schmerz oder Atemnot begonnen haben und auf welcher Seite.
  • Kürzliche Operation, Verletzung, Klinikaufenthalt, lange Reise oder Bettruhe.
  • Frühere Gerinnsel und Gerinnsel bei nahen Verwandten.
  • Alle Medikamente und Präparate, auch Gerinnungshemmer und Hormone.
  • Eine Krebserkrankung oder -behandlung und kürzliche Infektionen.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Ist mein Risiko für ein Blutgerinnsel erhöht, und warum?
  2. Brauche ich einen D-Dimer-Test, einen Ultraschall oder ein CT?
  3. Wie unterscheide ich ein Gerinnsel von einer Muskelzerrung oder einer Infektion im Bein?
  4. Erhöht eines meiner Medikamente das Risiko?
  5. Wie senke ich mein Risiko auf langen Reisen oder nach einer Operation?

Häufige Fragen

Schließt ein normaler D-Dimer-Wert ein Blutgerinnsel aus?

Ein normaler oder niedriger Wert spricht gegen eine Gerinnungsstörung, aber Gerinnungshemmer können ein falsch negatives Ergebnis verursachen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wägt zusätzlich Beschwerden und Risiko ab[4].

Kann sich ein Blutgerinnsel von selbst auflösen?

Der Körper löst Gerinnsel nach der Heilung einer Verletzung auf[4]. Ein Gerinnsel in einer tiefen Vene kann sich aber lösen und in die Lunge wandern, deshalb gehört es in ärztliche Hände[1].

Kann ein Gerinnsel ganz ohne Beschwerden auftreten?

Ja. Ein Venengerinnsel zeigt manchmal erst Zeichen, wenn ernste Komplikationen auftreten[1].

Wie kann ich mein Risiko für Blutgerinnsel senken?

Fragen Sie vor größeren Operationen nach Vorbeugung, bewegen Sie sich auf langen Reisen und im Krankenhaus regelmäßig und behandeln Sie Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck[3]. Bei hohem Risiko kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt vorbeugende Medikamente empfehlen[1][8].

Verwandte Untersuchungen und Ratgeber

Quellen

  1. National Heart, Lung, and Blood Institute. Venous Thromboembolism. National Institutes of Health. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  2. National Heart, Lung, and Blood Institute. Venous Thromboembolism: Diagnosis. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute. Venous Thromboembolism: Causes and Risk Factors. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  4. MedlinePlus. D-Dimer Test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  5. National Heart, Lung, and Blood Institute. Stroke: Symptoms. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  6. Konstantinides SV, Meyer G, Becattini C, et al. 2019 ESC guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J. 2020;41(4):543-603. doi:10.1093/eurheartj/ehz405 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  7. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit). Thromboseneigung (Thrombophilie), Stand 03.04.2023. gesund.bund.de (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  8. IQWiG. Was sind Blutgerinnsel und wie entstehen sie? Gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 23. Oktober 2026)

Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose oder Behandlung. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Schlaganfall-Zeichen rufen Sie ohne Zögern die 112.