Das Wichtigste in Kürze

50 bis 150 Haare am Tag zu verlieren ist normal. Starker, diffuser Haarausfall, der 3 bis 5 Monate nach einer Krankheit, einer Geburt oder einer Crash-Diät beginnt, ist meist ein telogenes Effluvium, und die Haare wachsen nach. Lichtes Haar, kahle Stellen oder weitere Beschwerden gehören in die Praxis, je nach Muster mit Blutwerten wie Blutbild, Ferritin und TSH.

Ärztinnen und Ärzte schauen zuerst auf das Muster: Diffuser Haarausfall, ein lichter werdender Scheitel oder Geheimratsecken und runde kahle Stellen haben unterschiedliche Ursachen[3]. Ein festes Standardlabor gibt es nicht: Welche Tests sinnvoll sind, ergibt sich aus Vorgeschichte und Untersuchung der Kopfhaut[3]. Hier lesen Sie, welche Blutwerte bei Haarausfall weiterhelfen und was Ihr Ferritinwert wirklich aussagt.

Wann ist Haarausfall ein Notfall?

Wann zum Arzt?

  • Sofort die 112 wählen, wenn plötzlicher Haarausfall mit Erbrechen, Verwirrtheit, Taubheitsgefühl oder starker Schwäche einhergeht, vor allem nach möglichem Kontakt mit einem Gift wie Arsen, Thallium oder Quecksilber[2].
  • Binnen 24 bis 48 Stunden bei einer schmerzhaften, geschwollenen oder nässenden Stelle auf der Kopfhaut (eine Pilzinfektion, die Tabletten statt Cremes braucht)[3] oder bei kleinfleckigem Haarausfall zusammen mit neuem Hautausschlag oder einem Geschwür im Genitalbereich: Das kann auf eine Syphilis hinweisen[13]. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Zum nächsten regulären Termin bei Haarausfall seit Monaten, kahlen Stellen (Kopf, Bart, Augenbrauen), raschem Haarverlust mit 15 bis 30 Jahren, juckender oder schuppender Kopfhaut oder lichtem Haar zusammen mit Akne, Bartwuchs bei Frauen, unregelmäßiger Periode, Müdigkeit oder Frieren[1].

Warum habe ich plötzlich so viel Haarausfall? Zuerst die harmlosen Ursachen

  • Häufig Telogenes Effluvium (diffuser Haarausfall). Fieber, eine Operation, eine Geburt, eine Crash-Diät oder starker Stress schicken viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase; 3 bis 5 Monate später fallen sie aus, verteilt über den ganzen Kopf[3]. Meist hört das nach 2 bis 6 Monaten auf, und ist der Auslöser vorbei, wird das Nachwachsen innerhalb von 6 bis 12 Monaten sichtbar[3][4].
  • Häufig Nach der Geburt. Der Haarausfall erreicht etwa 4 Monate nach der Entbindung seinen Höhepunkt; bis zum ersten Geburtstag des Kindes haben die meisten Frauen ihre gewohnte Haarfülle zurück[12].
  • Häufig Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie). Er kommt schleichend: Geheimratsecken oder eine lichte Tonsur bei Männern, ein breiter werdender Scheitel bei Frauen. Etwa 80 % der Männer zeigen Anzeichen davon[1]. Ein Bluttest ist dafür nicht nötig[3].
  • Häufig Haarpflege. Straffe Zöpfe oder Pferdeschwänze (Traktionsalopezie), Blondieren und Glätten[2].
  • Möglich Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Manche Arzneimittel sowie zu viel Vitamin A oder Selen lösen Haarausfall aus. Setzen Sie nichts ab, ohne vorher mit der verordnenden Praxis zu sprechen[2][7].

Auf welche Krankheiten kann Haarausfall hinweisen?

  • Möglich Schilddrüsenerkrankungen. Haarausfall gehört zu den möglichen Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion[14]; auch eine Überfunktion kann das Haar ausdünnen, und die Behandlung macht das oft rückgängig[2].
  • Möglich Leere Eisenspeicher. Ein Eisenmangel wird oft geprüft, gerade bei starker Regelblutung; welche Rolle er genau spielt, ist umstritten[6][7].
  • Möglich Zu wenig Vitamin D, Zink oder Eiweiß. Sehr einseitige Diäten oder schnelles Abnehmen sind typische Auslöser[2][4].
  • Möglich Zu viele männliche Hormone bei Frauen. Häufigste Ursache ist das PCO-Syndrom; auch das Absetzen mancher Antibabypillen kann eine Rolle spielen[2].
  • Möglich Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata). Das Immunsystem greift die Haarwurzeln an; es entstehen glatte, runde kahle Stellen, die oft von selbst wieder zuwachsen[3].
  • Selten Syphilis, Lupus, vernarbende Alopezien, Tumoren der Eierstöcke oder Nebennieren. Bei der Syphilis tritt kleinfleckiger Haarausfall im zweiten Stadium auf, einige Wochen nach der Ansteckung[13]; nach der Behandlung wachsen die Haare oft nach[2]. Vernarbende Formen gehören in die Hautarztpraxis und brauchen oft eine Gewebeprobe[3][5].

Welche Blutwerte sind bei Haarausfall sinnvoll?

Bei diffusem Haarausfall sind Blutbild, Ferritin und TSH eine übliche erste Runde, manchmal ergänzt um Leber- und Nierenwerte[4][5]. Alles Weitere hängt von Ihrer Geschichte ab.

Blutuntersuchungen, die bei Haarausfall angeordnet werden können
UntersuchungWelche Frage sie beantwortetMeist bei
BlutbildBesteht eine Blutarmut?Diffusem Haarausfall
Ferritin (± Eisenstatus)Sind die Eisenspeicher leer?Haarausfall, starker Periode
TSHArbeitet die Schilddrüse zu langsam oder zu schnell?Haarausfall, Müdigkeit
25-OH-Vitamin DIst Vitamin D niedrig?Diffusem oder kreisrundem Haarausfall, wenig Sonne
Zink, Vitamin B12Fehlt ein bestimmter Nährstoff?Einseitiger Ernährung, Darmerkrankung
Testosteron, DHEA-SSind die männlichen Hormone erhöht?Frauen mit Akne, Bartwuchs, unregelmäßiger Periode
Syphilis-Suchtest (TPPA oder TPHA, dazu RPR oder VDRL)Steckt eine Syphilis dahinter?Kleinfleckigem Haarausfall, Ausschlag, Ansteckungsrisiko

Erblich bedingter Haarausfall bei Männern braucht keinen Test[3]. Bei Frauen kommen Hormonwerte hinzu, wenn es Zeichen für zu viele männliche Hormone gibt[4]; Testosteron wird morgens zwischen 7 und 10 Uhr abgenommen[11]. Zink routinemäßig zu bestimmen, wird bei gewöhnlichem Haarausfall nicht empfohlen[7]. In der Hautarztpraxis kommen oft ein Zupftest und eine Trichoskopie (die Kopfhaut unter Vergrößerung) hinzu[5].

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Meinen Befund erklären lassen

Wie lese ich meine Blutwerte bei Haarausfall?

Laborbefund einer 34-jährigen Frau mit diffusem Haarausfall, ein fiktives Beispiel im deutschen Format
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
Hämoglobin12,6 g/dl12,0–15,5 g/dl
Ferritin18 ng/ml13–150 ng/ml
TSH basal2,1 mU/l0,4–4,0 mU/l
25-OH-Vitamin D17 ng/ml30–100 ng/mlL
  1. Hämoglobin ist normal: keine Blutarmut.
  2. Ferritin ist nicht markiert, 18 liegt aber am unteren Rand. Unter etwa 30 ng/ml sind die Eisenspeicher wahrscheinlich knapp[7].
  3. TSH ist normal: Eine Schilddrüsenursache ist unwahrscheinlich.
  4. L bedeutet unter dem Referenzbereich dieses Labors. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung spricht ab 20 ng/ml (50 nmol/l) von einer guten Versorgung für die Knochen und unter 12 ng/ml (30 nmol/l) von einem Mangel[15]; 17 ng/ml liegt dazwischen.

Ferritin und Haare: Welcher Wert reicht?

Labore werten Ferritin bei Frauen ab etwa 13 ng/ml als normal[9] (ng/ml entspricht µg/l). Manche Fachleute streben über 40 an, bei starkem Haarausfall 70, ohne dass es dazu einen Konsens gibt[7]. In einer Studie der Duke University mit 457 Frauen war ein Ferritin von 40 oder weniger bei Frauen ohne Haarausfall genauso häufig wie bei Frauen mit Haarausfall[6]. Bei Blutarmut wird Eisen klar behandelt; ohne Blutarmut ist das umstritten, auch wenn manche den oberen Teil des Normbereichs anstreben[4]. Entzündungen und Lebererkrankungen erhöhen das Ferritin und können leere Speicher verdecken[9]; dann hilft der vollständige Eisenstatus weiter.

Vitamin D, Zink und Biotin

Eine Metaanalyse aus 23 Studien fand einen Vitamin-D-Mangel bei nicht vernarbendem Haarausfall dreimal so häufig[8]. Ob Vitamin-D-, Zink- oder Biotinpräparate ohne nachgewiesenen Mangel helfen, ist unklar[4]. Biotin, das oft für Haare und Nägel verkauft wird, kann viele Laborwerte falsch erhöhen oder erniedrigen, auch die Schilddrüsenwerte: Sagen Sie dem Labor, wenn Sie es einnehmen[7].

Was hilft gegen Haarausfall wirklich?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: einen bestätigten Mangel ausgleichen, die Schilddrüse oder eine Infektion behandeln, einen Auslöser beseitigen. Erblich bedingter Haarausfall spricht auf Minoxidil an (als Lösung oder, außerhalb der Zulassung, als niedrig dosierte Tablette) und bei Männern auf Finasterid; Ergebnisse brauchen 6 bis 12 Monate und gehen nach dem Absetzen wieder verloren[3][4]. Kreisrunder Haarausfall wird mit Kortisonspritzen behandelt, bei großer Ausdehnung auch mit Tabletten aus der Gruppe der JAK-Hemmer wie Baricitinib[5]. Akuter diffuser Haarausfall braucht meist nur Geduld und eine gute Erklärung[4].

Was sollte ich mir vor dem Termin notieren?

  • Beginn des Haarausfalls und Krankheit, Fieber, Operation, Geburt, Diät oder großer Stress in den 2 bis 5 Monaten davor
  • Muster: überall, breiter Scheitel, Geheimratsecken, runde kahle Stellen
  • Neue Medikamente, abgesetzte Pille, Nahrungsergänzungsmittel (Biotin, Vitamin A)
  • Periode (stark oder unregelmäßig), Akne, Bartwuchs
  • Müdigkeit, Frieren, Gewichtsveränderung, vegetarische oder sehr kalorienarme Ernährung
  • Glatzenbildung in der Familie; Fotos der Kopfhaut im Verlauf

Häufige Fragen zu Haarausfall

Was fehlt dem Körper bei Haarausfall?

Am häufigsten Eisen, manchmal Zink, Vitamin D oder Eiweiß; ein Biotinmangel ist bei normaler Ernährung selten[7]. Präparate helfen, wenn ein Mangel bestätigt ist.

Wachsen die Haare nach einem telogenen Effluvium wieder nach?

Ja, in den meisten Fällen: Die Haarwurzeln sind nicht geschädigt. Ist der Auslöser vorbei, lässt der Haarausfall nach, und neue Haare werden innerhalb von 6 bis 12 Monaten sichtbar[4].

Ist kreisrunder Haarausfall gefährlich?

Nein, er schadet dem übrigen Körper nicht, und die Stellen wachsen oft von selbst wieder zu[3]. Bei großen oder vielen Stellen gibt es wirksame Behandlungen in der Hautarztpraxis[5].

Meine Blutwerte sind normal. Warum fallen die Haare trotzdem aus?

Normale Werte machen einen Mangel und eine Schilddrüsenursache unwahrscheinlich. Die beiden häufigsten Ursachen, erblich bedingter Haarausfall und Haarausfall nach einem Auslöser, zeigen sich nicht im Blut: Sie werden an der Vorgeschichte und an der Kopfhaut erkannt[3].

Weiterführende Untersuchungen und Ratgeber

Quellen

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Hair loss. medlineplus.gov (abgerufen am 7. November 2026)
  2. American Academy of Dermatology. Hair loss: who gets and causes. aad.org (abgerufen am 7. November 2026)
  3. Phillips TG, Slomiany WP, Allison R. Hair loss: common causes and treatment. Am Fam Physician. 2017;96(6):371-378. aafp.org (abgerufen am 7. November 2026)
  4. Bergfeld WF, Mendez D. Shedding: an updated guide to a common cause of hair loss. Cleve Clin J Med. 2026;93(10):616-622. doi:10.3949/ccjm.93a.26008 (abgerufen am 7. November 2026)
  5. Walker CW, Champigny D, Hartman T, et al. Hair loss: a systematic approach to evaluation, diagnosis, and management. JAAPA. 2026;39(9):27-34. doi:10.1097/01.JAA.0000000000000405 (abgerufen am 7. November 2026)
  6. Olsen EA, Reed KB, Cacchio PB, Caudill L. Iron deficiency in female pattern hair loss, chronic telogen effluvium, and control groups. J Am Acad Dermatol. 2010;63(6):991-999. doi:10.1016/j.jaad.2009.12.006 (abgerufen am 7. November 2026)
  7. Almohanna HM, Ahmed AA, Tsatalis JP, Tosti A. The role of vitamins and minerals in hair loss: a review. Dermatol Ther (Heidelb). 2019;9(1):51-70. doi:10.1007/s13555-018-0278-6 (abgerufen am 7. November 2026)
  8. Chen Y, Dong X, Wang Y, et al. Serum 25 hydroxyvitamin D in non-scarring alopecia: a systematic review and meta-analysis. J Cosmet Dermatol. 2024;23(4):1131-1140. doi:10.1111/jocd.16093. PubMed 38010941 (abgerufen am 7. November 2026)
  9. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Ferritin blood test. medlineplus.gov (abgerufen am 7. November 2026)
  10. NIH Office of Dietary Supplements. Vitamin D: fact sheet for health professionals. ods.od.nih.gov (abgerufen am 7. November 2026)
  11. MedlinePlus Lab Tests. Testosterone levels test; DHEA sulfate test. medlineplus.gov, medlineplus.gov (abgerufen am 7. November 2026)
  12. American Academy of Dermatology. Hair loss in new moms. aad.org (abgerufen am 7. November 2026)
  13. Bundesministerium für Gesundheit. Syphilis. gesund.bund.de. gesund.bund.de (abgerufen am 7. November 2026)
  14. IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). gesundheitsinformation.de (abgerufen am 7. November 2026)
  15. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D. dge.de (abgerufen am 7. November 2026)

Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Beginnen Sie keine Eisen- oder andere Präparate und setzen Sie kein Medikament ab, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen.