Geschlechtskrankheiten-Test: Welche STI-Tests sinnvoll sind und wie man den Befund liest

Das Wichtigste in Kürze
Die meisten sexuell übertragbaren Infektionen (STI) machen keine Beschwerden. Nur ein Test bringt Klarheit. Ein vollständiger Check verbindet meist eine Urinprobe oder Abstriche (Chlamydien, Gonorrhö, Trichomonaden) mit einer Blutuntersuchung (HIV, Syphilis, Hepatitis B und C). Welche Tests sinnvoll sind, hängt von Alter, Partnern und Sexualpraktiken ab. Ein zu früh gemachter Test kann eine Infektion übersehen.
Wann sind Beschwerden ein Notfall?
Wann zum Arzt?
- Notfall: 112 anrufen oder in die Notaufnahme bei starken Unterbauchschmerzen mit Fieber oder Erbrechen, plötzlichen starken Schmerzen und Schwellung eines Hodens oder Schmerzen mit Blutung in der Schwangerschaft.
- Innerhalb von 72 Stunden nach einem möglichen HIV-Risiko (Kondom gerissen, sexuelle Gewalt, Partner mit HIV): In der Notaufnahme oder einer HIV-Schwerpunktpraxis nach einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) fragen. Sie wirkt am besten, je früher sie beginnt[2]. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
- In den nächsten Tagen bei Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, einem Geschwür im Genitalbereich, neuem Ausschlag an Handflächen oder Fußsohlen oder wenn Ihnen ein Partner eine STI mitteilt.
- Beim nächsten Arzttermin für einen Routinetest, bei einer neuen Partnerschaft oder vor dem Verzicht auf Kondome.
Warum lässt man sich auf Geschlechtskrankheiten testen?
STI sind sehr häufig: Weltweit stecken sich jeden Tag mehr als 1 Million Menschen mit einer heilbaren STI an, meist ohne Beschwerden[1]. Für 2020 schätzte die Weltgesundheitsorganisation 374 Millionen neue Fälle von vier heilbaren STI: Chlamydien (129 Millionen), Gonorrhö oder Tripper (82 Millionen), Syphilis (7,1 Millionen) und Trichomoniasis (156 Millionen)[1].
Nicht jede Beschwerde im Intimbereich ist eine Geschlechtskrankheit. Häufige Ursachen ohne sexuelle Übertragung kommen zuerst:
- Häufig Scheidenpilz (Candidose) oder bakterielle Vaginose: Juckreiz oder Ausfluss, meist nicht sexuell übertragen.
- Häufig Harnwegsinfekt: Brennen und häufiger Harndrang; ein Urinbefund hilft bei der Abgrenzung.
- Häufig Chlamydien und Gonorrhö: Ausfluss, Brennen, Unterleibsschmerzen oder gar nichts.
- Möglich Trichomoniasis und Genitalherpes: Ausfluss oder schmerzhafte Bläschen und Wunden.
- Möglich Syphilis: ein schmerzloses Geschwür, danach manchmal ein Ausschlag; sie kann jahrelang unbemerkt bleiben.
- Selten, aber ernst Ausbreitung einer unbehandelten Infektion: eine Entzündung im kleinen Becken, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.
Welcher Test bei Geschlechtskrankheiten?
Getestet wird je nach Erreger mit einem Abstrich von Scheide, Penis, Po oder Mund, mit Urin oder mit Blut[3]. Die Übersicht zeigt, was in Deutschland vorgesehen ist:
| Infektion | Test und Probe | Wann vorgesehen |
|---|---|---|
| Chlamydien | Nukleinsäuretest (PCR) aus Urin oder Abstrich | Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich als Screening mit Urinprobe[4]; in der Schwangerschaft[6]; Männer bei Verdacht[5] |
| Gonorrhö (Tripper) | PCR aus Urin oder Abstrich, je nach Sexualpraktik auch aus Rachen und Po | Bei Beschwerden oder wenn ein Partner eine STI hat[3] |
| HIV | Bluttest (Antigen-Antikörper) im Labor oder Schnelltest aus der Fingerkuppe | Nach einem Risiko; jeder Schwangeren soll ein HIV-Test empfohlen werden[6][7] |
| Syphilis | Bluttest: Suchtest (TPHA/TPPA) und ein nicht-treponemaler Test wie der RPR oder VDRL | Bei Beschwerden oder Risiko; in der Schwangerschaft[6] |
| Hepatitis B | Bluttest: HBsAg, Anti-HBc, Anti-HBs | Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren einmalig im Check-up[8]; in der Schwangerschaft[6] |
| Hepatitis C | Bluttest: Anti-HCV, bei positivem Ergebnis HCV-RNA | Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren einmalig im Check-up[8] |
| Trichomoniasis | PCR aus Scheidenabstrich oder Urin | Bei Ausfluss oder anderen Beschwerden[3] |
| Herpes | Abstrich aus einem Bläschen (PCR); Bluttests nur in Einzelfällen | Nicht als Routinetest empfohlen[9] |
Für HPV gibt es keinen Routine-Bluttest: Bei Frauen wird es im Rahmen der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung geprüft.
Wie lese ich meinen Befund?
- „Nicht nachweisbar“ oder „negativ“: In dieser Probe wurde zu diesem Zeitpunkt keine Infektion gefunden. Das gilt nicht für ein zu kurz zurückliegendes Risiko und nicht für eine Stelle, die nicht getestet wurde (zum Beispiel den Rachen).
- „Nachweisbar“ oder „positiv“ in der PCR auf Chlamydien, Gonokokken oder Trichomonaden: Die Infektion liegt vor und wird behandelt. Partner sollten sich ebenfalls testen und behandeln lassen[3]. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt nach Chlamydien und Gonorrhö etwa 3 Monate nach der Behandlung einen erneuten Test[9].
- HIV „reaktiv“: Ein erstes positives Ergebnis wird immer mit einem weiteren Test bestätigt, bevor die Diagnose feststeht[2].
- Syphilis: Beide Testarten werden zusammen gelesen. Der Suchtest kann nach einer behandelten Infektion lebenslang positiv bleiben; der RPR- oder VDRL-Titer (zum Beispiel 1:32) hilft, eine frische von einer alten Infektion zu unterscheiden, und dient zur Verlaufskontrolle[2].
- Hepatitis B und C: Erst die Kombination der Marker unterscheidet eine aktuelle Infektion, eine ausgeheilte Infektion oder eine Impfung; mehr dazu auf unseren Seiten zu beiden Krankheiten.
Diagnostisches Fenster. Kurz nach einem Risiko kann ein HIV-Test noch negativ sein. Nach Angaben der CDC wird HIV meist 10 bis 33 Tage nach der Ansteckung mit einem Nukleinsäuretest erkannt, nach 18 bis 45 Tagen mit einem Antigen-Antikörper-Labortest, nach 18 bis 90 Tagen mit einem Antigen-Antikörper-Schnelltest aus der Fingerkuppe und nach 23 bis 90 Tagen mit einem reinen Antikörpertest[10]. In Deutschland gilt: Ein Antigen-Antikörper-Labortest schließt HIV in der Regel 6 Wochen nach dem Risiko sicher aus, ein Schnell- oder Selbsttest erst nach 3 Monaten[7]. Wer früher getestet wurde, fragt, wann der Test wiederholt werden soll.
Mehrere STI-Ergebnisse auf einem Befund, mit Begriffen wie „reaktiv“, „Titer“ oder „Anti-HBc“? BloodSense erklärt jede Zeile Ihres vollständigen Befunds in einfachen Worten, damit Sie Ihre Fragen an die Ärztin oder den Arzt vorbereiten können.
Meinen Befund erklären lassenWas sollte ich vor dem Arzttermin notieren?
- Das Datum des möglichen Risikos, um das diagnostische Fenster zu prüfen.
- Ihre Beschwerden und seit wann sie bestehen.
- Die Art des Kontakts (vaginal, oral, anal), damit die richtigen Stellen getestet werden.
- Ob Sie schwanger sind oder sein könnten.
- Ihren Impfschutz gegen Hepatitis B und HPV sowie frühere STI und deren Behandlung.
- Für einen Urintest: etwa eine Stunde vorher nicht zur Toilette gehen, wenn die Praxis darum bittet.
Häufige Fragen zum Test auf Geschlechtskrankheiten
Zeigt ein normales Blutbild Geschlechtskrankheiten an?
Nein. Blutbild und übliche Blutwerte enthalten keine STI-Tests. HIV, Syphilis und Hepatitis müssen eigens angefordert werden, für Chlamydien und Gonorrhö braucht es Urin oder Abstriche.
Wie lange nach dem Sex sollte ich mich testen lassen?
Das hängt von der Infektion und vom Test ab. Für HIV gibt ein Antigen-Antikörper-Labortest in der Regel 6 Wochen nach dem Risiko eine sichere Aussage[7]. Bei Beschwerden sofort testen lassen und, wenn die Praxis es rät, später wiederholen.
Sind STI-Tests für zu Hause zuverlässig?
Heimtests, die nicht in ein Labor geschickt werden, sind oft ungenau[3]. Ein positiver Selbsttest muss ärztlich bestätigt und behandelt werden.
Muss sich mein Partner auch testen lassen?
Ja, wenn bei Ihnen eine STI festgestellt wird: Partner sollten sich untersuchen und, wenn nötig, behandeln lassen, damit Sie sich nicht gegenseitig wieder anstecken[3].
Weiterführende Ratgeber
- ChlamydienDie häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion
- Gonorrhö (Tripper)Beschwerden, Test und Behandlung
- HIV-TestergebnisseSo lesen Sie einen HIV-Befund
- RPR-TestDer Syphilis-Bluttest und sein Titer
- HerpesBläschen, Tests und Behandlung
- Hepatitis BDie Marker für Infektion oder Immunschutz
Quellen
- World Health Organization. Sexually transmitted infections (STIs): fact sheet. 10. September 2025. who.int (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually transmitted infections treatment guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1 (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). STI-Tests (liebesleben.de). liebesleben.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Chlamydien-Test für Frauen bis 25 Jahre. g-ba.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Bundesministerium für Gesundheit. Chlamydien-Infektion (gesund.bund.de). Stand 25. Mai 2025. gesund.bund.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Schwangerschaft und Mutterschaft. g-ba.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). HIV-Test (liebesleben.de). liebesleben.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Gesundheitsuntersuchungen (Check-up). g-ba.de (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Centers for Disease Control and Prevention. STI screening recommendations. 22. März 2024. cdc.gov (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Centers for Disease Control and Prevention. Getting tested for HIV. 15. September 2026. cdc.gov (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Infektionsschutzgesetz (IfSG), § 19: Aufgaben des Gesundheitsamtes in besonderen Fällen. dejure.org (abgerufen am 27. Oktober 2026)
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