Das Wichtigste

Der Coombs-Test, auch Antiglobulintest genannt, sucht nach Antikörpern gegen rote Blutkörperchen. Der direkte Coombs-Test prüft, ob Antikörper bereits an Ihren roten Blutkörperchen haften; der indirekte Coombs-Test (Antikörpersuchtest) sucht frei im Plasma zirkulierende Antikörper, vor einer Transfusion oder in der Schwangerschaft. Normal ist ein negatives Ergebnis. Ein positives Ergebnis ist ein Hinweis, keine Diagnose: Es wird zusammen mit dem Blutbild und den Zeichen eines Zerfalls roter Blutkörperchen bewertet.

Wie lese ich den Befund des Coombs-Tests?

Der Test liefert keine Zahl mit Einheit. Das Labor gibt ein Antiglobulin-Serum (Coombs-Serum) zu den roten Blutkörperchen: Verklumpen sie, ist das Ergebnis positiv[1][13]. Hier ein fiktives Beispiel im Format eines deutschen Laborbefunds, mit direktem Coombs-Test und Antikörpersuchtest.

Fiktives Beispiel eines Laborbefunds (Format in Deutschland)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
Direkter Coombstest (DAT), polyspezifischpositiv (++)negativ! auffällig
DAT monospezifisch Anti-IgGpositivnegativ! auffällig
DAT monospezifisch Anti-C3dnegativnegativ-
Antikörpersuchtest (indirekter Coombstest)negativnegativ-
  1. Polyspezifischer DAT: die erste Suchstufe. Positiv heißt: Antikörper oder Komplementfaktoren bedecken Ihre roten Blutkörperchen[3].
  2. Stärke (++): Das Labor gibt an, wie stark die Verklumpung ist. Je stärker, desto mehr Antikörper sitzen auf den Zellen, was aber nicht immer der Schwere der Erkrankung entspricht[3].
  3. Anti-IgG und Anti-C3d: zeigen, welches Eiweiß gebunden ist. IgG spricht für eine autoimmune Wärmeform; Komplement (C3d) allein für eine Kälteagglutininkrankheit[5].
  4. Antikörpersuchtest: eine eigene Untersuchung des Plasmas. Negativ heißt: Es wurden keine Antikörper gegen die Testerythrozyten gefunden[1].
  5. Ausrufezeichen: auffälliger Wert. Ein positiver DAT ist nur zusammen mit Ihrem Hämoglobinwert und den Zerfallsmarkern aussagekräftig.

Ein positiver direkter Coombstest, Pluszeichen oder ein Antikörpersuchtest, den Sie nicht verstehen? BloodSense erklärt jede Zeile Ihres Befunds und hilft Ihnen, Fragen für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vorzubereiten.

Meinen Coombs-Test erklären lassen

Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Coombs-Test?

Direkter und indirekter Coombs-Test im Vergleich
Direkt (DAT)Indirekt (Antikörpersuchtest)
Was untersucht wirdIhre eigenen roten BlutkörperchenIhr Plasma oder Serum
Was er findetAntikörper oder Komplement, die schon an Ihren Erythrozyten haftenZirkulierende Antikörper, die andere rote Blutkörperchen angreifen könnten
Wann er gemacht wirdUnklare Blutarmut oder Gelbsucht, Verdacht auf Transfusionsreaktion, Gelbsucht beim NeugeborenenVor einer Transfusion, in der Schwangerschaft

Ein direkter Test kann bei Zeichen einer Blutarmut oder Gelbsucht (gelbe Haut oder Augen) angeordnet werden[1]. Der indirekte Test dient vor allem dazu, eine Transfusionsreaktion zu vermeiden, und in der Schwangerschaft dazu, Antikörper gegen Rhesus-positives Blut zu finden[1][2]. Er wird meist zusammen mit der Blutgruppe und dem Rhesusfaktor bestimmt.

Was ist ein normaler Coombs-Test?

Normal ist ein negatives Ergebnis: keine Verklumpung, keine Antikörper gegen rote Blutkörperchen[1]. Es gibt keine Werte nach Alter oder Geschlecht, und maßgeblich ist der Befund Ihres Labors.

Wie das Ergebnis des Coombs-Tests angegeben wird
ErgebnisBedeutungQuelle
NegativNormal: weder Antikörper noch Komplement nachweisbarMedlinePlus[1]
Positiv, mit Stärke (schwach bis stark)Antikörper oder Komplement vorhanden; die Stärke spiegelt die Menge, nicht die SchwereTesting.com[3]
Positiv für Anti-IgG und/oder Anti-C3dWelches Eiweiß die Zellen bedeckt; dient der Einteilung der autoimmunhämolytischen AnämieBarcellini 2015[5]

Was bedeutet ein positiver direkter Coombs-Test?

Antikörper richten sich gegen Ihre roten Blutkörperchen. Diese können zu früh abgebaut werden (Hämolyse), aber nicht immer[1][3]. Mögliche Ursachen, von den häufigsten zu den seltensten:

  • Häufig Keine Krankheit: Ein kleiner Teil gesunder Menschen hat einen positiven DAT ohne Hämolyse[3], häufiger im höheren Alter[1]. Unter 152.564 Blutspendern hatten 16 einen positiven DAT (etwa 1 von 10.000); veröffentlichte Raten reichen von 1 auf 1.000 bis 1 auf 36.000[7].
  • Häufig Ein Neugeborenes mit anderer Blutgruppe als die Mutter: Häufigste Ursache des Morbus haemolyticus neonatorum ist heute die AB0-Unverträglichkeit zwischen einer Mutter mit Blutgruppe 0 und ihrem Kind[3].
  • Möglich Autoimmunhämolytische Anämie: Wärmeformen machen etwa 70 % der Fälle aus (IgG), die Kälteagglutininkrankheit etwa 20 % (Komplement), Mischformen unter 10 %[5]. Ärztlich wird zudem nach einer Grunderkrankung gesucht[6]; siehe unseren Ratgeber zu Symptomen und Ursachen der Anämie.
  • Möglich Ein Medikament, etwa Penicillin; die Hämolyse klingt meist nach dem Absetzen ab[3]. Setzen Sie nie selbst ein Medikament ab.
  • Möglich Infektionen wie eine Mykoplasmen-Lungenentzündung oder das Pfeiffersche Drüsenfieber[1].
  • Möglich Autoimmunerkrankungen, vor allem Lupus[1].
  • Selten Eine Transfusionsreaktion, etwa nach einer nicht passenden Blutkonserve[1].
  • Selten Blutkrebs wie die chronische lymphatische Leukämie oder ein Lymphom[1][3].

Nach einer Transfusion, einer Infektion oder einem Medikament kann der DAT 48 Stunden bis 3 Monate positiv bleiben; bei einer Autoimmunerkrankung oft lange[3]. Auch das Gegenteil kommt vor: Manche autoimmunhämolytischen Anämien haben einen negativen DAT und sind oft schwerer zu behandeln[5].

Welche Blutwerte zeigen, dass rote Blutkörperchen zerfallen?

Der Coombs-Test zeigt Antikörper, nicht den Zerfall selbst. Eine Hämolyse erkennt man an erhöhten Retikulozyten (junge rote Blutkörperchen), erhöhter LDH, erniedrigtem Haptoglobin und erhöhtem indirektem Bilirubin[5]. Diese Werte können sich auch aus anderen Gründen verändern[5]. Die Retikulozyten steigen nicht immer: Bei etwa 20 % der Erwachsenen mit autoimmunhämolytischer Anämie bleiben sie niedrig[5]. Das große Blutbild zeigt, ob überhaupt eine Blutarmut besteht.

Warum wird der Antikörpersuchtest in der Schwangerschaft gemacht?

Sind Sie Rhesus-negativ und Ihr Kind Rhesus-positiv, kann Ihr Körper Antikörper gegen seine roten Blutkörperchen bilden. Die erste Schwangerschaft ist meist nicht betroffen, ein weiteres Rhesus-positives Kind kann aber Blutarmut und Gelbsucht entwickeln[2][9]. Nach den Mutterschafts-Richtlinien werden in Deutschland möglichst früh Blutgruppe, Rhesusfaktor und ein Antikörpersuchtest bestimmt; ein zweiter Antikörpersuchtest ist bei allen Schwangeren in der 23+0 bis 26+6 SSW vorgesehen. Rhesus-negative Schwangere ohne Anti-D-Antikörper erhalten in der 27+0 bis 29+6 SSW eine Standarddosis (300 µg) Anti-D-Immunglobulin[12]. Die Anti-D-Gabe nach der Geburt senkte die Immunisierungsrate in Risikoschwangerschaften von etwa 13-16 % auf 0,5-1,8 %, eine zusätzliche Gabe in der Schwangerschaft auf 0,14-0,2 %[8]. Auch andere Blutgruppen können Antikörper auslösen; siehe wie häufig jede Blutgruppe ist.

Nach der Geburt kann bei einem Neugeborenen mit deutlicher Gelbsucht ein DAT zusammen mit den Blutgruppen von Mutter und Kind gemacht werden. Bewertet wird er nach der Stärke der Reaktion und danach, ob die Mutter in der Schwangerschaft Anti-D erhalten hat. Ein DAT aus Nabelschnurblut sollte nicht allein eine schwere Gelbsucht vorhersagen[10].

Muss man nüchtern sein, und was kann den Coombs-Test verfälschen?

Eine Vorbereitung oder Nüchternheit ist nicht nötig[1][2]. Der DAT ist einfach und weit verbreitet, kann aber falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse liefern[4]. Sagen Sie vor der Blutabnahme Bescheid über:

  • Eine Anti-D-Spritze in dieser Schwangerschaft: Sie verändert die Bewertung des DAT beim Neugeborenen[10].
  • Eine Bluttransfusion in den letzten 3 Monaten[3].
  • Alle Medikamente, auch kürzlich eingenommene Antibiotika[3].
  • Eine Behandlung mit Daratumumab beim Myelom: Dadurch reagiert der Antikörpersuchtest mit allen Testzellen, und die Blutbank nutzt ein spezielles Verfahren[11].

Praktische Tipps finden Sie in unserem Ratgeber wie eine Blutabnahme abläuft.

Wann sollte ich mit einem positiven Coombs-Test zum Arzt?

Wann ärztliche Hilfe nötig ist

  • Notfall: 112 anrufen bei Fieber, Schüttelfrost, Rückenschmerzen oder dunklem bis rotem Urin während oder nach einer Transfusion, starker Atemnot, Ohnmacht, oder wenn ein Neugeborenes sehr gelb, sehr schläfrig ist oder schlecht trinkt.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden (außerhalb der Sprechzeiten: 116117), wenn ein positiver DAT mit neuer Müdigkeit, Blässe, gelben Augen oder dunklem Urin einhergeht, oder wenn Sie schwanger sind und der Antikörpersuchtest positiv ist.
  • Beim nächsten Termin, wenn es Ihnen gut geht und ein positiver DAT zufällig bei normalem Hämoglobin gefunden wurde.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Ist mein Ergebnis ein direkter Coombstest oder ein Antikörpersuchtest?
  2. Sprechen Hämoglobin, LDH, Haptoglobin und Bilirubin für einen Zerfall roter Blutkörperchen?
  3. Handelt es sich um IgG, Komplement oder beides?
  4. Kann eines meiner Medikamente das Ergebnis erklären?
  5. Falls ich schwanger bin: Welcher Antikörper wurde gefunden, und sind zusätzliche Kontrollen nötig?

Häufige Fragen

Ist ein positiver Coombs-Test gefährlich?

Nicht immer. Manche gesunde Menschen haben einen positiven DAT ohne Hämolyse[3]. Bedeutsam ist er vor allem bei Blutarmut mit Zeichen eines Zerfalls roter Blutkörperchen[5].

Der Coombs-Test meines Babys ist positiv: Wie geht es weiter?

Das Team kontrolliert in den folgenden Stunden und Tagen Bilirubin und Blutbild und bewertet das Ergebnis zusammen mit den Blutgruppen von Mutter und Kind[10].

Ist der Antikörpersuchtest dasselbe wie die Kreuzprobe?

Nicht ganz. Der Antikörpersuchtest sucht vor einer Transfusion nach irgendeinem Antikörper im Plasma; die Kreuzprobe prüft danach Ihr Plasma gegen die ausgewählte Spenderkonserve. Beide gehören zur Verträglichkeitsprüfung der Blutbank[1][11].

Verwandte Laborwerte

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Coombs test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  2. Cleveland Clinic. Coombs Test: Purpose, Procedure & Results. my.clevelandclinic.org (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  3. Testing.com. Direct Antiglobulin Test. testing.com (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  4. Parker V, Tormey CA. The Direct Antiglobulin Test: Indications, Interpretation, and Pitfalls. Arch Pathol Lab Med. 2017;141(2):305-310. doi:10.5858/arpa.2015-0444-RS (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  5. Barcellini W, Fattizzo B. Clinical Applications of Hemolytic Markers in the Differential Diagnosis and Management of Hemolytic Anemia. Dis Markers. 2015;2015:635670. doi:10.1155/2015/635670 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  6. Jäger U, Barcellini W, Broome CM, et al. Diagnosis and treatment of autoimmune hemolytic anemia in adults: recommendations from the First International Consensus Meeting. Blood Rev. 2020;41:100648. doi:10.1016/j.blre.2019.100648 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  7. Bharti J, Solanki A, Singh A, Agarwal M. Prevalence of direct antiglobulin test positive in whole blood donors: study at a tertiary blood center Northern India. Asian J Transfus Sci. 2024;18(2):237-241. doi:10.4103/ajts.ajts_188_23 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  8. American College of Obstetricians and Gynecologists. Practice Bulletin No. 181: Prevention of Rh D Alloimmunization. Obstet Gynecol. 2017;130(2):e57-e70. doi:10.1097/AOG.0000000000002232 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  9. American College of Obstetricians and Gynecologists. The Rh Factor: How It Can Affect Your Pregnancy. acog.org (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  10. National Institute for Health and Care Excellence. Jaundice in newborn babies under 28 days (CG98), recommendations. nice.org.uk (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  11. Chapuy CI, Nicholson RT, Aguad MD, et al. Resolving the daratumumab interference with blood compatibility testing. Transfusion. 2015;55(6 Pt 2):1545-1554. doi:10.1111/trf.13069 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  12. Gemeinsamer Bundesausschuss. Tragende Gründe zur Änderung der Mutterschafts-Richtlinien: Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors, 2020. g-ba.de (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  13. Gesundheitsportal Österreich. Coombs-Test. gesundheit.gv.at (abgerufen am 30. Oktober 2026)

Diese Seite bietet allgemeine Informationen. Sie ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes, die Ihre Ergebnisse mit Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und der Untersuchung bewerten.