Das Wichtigste in Kürze

Der Test auf B-Streptokokken (Gruppe-B-Streptokokken, GBS) ist ein Abstrich aus Scheide und Enddarm gegen Ende der Schwangerschaft, in Deutschland laut Leitlinie zwischen der 35. und 37. Woche. Ein positiver Befund ist häufig, in Deutschland bei etwa 16 von 100 Schwangeren: Sie tragen ein meist harmloses Bakterium, Sie sind nicht krank. Unter der Geburt bekommen Sie ein Antibiotikum über die Vene, das eine Infektion Ihres Babys sehr unwahrscheinlich macht.

Wie lese ich meinen B-Streptokokken-Befund?

Das Ergebnis ist keine Zahl: Das Labor teilt mit, ob B-Streptokokken aus Ihrem Abstrich gewachsen sind oder nicht. Hier ein fiktiver Befund mit positivem Ergebnis.

Fiktives Beispiel eines GBS-Abstrichbefunds (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
Material: Vaginal-/Rektalabstrich (kombiniert), 36+2 SSWeingegangen––
GBS-Screening: B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae), Kultur mit Selektivmediumnachgewiesen (positiv)nicht nachgewiesen!
Antibiogramm GBS: ClindamycinR (resistent)S (sensibel)!
  1. Materialzeile: ein Abstrich vom unteren Scheidenbereich, dann vom Enddarm. Der kombinierte Abstrich findet B-Streptokokken deutlich häufiger als die Scheide allein[3][12].
  2. „Selektivmedium“: Der Abstrich wird zuerst in einem speziellen Nährmedium angereichert. Ohne diesen Schritt kann bis zur Hälfte der Trägerinnen falsch negativ getestet werden[3]; die deutsche Leitlinie schreibt Selektivmedien deshalb vor[12].
  3. „Nachgewiesen“, Zeichen !: Das Ausrufezeichen heißt auffällig, nicht zu hoch oder zu niedrig. Sie sind mit B-Streptokokken besiedelt, aber nicht krank[4].
  4. Antibiogramm-Zeile: erscheint nur, wenn Sie eine Penicillinallergie angegeben haben. So kann Ihr Team ein passendes Ersatz-Antibiotikum wählen[3][12].

GBS-Abstrich, Urinkultur und Blutbild auf demselben Vorsorgebefund? BloodSense erklärt Ihnen jede Zeile Ihres vollständigen Befunds verständlich und hilft Ihnen, Ihre Fragen für den nächsten Vorsorgetermin vorzubereiten.

Meinen Vorsorgebefund erklären lassen

Warum wird in der Schwangerschaft auf B-Streptokokken getestet?

Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalactiae) leben bei vielen gesunden Erwachsenen im Darm und im Genitalbereich. Sie sind ein anderer Keim als die Streptokokken der Gruppe A, die Erreger von Mandelentzündung und Scharlach. Beim Neugeborenen sind B-Streptokokken jedoch die häufigste Ursache einer Infektion in den ersten Lebenstagen[1][2]. B-Streptokokken werden per Abstrich gesucht, nicht im Blut; die Bluttests auf Infektionen zu Beginn der Schwangerschaft erklärt unser Ratgeber zur TORCH-Serologie.

Etwa die Hälfte der Trägerinnen überträgt das Bakterium unter der Geburt oder nach dem Blasensprung auf ihr Baby. Ohne Antibiotikum unter der Geburt erkranken 1 bis 2 % dieser Babys an der frühen Form der GBS-Infektion[1]: Sepsis, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung[6]. In Deutschland gab es 2014 bei rund 715.000 Geburten etwas mehr als 100 GBS-Infektionen bei Neugeborenen; etwa eines von 30 infizierten Babys starb[14]. Das Screening findet Trägerinnen, damit sie im richtigen Moment behandelt werden. In den USA sank die frühe Form seit Beginn der Vorbeugung von 1,7 Fällen pro 1.000 Lebendgeburten Anfang der 1990er-Jahre auf 0,34 bis 0,37 Ende der 2000er-Jahre[3].

B-Streptokokken positiv oder negativ: Was bedeutet das Ergebnis?

Jede der folgenden Situationen wird anders bewertet. Maßgeblich sind die Angaben Ihres Labors.

Ergebnisse des B-Streptokokken-Tests in der Schwangerschaft und das übliche Vorgehen
ErgebnisBedeutungÜbliches VorgehenQuelle
Abstrich negativ (35.–37. SSW)Keine B-Streptokokken gefundenKein GBS-Antibiotikum unter der Geburt, auch bei Risikofaktoren (Fieber wird trotzdem behandelt)CDC 2010[3]
Abstrich positivBesiedlung, keine ErkrankungAntibiotikum über die Vene ab Wehenbeginn oder Blasensprung, keine sofortige BehandlungAWMF 2016[12], ACOG 2020[1]
B-Streptokokken im Urin, egal wannStarke BesiedlungSofortige Behandlung und Antibiotikum unter der Geburt; Abstrich nicht mehr nötigAWMF 2016[12], CDC 2010[3]
Status bei der Geburt unbekanntKein Ergebnis vorhandenAntibiotikum bei drohender Frühgeburt vor 37+0 SSW, Blasensprung seit 18 Stunden oder länger oder Fieber ab 38,0 °CAWMF 2016[12]

Ein negativer Abstrich, der höchstens 5 Wochen vor der Geburt entnommen wurde, sagt den Status bei der Geburt gut voraus, in 95 bis 98 % der Fälle[3]. Eine Garantie ist er nicht: Die Besiedlung kann kommen und gehen, deshalb wird Ihr Baby nach der Geburt trotzdem beobachtet[3][8]. Umgekehrt kann ein in der 35. Woche positiver Abstrich bei einer Geburt in der 40. Woche in etwa 20 % der Fälle wieder negativ sein[12].

Wie bekommt man B-Streptokokken, und warum ist mein Test positiv?

Sie haben nichts falsch gemacht. B-Streptokokken bekommt man nicht über Lebensmittel, Gegenstände oder Sex[9]. Vom Häufigsten zum Seltensten:

  • Häufig Harmlose Besiedlung: In Deutschland tragen etwa 16 % der Schwangeren B-Streptokokken[13][14], weltweit etwa 18 %[10], oft ohne es je zu merken. Die Besiedlung kann vorübergehend, wechselnd oder dauerhaft sein[3].
  • Möglich B-Streptokokken im Urin: Bei einer Urinkultur gefunden, zeigen sie eine starke Besiedlung; mit Brennen oder Fieber handelt es sich um eine Harnwegsinfektion, die sofort behandelt wird[3][12].
  • Selten Infektion der Mutter: B-Streptokokken können während oder nach der Geburt eine Entzündung der Gebärmutter mit Fieber verursachen[9].
  • Selten Infektion des Babys: Mit Antibiotikum unter der Geburt erkrankt etwa eines von 4.000 Babys besiedelter Mütter, ohne Antibiotikum eines von 200[5].

Antibiotika vor der Geburt helfen nicht: Die Bakterien wachsen schnell nach[5][13]. Deshalb wartet die Behandlung bis zur Geburt. Sie wirkt am besten, wenn die erste Gabe mehr als 4 Stunden vor der Geburt erfolgt[12], notwendige Maßnahmen werden dafür aber nie hinausgezögert[1]. Mittel der Wahl ist in Deutschland Penicillin G[12]; etwa einer von 10 Menschen hat leichte Nebenwirkungen, eine schwere allergische Reaktion tritt bei etwa einem von 10.000 auf[5]. Ein geplanter Kaiserschnitt vor Wehenbeginn bei stehender Fruchtblase braucht kein GBS-Antibiotikum[1].

Der Test schützt nicht vor der späten Form, die zwischen dem 7. und 89. Lebenstag beginnt[7][13]; bisher kann keine Strategie sie verhindern[2].

Wie läuft der GBS-Abstrich ab, und was verfälscht das Ergebnis?

Sie müssen nicht nüchtern sein und nichts vorbereiten. Der Abstrich dauert weniger als eine Minute, das Ergebnis liegt meist nach 1 bis 2 Tagen vor[9][11]. Achten Sie auf Folgendes:

  • Zeitpunkt: In Deutschland empfiehlt die Leitlinie den Abstrich zwischen 35+0 und 37+0 SSW[12], in den USA zwischen 36+0 und 37+6 SSW, in jeder Schwangerschaft[1][4]. Ein Ergebnis, das älter als 5 Wochen ist, wird unzuverlässiger[3].
  • Beide Stellen: unterer Scheidenbereich, dann Enddarm, ohne Spekulum; ein Abstrich vom Gebärmutterhals ist ungeeignet[12]. Manchmal dürfen Sie den Abstrich selbst nehmen; halten Sie sich genau an die Anleitung[9].
  • Auch bei geplantem Kaiserschnitt testen lassen: Wehen oder ein Blasensprung können früher kommen[4][11].
  • Nennen Sie eine Penicillinallergie und was genau passiert ist: Ausschlag, Quaddeln, Schwellung oder Atemnot. Die Allergie wird dem Labor mitgeteilt, damit es ein Ersatz-Antibiotikum wie Clindamycin prüft[12].
  • Transport: Im üblichen Transportmedium bleiben B-Streptokokken bei 4 bis 22 °C bis zu vier Tage nachweisbar[12]; die US-Empfehlung rät, die Probe möglichst innerhalb von 24 Stunden zu verarbeiten[3].
  • Wurden in dieser Schwangerschaft schon B-Streptokokken im Urin gefunden oder hatte ein früheres Kind eine GBS-Infektion, sagen Sie es: Sie bekommen das Antibiotikum unter der Geburt ohnehin[12].

Das Ergebnis wird im Mutterpass eingetragen[12]; nehmen Sie ihn zur Geburt mit. Setzen die Wehen vor dem Ergebnis zu früh ein, werden Sie unter Umständen vorsorglich behandelt[3]. Siehe auch großes Blutbild und CRP, die oft bestimmt werden, wenn ein Neugeborenes auf eine Infektion untersucht wird[12].

Wann muss ich wegen B-Streptokokken zur Ärztin oder zum Arzt?

Wann zur Ärztin, zum Arzt oder in die Klinik

  • Notfall: Rufen Sie 112 an wenn Ihr Baby in den ersten Wochen oder Monaten Fieber oder Untertemperatur hat, schlecht atmet, bläulich aussieht, sehr schlecht trinkt, schlapp oder kaum zu wecken ist oder einen Krampfanfall hat[6][8].
  • Sofort, noch heute wenn die Fruchtblase springt oder die Wehen beginnen: Fahren Sie in Ihre Geburtsklinik und sagen Sie, dass Sie GBS-positiv sind. Am selben Tag bei Fieber, Brennen beim Wasserlassen oder Rückenschmerzen in der Schwangerschaft; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Vorsorgetermin bei einem positiven Befund ohne Beschwerden, um das Antibiotikum unter der Geburt zu planen und Ihre Allergien zu besprechen.

Fragen an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme

  1. Wann beginnt das Antibiotikum, und soll ich bei Wehenbeginn früher in die Klinik kommen?
  2. Ist meine Penicillinallergie gesichert, und welches Antibiotikum bekäme ich?
  3. Ändert sich etwas an meinem geplanten Kaiserschnitt, wenn die Fruchtblase vorher springt?
  4. Wie lange wird mein Baby nach der Geburt beobachtet, und auf welche Zeichen soll ich zu Hause achten?

Häufige Fragen

Brauche ich bei positivem B-Streptokokken-Test einen Kaiserschnitt?

Nein. Eine vaginale Geburt ist der Normalfall; das Antibiotikum unter der Geburt schützt das Baby. Ein Kaiserschnitt wird aus anderen Gründen entschieden[1][9].

Wird mein Baby nach der Geburt getestet?

Meist nicht, wenn es ihm gut geht[9]. Babys GBS-positiver Mütter werden aber mindestens 48 Stunden engmaschig beobachtet; kam das Antibiotikum weniger als 4 Stunden vor der Geburt, kann eine Blutuntersuchung erwogen werden[12].

Einmal positiv, immer positiv?

Nein. Die Besiedlung kommt und geht, deshalb wird der Test in jeder Schwangerschaft wiederholt[3][4]. Ein positiver Befund in einer früheren Schwangerschaft ist erwähnenswert, wenn Ihr Status bei der Geburt unbekannt ist.

Gibt es eine Impfung gegen B-Streptokokken?

Noch nicht. Impfstoffe für Schwangere werden erforscht; Screening und Antibiotikum unter der Geburt bleiben der beste Schutz[9].

Weiterführende Artikel

  1. American College of Obstetricians and Gynecologists. Prevention of Group B Streptococcal Early-Onset Disease in Newborns: ACOG Committee Opinion, Number 797. Obstet Gynecol. 2020;135(2):e51-e72. doi:10.1097/AOG.0000000000003668 (abgerufen am 1. November 2026)
  2. Puopolo KM, Lynfield R, Cummings JJ; Committee on Fetus and Newborn; Committee on Infectious Diseases. Management of Infants at Risk for Group B Streptococcal Disease. Pediatrics. 2019;144(2):e20191881. doi:10.1542/peds.2019-1881 (abgerufen am 1. November 2026)
  3. Verani JR, McGee L, Schrag SJ. Prevention of perinatal group B streptococcal disease: revised guidelines from CDC, 2010. MMWR Recomm Rep. 2010;59(RR-10):1-36. cdc.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  4. Centers for Disease Control and Prevention. Group B Strep: Testing. cdc.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  5. Centers for Disease Control and Prevention. Preventing Group B Strep Disease. cdc.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  6. Centers for Disease Control and Prevention. Symptoms of Group B Strep Disease. cdc.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  7. Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Overview of Group B Strep Disease. cdc.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  8. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Group B streptococcal septicemia of the newborn. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 1. November 2026)
  9. March of Dimes. Group B strep infection. marchofdimes.org (abgerufen am 1. November 2026)
  10. Russell NJ, Seale AC, O'Driscoll M, et al. Maternal Colonization With Group B Streptococcus and Serotype Distribution Worldwide: Systematic Review and Meta-analyses. Clin Infect Dis. 2017;65(suppl_2):S100-S111. doi:10.1093/cid/cix658 (abgerufen am 1. November 2026)
  11. Cleveland Clinic. Group B Strep in Pregnancy: Test, Risks & Treatment. my.clevelandclinic.org (abgerufen am 1. November 2026)
  12. Berufsverband der Frauenärzte, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) u. a. S2k-Leitlinie 024/020: Prophylaxe der Neugeborenensepsis – frühe Form – durch Streptokokken der Gruppe B. AWMF, Stand 03/2016. gnpi.de (abgerufen am 1. November 2026)
  13. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Streptokokken (Gruppe-B-Streptokokken / GBS) in der Schwangerschaft. familienplanung.de, Stand 16.05.2025. familienplanung.de (abgerufen am 1. November 2026)
  14. Medizinischer Dienst Bund. IGeL-Monitor: Streptokokken-Test in der Schwangerschaft. igel-monitor.de (abgerufen am 1. November 2026)

Diese Seite dient der allgemeinen Information. Sie ersetzt nicht den Rat Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihrer Hebamme, die Ihre Ergebnisse mit Ihrer Vorgeschichte, Ihrer Schwangerschaft und Ihrer Untersuchung bewerten.