Das Wichtigste in Kürze

Das Sjögren-Syndrom (heute oft Sjögren-Erkrankung genannt) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Tränen- und Speicheldrüsen angreift. Typisch sind trockene Augen und ein trockener Mund, dazu oft Erschöpfung und Gelenkschmerzen. Es gibt keinen einzelnen Test: Ärztinnen und Ärzte verbinden Beschwerden, Augen- und Speicheltests und Blutwerte wie ANA und Anti-SSA/Ro-Antikörper. Heilbar ist die Krankheit nicht, die Beschwerden lassen sich aber gut lindern.

Was ist das Sjögren-Syndrom auf einen Blick?

  • Was passiert: Immunzellen greifen die Drüsen an, die Tränen und Speichel bilden[1][2][5].
  • Wer ist betroffen: Frauen etwa neunmal häufiger als Männer[2]. In Deutschland sind laut Deutscher Rheuma-Liga vier von 1000 Menschen betroffen; nach der rheumatoiden Arthritis ist es die zweithäufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung[5].
  • Formen: primär (ohne andere Autoimmunerkrankung) oder sekundär (zusammen mit einer anderen, etwa rheumatoider Arthritis oder Lupus)[1].
  • Wichtige Blutwerte: ANA, Anti-SSA/Ro, Anti-SSB/La, Rheumafaktor[1][3].
  • Aussicht: meist nicht lebensbedrohlich; die Behandlung lindert die Beschwerden[1][2].

Welche Symptome hat das Sjögren-Syndrom?

Trockene Augen und ein trockener Mund sind die häufigsten Beschwerden (Sicca-Syndrom)[1][2][5].

  • Augen: Juckreiz, Brennen, Fremdkörpergefühl („Sand im Auge"), verschwommenes Sehen oder Lichtempfindlichkeit[1][2].
  • Mund und Rachen: trockene Zunge und trockener Hals, Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken und Sprechen, zäher Speichel, Mundwunden, Karies und Zahnfleischentzündungen[1][2].
  • Ganzer Körper: Erschöpfung (Fatigue), Gelenk- und Muskelschmerzen, trockene und juckende Haut, Hautausschlag an Händen oder Füßen, Taubheit oder Kribbeln, hartnäckiger trockener Husten und trockene Scheide[1][2][5]. Finger, die bei Kälte die Farbe wechseln (Raynaud-Syndrom), und geschwollene Speicheldrüsen oder Halslymphknoten kommen ebenfalls vor[1][5].

Manche Menschen haben nur eine leichte Trockenheit, andere erleben Phasen mit schwächeren und stärkeren Beschwerden[2].

Wann sollte ich bei Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom zum Arzt?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen bei plötzlichem Sehverlust, einem stark schmerzenden roten Auge, schwerer Atemnot oder plötzlicher Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite.
  • Innerhalb weniger Tage bei neu geschwollenen Drüsen am Hals oder unter dem Kiefer, anhaltendem trockenem Husten mit Atemnot, neuem Hautausschlag oder Taubheit und Kribbeln, die sich ausbreiten[1]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Arzttermin bei trockenen Augen und trockenem Mund, die seit Wochen anhalten, bei wiederholtem Karies oder Infektionen im Mund oder bei anhaltender Erschöpfung mit Gelenkschmerzen[1][2].

Was verursacht das Sjögren-Syndrom?

Die Ursache ist nicht geklärt. Es ist eine Autoimmunerkrankung: Der Körper greift versehentlich gesundes Gewebe an[1]. Vermutlich wirken Erbanlagen und äußere Faktoren zusammen; auch frühere Infektionen könnten eine Rolle spielen[2]. Die Deutsche Rheuma-Liga nennt außerdem Stress und Veränderungen im Hormonhaushalt als mögliche Einflüsse[5].

  • Häufig Weibliches Geschlecht, meist in der Lebensmitte[1][2].
  • Häufig Eine andere Autoimmunerkrankung: rheumatoide Arthritis, Lupus, Sklerodermie oder Polymyositis[1][5].
  • Möglich Hepatitis C und die IgG4-assoziierte Erkrankung können die Speicheldrüsen betreffen und dem Sjögren-Syndrom ähneln[1].
  • Selten Bei Kindern ist die Erkrankung selten[1].

Trockener Mund und trockene Augen haben viele andere Ursachen, etwa Antihistaminika, abschwellende Mittel, Alkohol, harntreibende Medikamente oder bestimmte Mittel gegen Depressionen[1][5]. Trockenheit allein beweist also kein Sjögren-Syndrom. Weil die ersten Beschwerden so unspezifisch sind, kann es Jahre bis zur Diagnose dauern[5].

Welche Blutwerte zeigen ein Sjögren-Syndrom an?

Die Diagnose stützt sich auf Krankengeschichte, Untersuchung sowie klinische und Laboruntersuchungen[2]. Zu den üblichen Blutuntersuchungen gehören Blutbild, Leberwerte, ANA, Anti-Ro/SSA- und Anti-La/SSB-Antikörper, Rheumafaktor, Anti-CCP, Kryoglobuline, Komplementfaktoren, Eiweißelektrophorese und Schilddrüsenwerte, bei Risiko auch Tests auf Hepatitis C und HIV[1]. Hier ein fiktiver Befund.

Fiktives Beispiel einer Laborbefundzeile (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichHinweis
ANA (antinukleäre Antikörper)positiv, Titer 1:320, gesprenkeltnegativpositiv
Anti-SSA/Ro-Antikörperpositivnegativpositiv
Anti-SSB/La-Antikörpernegativnegativ-
Rheumafaktor48 IE/mlunter 20 IE/mlH
Komplementfaktor C422 mg/dl10 – 40 mg/dl-
  1. ANA: ein Suchtest, der bei vielen Autoimmunerkrankungen positiv ist und allein nichts beweist. Titer (1:320) und Muster (gesprenkelt) werden gemeinsam mit den übrigen Befunden gelesen.
  2. Anti-SSA/Ro: der spezifischste Antikörper beim Sjögren-Syndrom. Ein positives Ergebnis zählt in den ACR/EULAR-Kriterien von 2016 drei Punkte[4].
  3. Rheumafaktor und C4: der Rheumafaktor gehört oft zur Abklärung; Grenzwerte und Einheiten (C4 in mg/dl oder g/l) unterscheiden sich je nach Labor, maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund. C4 wird bestimmt, weil niedrige Komplementwerte mit einem Verlauf mit höherem Risiko einhergehen[1].

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Meine Antikörperwerte erklären lassen

Wie wird das Sjögren-Syndrom diagnostiziert?

Blutwerte sind nur ein Teil. Dazu kommen der Schirmer-Test der Tränenproduktion, eine Untersuchung durch die Augenärztin oder den Augenarzt, Ultraschall oder MRT der Speicheldrüsen und manchmal eine Gewebeprobe aus der Speicheldrüse der Lippe[1]. Die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2016 addieren Punkte für Anti-SSA/Ro-Antikörper, Speicheldrüsenbiopsie, Tests auf trockene Augen und Speichelfluss; ab 4 Punkten bei Menschen mit trockenen Augen oder trockenem Mund stützt das die Diagnose[4].

Wie wird das Sjögren-Syndrom behandelt und kontrolliert?

Heilbar ist die Krankheit nicht; die Behandlung lindert die Beschwerden und richtet sich danach, welche Körperteile betroffen sind[2][5]. Dosierungen nennen wir hier bewusst nicht.

  • Trockene Augen: künstliche Tränen und Augensalben; kleine Pfropfen in den Tränenkanälen können helfen[1][2].
  • Trockener Mund: über den Tag Wasser trinken, zuckerfreien Kaugummi kauen, Speichelersatz und Mittel, die den Speichelfluss anregen, wenn örtliche Maßnahmen nicht reichen[1][2][5].
  • Zahnpflege: häufiges Zähneputzen, regelmäßige Zahnarzttermine und mineralisierende Spülungen gegen Karies[1].
  • Gelenkschmerzen: entzündungshemmende Medikamente können helfen; in schweren Fällen kommen Kortison oder Immunsuppressiva infrage[2].
  • Medikamente, die den Mund austrocknen, etwa Antihistaminika und abschwellende Mittel, sollten möglichst vermieden werden[1].

Die Krankheit ist meist nicht lebensbedrohlich, kann aber zu Augenschäden, Karies, Lungenerkrankungen, Nervenschäden und selten zu Nierenproblemen oder einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) führen[1]. Das Risiko für ein Lymphom ist erhöht, wenn die Krankheit lange sehr aktiv war und bei Vaskulitis, niedrigen Komplementwerten und Kryoglobulinen[1][3]. Deshalb verfolgt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Blutwerte und Beschwerden über die Zeit.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Passen meine Antikörper zu einem Sjögren-Syndrom, und brauche ich eine Biopsie oder einen Augentest?
  2. Könnte eine andere Krankheit oder eines meiner Medikamente die Trockenheit erklären?
  3. Auf welche Komplikationen sollte ich achten, und wie oft werden die Blutwerte kontrolliert?
  4. Welche Augen- und Zahnpflege empfehlen Sie?
  5. Sollte ich zu einer Rheumatologin oder einem Rheumatologen?

Häufige Fragen

Ist das Sjögren-Syndrom dasselbe wie die Sjögren-Erkrankung?

Ja. Früher sprach man vom Sjögren-Syndrom, heute wird oft der Begriff Sjögren-Erkrankung verwendet[2][5].

Kann man das Sjögren-Syndrom allein mit einem Bluttest feststellen?

Nein. Blutwerte wie Anti-SSA/Ro stützen die Diagnose, doch dazu kommen Beschwerden, Augen- und Mundtests und manchmal eine Biopsie[1][4].

Wie ernst ist das Sjögren-Syndrom, und wie hoch ist die Lebenserwartung?

Die Krankheit ist meist nicht lebensbedrohlich. Sie kann aber andere Organe betreffen und bei manchen Menschen das Lymphomrisiko erhöhen, deshalb sind Kontrollen wichtig[1].

Kann der ANA positiv sein, ohne dass ein Sjögren-Syndrom vorliegt?

Ja. Ein positiver ANA ist häufig und beweist allein nichts; mehr dazu in unserem Ratgeber zum ANA.

Macht das Sjögren-Syndrom lichtempfindlich?

Ja. Trockene Augen können auf helles Licht empfindlich reagieren und das Sehen verschwimmen lassen[2].

Ist das Sjögren-Syndrom heilbar?

Nein, aber die Behandlung kann die Beschwerden lindern[2][5].

Verwandte Artikel

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Sjögren syndrome. Reviewed April 2025. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  2. National Institute of Dental and Craniofacial Research. Sjögren's Disease. National Institutes of Health. nidcr.nih.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  3. Brito-Zerón P, Baldini C, Bootsma H, et al. Sjögren syndrome. Nat Rev Dis Primers. 2016;2:16047. doi:10.1038/nrdp.2016.47 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  4. Shiboski CH, Shiboski SC, Seror R, et al. 2016 American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism classification criteria for primary Sjögren's syndrome. Arthritis Rheumatol. 2017;69(1):35-45. doi:10.1002/art.39859 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  5. Deutsche Rheuma-Liga. Sjögren-Erkrankung (früher: Sjögren-Syndrom). rheuma-liga.de (abgerufen am 23. Oktober 2026)

Diese Seite ist eine allgemeine Information. Sie ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes, die Ihre Werte gemeinsam mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilen.