Syphilis: Symptome nach Stadien, Bluttests und Behandlung

Das Wichtigste in Kürze
Syphilis, auch Lues genannt, ist eine bakterielle Geschlechtskrankheit, die sich mit Antibiotika heilen lässt. Unerkannt kann sie aber Gehirn, Augen, Herz und ein ungeborenes Kind schädigen. Oft beginnt sie mit einem schmerzlosen Geschwür, das von selbst abheilt. Für die Diagnose braucht es zwei Arten von Bluttests, die zusammen gelesen werden: einen Suchtest wie TPPA oder TPHA und einen Aktivitätstest wie VDRL oder RPR. Gehen Sie bei einem neuen Geschwür oder einem Ausschlag an Handflächen oder Fußsohlen bald zum Arzt; bei plötzlichem Seh- oder Hörverlust rufen Sie die 112.
Was ist Syphilis (Lues)?
Syphilis wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht. Sie wird durch direkten Kontakt mit einem Syphilis-Geschwür beim Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr übertragen und in der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind, nicht aber über Toilettensitze oder Schwimmbäder[1].
- Weltweit: Etwa 8 Millionen Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren haben sich 2022 neu mit Syphilis angesteckt[6].
- In Deutschland: Pro Jahr erkranken etwa 9 von 100.000 Menschen, Männer häufiger als Frauen und vor allem in Großstädten[12].
- Wichtige Tests und Behandlung: Antikörper gegen den Erreger plus ein VDRL- oder RPR-Titer; Penicillin-Spritzen, deren Zahl sich nach dem Stadium richtet[2][11].
Welche Symptome hat Syphilis in den einzelnen Stadien?
Unbehandelt verläuft Syphilis in Stadien. Die Zeichen der ersten beiden Stadien verschwinden von selbst, deshalb wird die Infektion leicht übersehen[1].
- Primärstadium. Ein oder mehrere derbe, meist schmerzlose Geschwüre (harter Schanker) an der Eintrittsstelle: Genitalien, After, Enddarm, Lippen oder Mund[1]. Das Geschwür erscheint im Mittel 14 bis 24 Tage nach der Ansteckung, möglich sind 10 bis 90 Tage[10], und es bleibt 3 bis 6 Wochen[1].
- Sekundärstadium. Ein Hautausschlag, oft an Handflächen oder Fußsohlen, der meist nicht juckt, dazu Fieber, geschwollene Lymphknoten, Halsschmerzen, fleckiger Haarausfall und Müdigkeit[1].
- Latenzstadium. Keine Beschwerden, aber die Bakterien bleiben über Jahre im Körper[1]. Von „früher latenter“ Syphilis spricht man, wenn die Ansteckung weniger als ein Jahr zurückliegt[2].
- Tertiärstadium. Selten, 10 bis 30 Jahre später, mit Schäden an Herz, Blutgefäßen, Gehirn und Nerven, die tödlich sein können[1].
In jedem Stadium kann der Erreger das Nervensystem erreichen (starke Kopfschmerzen, Schwäche, Demenz), die Augen (Schmerzen, Rötung, Sehverlust) oder die Ohren (Hörverlust, Ohrgeräusche, Schwindel)[1]. Diese Form heißt Neurosyphilis.
Wann sollte ich mit Verdacht auf Syphilis zum Arzt?
Wann zum Arzt?
- Notfall: 112 anrufen bei plötzlichem Seh- oder Hörverlust, starken Kopfschmerzen mit Verwirrtheit, Lähmungen oder einem Krampfanfall: Syphilis kann Augen, Ohren und Nervensystem befallen[1].
- Innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei einem neuen Geschwür an Genitalien, After oder Mund, auch wenn es nicht schmerzt, bei einem Ausschlag an Handflächen oder Fußsohlen, wenn eine Partnerin oder ein Partner Syphilis hat, oder bei einem positiven Test in der Schwangerschaft[1][2]. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
- Beim nächsten Arzttermin für einen Test, wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben, eine HIV-PrEP nehmen oder eine Schwangerschaft planen[1][12].
Wie steckt man sich mit Syphilis an, und wer ist gefährdet?
Geschwüre können in Scheide, Enddarm oder Mund verborgen sein, sodass Partnerinnen und Partner oft nichts von ihrer Infektion wissen. Eine überstandene Syphilis schützt nicht: Man kann sich erneut anstecken[1].
- Häufig Männer, die Sex mit Männern haben, Menschen mit HIV und Menschen, die eine PrEP nehmen; für sie werden regelmäßige Tests empfohlen[1], bei PrEP alle drei Monate[10].
- Häufig Sex ohne Kondom oder eine Partnerin oder ein Partner mit positivem Test; Kondome senken das Risiko, decken aber nicht jedes Geschwür ab[1].
- Möglich Eine bakterielle Geschlechtskrankheit wie Chlamydien oder Gonorrhö in den letzten 12 Monaten; die US-Gesundheitsbehörde CDC nutzt dieses Kriterium für die Vorbeugung mit Doxycyclin[8].
- Selten Ansteckung des Kindes in der Schwangerschaft, die zu Totgeburt, Frühgeburt oder schweren Schäden beim Neugeborenen führen kann[1].
Wie wird Syphilis festgestellt, und wie liest man den Syphilis-Test?
Meist stützt sich die Diagnose auf einen Bluttest; manchmal wird auch Flüssigkeit aus einem Geschwür untersucht[1]. Nüchtern müssen Sie nicht sein[9]. Ein einzelner Test reicht nicht: Es braucht zwei Testarten[2].
- Treponemen-Tests (TPPA, TPHA, EIA/CLIA, FTA-ABS, Immunoblot) weisen Antikörper gegen das Bakterium selbst nach und bleiben meist lebenslang reaktiv[2]. In Deutschland haben sich TPHA und TPPA als Suchtest bewährt; ein fraglicher oder positiver Suchtest wird mit einem weiteren Test bestätigt[10].
- Nicht-treponemale Tests (VDRL, RPR) sind nicht spezifisch für Syphilis; ihr Titer steigt bei aktiver Infektion und fällt nach der Behandlung[2]. Zusammen mit IgM-Antikörpern zeigen sie, ob die Krankheit aktiv ist[10].
Zusammen unterscheiden sie eine unbehandelte von einer früheren, behandelten Infektion[7]. So sieht ein solcher Befund aus deutschen Laboren aus.
| Untersuchung | Ergebnis | Referenzbereich | Markierung |
|---|---|---|---|
| TPPA (Treponema-pallidum-Partikelagglutination), Suchtest | reaktiv | nicht reaktiv | + |
| Treponema-IgG-Immunoblot, Bestätigungstest | positiv | negativ | + |
| VDRL quantitativ (Titer) | 1:32 | nicht reaktiv | + |
| Treponema-IgM (EIA) | positiv | negativ | + |
| HIV-1/2-Antigen/Antikörper | negativ | negativ |
- Suchtest und Bestätigungstest: Beide positiv heißt, dass irgendwann eine Syphilis bestand, jetzt oder früher[9][10].
- VDRL 1:32: die höchste Verdünnung Ihres Bluts, die noch reagiert. Dieser Wert dient zur Verlaufskontrolle[2].
- IgM positiv: spricht zusammen mit dem VDRL-Titer für eine aktive, behandlungsbedürftige Infektion, außer es gibt frühere Befunde nach einer Behandlung zum Vergleich[2][10].
- HIV: Alle Menschen mit Syphilis im Primär- oder Sekundärstadium sollten auf HIV getestet werden[3]; siehe unseren Ratgeber zu HIV-Testergebnissen.
Reaktiv, positiv, 1:32: BloodSense geht Ihren ganzen Befund Zeile für Zeile in verständlicher Sprache durch, damit Sie wissen, was Sie beim Arzttermin fragen sollten.
Meinen Befund erklären lassen| Treponemen-Test (TPPA/TPHA) | VDRL oder RPR | Übliche Bedeutung |
|---|---|---|
| reaktiv | reaktiv | Aktuelle Infektion oder eine frühere, deren Titer noch nicht gefallen ist[2]. |
| reaktiv | nicht reaktiv | Ein zweiter Treponemen-Test entscheidet: reaktiv spricht für eine frühere oder unbehandelte Infektion, nicht reaktiv für einen falsch positiven Suchtest[2]. |
| nicht reaktiv | reaktiv | Oft ein falsch positiver VDRL- oder RPR-Test, etwa bei HIV, Autoimmunerkrankungen wie Lupus, nach Impfungen, bei Drogeninjektion, in der Schwangerschaft oder im höheren Alter[2]. |
| nicht reaktiv | nicht reaktiv | Kein Hinweis auf Syphilis, außer die Ansteckung liegt erst kurz zurück: Antikörper brauchen einige Wochen[9]. |
Titer werden nur mit demselben Test verglichen (VDRL mit VDRL). Entscheidend ist eine Änderung um das Vierfache, also zwei Verdünnungsstufen, etwa von 1:32 auf 1:8[2]. Bei Verdacht auf Befall des Nervensystems kann eine Untersuchung des Nervenwassers dazukommen[2]. Den einzelnen Test erklärt unser Ratgeber zum RPR-Bluttest; welche Infektionen meist gleichzeitig geprüft werden, zeigt unser Test auf Geschlechtskrankheiten.
Wie wird nach der Behandlung kontrolliert?
Ob die Behandlung wirkt, zeigt der VDRL- oder RPR-Titer, nicht der Suchtest, der meist reaktiv bleibt[2]. Als Zeichen des Behandlungserfolgs gilt ein Abfall dieses Titers um das Vierfache[10].
- Eine erste Kontrolle der Blutwerte ist 3 bis 4 Wochen nach Beginn der Antibiotika üblich[10].
- Primär- oder Sekundärsyphilis: Kontrollen nach 6 und 12 Monaten[3].
- Latente Syphilis: Titer nach 6, 12 und 24 Monaten, verglichen mit dem Wert am Behandlungstag[4].
- Wiederkehrende Beschwerden oder ein Anstieg des Titers um das Vierfache sprechen für eine neue Ansteckung oder ein Therapieversagen[3].
- Ein langsamer Abfall ist nicht immer ein Versagen: Bei 10 bis 20 % der Behandelten mit Primär- oder Sekundärsyphilis fällt der Titer innerhalb von 12 Monaten nicht um das Vierfache[3].
Wie wird Syphilis behandelt, und ist sie heilbar?
In der Regel wird in allen Stadien Penicillin eingesetzt[11]; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
- Frühsyphilis (primär, sekundär, früh latent): eine Spritze mit Depot-Penicillin (Benzathin-Benzylpenicillin) in den Gesäßmuskel, als intramuskuläre Injektion[3][12].
- Spät latente Syphilis oder unbekannte Dauer: drei Spritzen im Abstand von einer Woche[4][11].
- Neurosyphilis: Penicillin über die Vene[11].
- Penicillinallergie: bei Frühsyphilis 14 Tage Doxycyclin als Tabletten; Azithromycin soll nicht verwendet werden[3].
- Schwangerschaft: Nur Penicillin hat eine nachgewiesene Wirkung; bei Allergie wird zuerst desensibilisiert, dann behandelt[2].
Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Spritze können Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten: die Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die keine Penicillinallergie ist[2]. Antibiotika heilen die Infektion, machen aber bereits entstandene Schäden oft nicht rückgängig[1]. Wer in den 90 Tagen vor der Diagnose einer Frühsyphilis Kontakt hatte, sollte auch bei negativem Test behandelt werden[2]. Bis zum Ende der Therapie sollten Sie auf Sex verzichten und alle möglicherweise betroffenen Partnerinnen und Partner informieren[11].
Wie kann ich mich vor Syphilis schützen, auch in der Schwangerschaft?
- Kondome jedes Mal richtig verwenden[1].
- Sich regelmäßig testen lassen, wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben; mit PrEP gehört der Test alle drei Monate zur Routine[12].
- Männer, die Sex mit Männern haben, und trans Frauen mit einer bakteriellen Geschlechtskrankheit in den letzten 12 Monaten können nach der Doxy-PEP fragen: Doxycyclin innerhalb von 72 Stunden nach dem Sex senkte Syphilis in Studien um mehr als 70 %[8]. In Deutschland ist das Mittel dafür nicht zugelassen, die Kosten trägt man deshalb selbst[11].
- In der Schwangerschaft gehört ein Syphilistest zu den üblichen Vorsorgeuntersuchungen[11]; bei Risiko rät die CDC zu weiteren Tests in der 28. Woche und bei der Geburt[5]. Unbehandelt schadet Syphilis der Schwangerschaft in 50 bis 80 % der Fälle[6].
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Auf welches Stadium deuten meine Ergebnisse hin?
- Welche Tests wurden gemacht, und wie hoch ist mein VDRL- oder RPR-Titer?
- Wie viele Spritzen brauche ich, und wann sind die Kontrollen?
- Welche Partnerinnen oder Partner sollten sich testen und behandeln lassen?
- Brauche ich Tests auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten oder eine Untersuchung von Augen und Gehör?
Häufige Fragen zu Syphilis
Ist Syphilis meldepflichtig?
Ja. Das Labor meldet den Nachweis ohne Namen an das Robert Koch-Institut, spätestens zwei Wochen nachdem es davon erfahren hat[10].
Kann Syphilis im Mund auftreten?
Ja. Das erste Geschwür kann an Lippen oder im Mund entstehen, wenn die Übertragung beim Oralverkehr geschah[1].
Warum ist mein Suchtest nach der Behandlung noch positiv?
Diese Antikörper bleiben meist lebenslang und zeigen keine Aktivität an; verfolgt wird stattdessen der VDRL- oder RPR-Titer[2].
Kann ich Syphilis haben, obwohl der Test negativ ist?
Ja, ganz am Anfang: Die Antikörper brauchen einige Wochen, deshalb kann ein zweiter Test nötig sein[9].
Hängen Syphilis und HIV zusammen?
Beide werden auf dieselbe Weise übertragen, deshalb wird bei einem Test auch auf den anderen Erreger getestet[3]. Die späte HIV-Infektion beschreibt unser Artikel zu AIDS.
Weiterführende Ratgeber
- RPR-BluttestReaktiv, nicht reaktiv und Titer bei diesem einzelnen Test.
- Test auf GeschlechtskrankheitenWelche Tests sinnvoll sind und wie man den Befund liest.
- HerpesEine weitere Ursache von Geschwüren im Genitalbereich, oft schmerzhaft.
- Alle KrankheitenUnsere Ratgeber zu Erkrankungen und ihren Laborwerten.
Quellen
- CDC. About Syphilis. 2025. cdc.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- CDC. Syphilis. STI Treatment Guidelines, 2021. cdc.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- CDC. Primary and Secondary Syphilis. STI Treatment Guidelines, 2021. cdc.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- CDC. Latent Syphilis. STI Treatment Guidelines, 2021. cdc.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- CDC. Syphilis During Pregnancy. STI Treatment Guidelines, 2021. cdc.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Weltgesundheitsorganisation (WHO). Syphilis. Fact sheet, 2025. who.int (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Papp JR, Park IU, Fakile Y, et al. CDC Laboratory Recommendations for Syphilis Testing, United States, 2024. MMWR Recomm Rep. 2024;73(1):1-32. doi:10.15585/mmwr.rr7301a1 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Bachmann LH, Barbee LA, Chan P, et al. CDC Clinical Guidelines on the Use of Doxycycline Postexposure Prophylaxis for Bacterial STI Prevention, 2024. MMWR Recomm Rep. 2024;73(2):1-8. doi:10.15585/mmwr.rr7302a1 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- MedlinePlus. Syphilis Tests. medlineplus.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Syphilis. Stand 12.11.2020. rki.de (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Bundesministerium für Gesundheit. Syphilis (gesund.bund.de). Stand 28.05.2025. gesund.bund.de (abgerufen am 31. Oktober 2026)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Syphilis (Lues). gesundheitsinformation.de, 2022. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 31. Oktober 2026)
Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung: Ihre Ergebnisse werden immer zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilt.



