TORCH-Serologie in der Schwangerschaft: Was getestet wird und wie Sie IgG und IgM lesen

Das Wichtigste in Kürze
Die TORCH-Serologie ist eine Gruppe von Antikörpertests im Blut auf Infektionen, die in der Schwangerschaft auf das Kind übergehen können: Toxoplasmose, „andere“ Infektionen, Röteln, Zytomegalievirus (CMV) und Herpes. IgG bedeutet meist eine frühere Infektion oder Immunität; IgM kann auf eine frische Infektion hinweisen, ist aber oft ein Fehlalarm. Viele Leitlinien setzen heute auf wenige gezielte Tests statt auf das ganze Paket.
TORCH ist ein Akronym: Toxoplasmose, Other, also andere Infektionen (etwa Syphilis, HIV, Ringelröteln durch Parvovirus B19 oder Windpocken), Röteln, Cytomegalievirus (CMV) und Herpes simplex. Im deutschen Sprachraum heißt es oft STORCH, mit S für Syphilis. Gesucht werden Antikörper gegen diese Erreger im Blut der Schwangeren oder des Neugeborenen[1]. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie einen TORCH-Befund lesen und welche dieser Tests in Deutschland wirklich vorgesehen sind. Jede Infektion hat ihre eigene Seite; unser Ratgeber zum Toxoplasmose-Bluttest behandelt zum Beispiel diesen Test ausführlich.
Was wird bei der TORCH-Serologie untersucht? Ein Befund mit Erklärungen
Eine einheitliche TORCH-Serologie gibt es nicht: Jedes Labor stellt die Antikörper selbst zusammen, meist IgG und IgM gegen Toxoplasmen, Röteln, CMV und Herpes. Die Tests auf Syphilis, HIV und Hepatitis B, die in der Mutterschaftsvorsorge vorgesehen sind, stehen meist als eigene Zeilen im Befund[19].
| Untersuchung | Ergebnis | Referenzbereich | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Toxoplasma-IgG | < 3,0 IE/ml | negativ: < 7,2 IE/ml | |
| Toxoplasma-IgM | negativ | negativ | |
| Röteln-IgG | 38 IE/ml | ≥ 10 IE/ml: Immunität anzunehmen | Immunität anzunehmen |
| CMV-IgG | 4,6 U/ml | negativ: < 0,6 U/ml | pos. |
| CMV-IgM | negativ | negativ | |
| HSV-1-IgG (typspezifisch) | Index 5,1 | negativ: < 0,9 | pos. |
| HSV-2-IgG (typspezifisch) | Index 0,2 | negativ: < 0,9 | |
| Lues-Suchreaktion (TPPA) | negativ | negativ | |
| HIV-1/2-Antikörper/Antigen | negativ | negativ | |
| HBsAg | negativ | negativ |
- Zwei Antikörper pro Erreger: IgG zeigt einen früheren Kontakt (oder eine Impfung); IgM ist der frühe Antikörper einer neuen Infektion. Lesen Sie beide zusammen. Die Grenzwerte unterscheiden sich von Labor zu Labor.
- Toxoplasma-IgG und -IgM negativ: keine frühere Infektion, also auch kein Schutz. Vorsicht bei Lebensmitteln ist wichtig.
- Röteln-IgG mit „Immunität anzunehmen“: In Deutschland muss der Befund wörtlich sagen, ob Immunität angenommen werden kann oder nicht[19].
- CMV-IgG positiv, IgM negativ: das häufigste Muster einer früheren CMV-Infektion, vor dieser Schwangerschaft. „pos.“ ist hier kein Alarmsignal.
- HSV-1-IgG positiv: eine frühere Infektion mit Herpes simplex Typ 1, meist Lippenherpes.
- Lues-Suchreaktion, HIV und HBsAg negativ: Diese drei Tests sieht die Mutterschafts-Richtlinie möglichst früh in jeder Schwangerschaft vor; der HIV-Test ist freiwillig, nach Beratung[19].
Ihr TORCH-Befund ist voller IgG-, IgM- und „pos.“-Zeilen? BloodSense liest den ganzen Befund mit Ihnen, Zeile für Zeile, und listet die Fragen für Ihren nächsten Vorsorgetermin auf.
Meine TORCH-Werte erklärenWelche Erreger gehören zu TORCH, und was prüft jeder Test?
| Infektion | Üblicher Test | Was er aussagt | Ausführlicher Ratgeber |
|---|---|---|---|
| Toxoplasmose | Toxoplasma-IgG und -IgM, Avidität bei positivem IgM | Frühere Infektion (nur IgG) oder mögliche frische Infektion; IgM kann bis zu 18 Monate positiv bleiben[10] | Toxoplasmose im Blutbefund |
| Syphilis („other“) | Lues-Suchreaktion (TPHA, TPPA oder ELISA), bei Bedarf weitere Tests wie RPR | Möglichst früh in jeder Schwangerschaft[19] | RPR-Test auf Syphilis |
| HIV („other“) | HIV-Antikörpertest, bei positivem Ergebnis Immunoblot | Jeder Schwangeren empfohlen, freiwillig nach Beratung[19] | HIV-Testergebnisse |
| Hepatitis B („other“) | Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg) | Jeder Schwangeren empfohlen; entfällt bei nachgewiesener Immunität[19] | Hepatitis B |
| Ringelröteln, Parvovirus B19 („other“) | Parvovirus-IgG und -IgM | Nach Kontakt oder bei Beschwerden; die meisten Erwachsenen sind bereits immun[15] | Fragen Sie Ihre Praxis |
| Windpocken („other“) | Varizellen-IgG | Prüft die Immunität, wenn weder frühere Windpocken noch eine Impfung belegt sind[16] | Windpocken (Varizellen) |
| Röteln | Röteln-Antikörper (IgG) | Immun oder nicht; IgM nur bei Verdacht auf Kontakt oder frische Infektion[19] | Fragen Sie Ihre Praxis |
| Zytomegalievirus | CMV-IgG und -IgM, bei Bedarf Avidität | Frühere oder frische Infektion; nicht Teil der Mutterschafts-Richtlinie[19] | Zytomegalie (CMV) |
| Herpes simplex | Typspezifisches HSV-1- und HSV-2-IgG | Frühere Infektion; IgM wird nicht empfohlen[14] | Herpes-Tests |
Ist ein TORCH-Test in der Schwangerschaft sinnvoll, und was zahlt die Krankenkasse?
Als Gesamtpaket nicht. Die Mutterschafts-Richtlinie, nach der gesetzlich Versicherte betreut werden, sieht möglichst früh in jeder Schwangerschaft eine Lues-Suchreaktion und einen HBsAg-Test vor, empfiehlt jeder Schwangeren einen HIV-Test nach Beratung und verlangt einen Röteln-Antikörpertest, wenn keine Immunität belegt ist. Auf Toxoplasmose und andere Infektionen wird nur bei begründetem Verdacht getestet[19]. In den USA sehen die Empfehlungen ähnlich aus: Syphilis, Hepatitis B und HIV für alle, Röteln-IgG ohne Nachweis der Immunität[5][6][7][8].
- Häufig Syphilis, Hepatitis B, HIV: möglichst früh in der Schwangerschaft. Eine positive Lues-Suchreaktion oder ein positiver HIV-Test wird aus derselben Blutprobe abgeklärt[19]. In den USA wird bei höherem Risiko in der 28. Woche und bei der Geburt erneut auf Syphilis getestet[5].
- Häufig Röteln-Immunität: Sie gilt als belegt bei zwei dokumentierten Impfungen oder einem vor der Schwangerschaft dokumentierten Antikörperbefund. Fehlt die Immunität, wird in der 16. bis 17. Woche erneut getestet[19]. Gegen Röteln und Windpocken wird in der Schwangerschaft nicht geimpft[20]; eine Frau ohne Röteln-Immunität wird nach der Geburt geimpft[8].
- Möglich Gezielte Tests: CMV, Toxoplasmose oder Ringelröteln nach einem Kontakt, bei Fieber, Ausschlag oder einem auffälligen Ultraschall.
- Selten Ohne Anlass: Ein Toxoplasmose-Test ohne begründeten Verdacht ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Sie selbst zahlen[22]. Auch CMV gehört nicht zur Mutterschafts-Richtlinie[19], und ein routinemäßiger HSV-2-Antikörpertest in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen[14].
Warum die Zweifel am ganzen Paket? Eine systematische Übersicht über 2.538 Schwangerschaften, die nach einem auffälligen Ultraschall getestet wurden, fand 26 angeborene CMV-Infektionen und keinen bestätigten Fall von angeborener Toxoplasmose, Röteln oder Herpes; die Autorinnen und Autoren raten, die reflexhafte „TORCH“-Anforderung aufzugeben[2]. Eine Klinikstudie über 10 Jahre fand Erstinfektionen bei 0,8 % der Frauen, die wegen eines kindlichen Befunds getestet wurden, gegenüber 2,6 %, wenn der Grund bei der Mutter lag, etwa Fieber oder auffällige Leberwerte[3]. Kinderärztliche Fachleute weisen außerdem darauf hin, dass der klassische TORCH-Ansatz die Syphilis übersehen kann, die wieder zunimmt[4].
Zur Toxoplasmose: In Deutschland hat etwa die Hälfte der Erwachsenen schon Antikörper; eine systematische Bewertung eines Screenings für Deutschland steht laut Robert Koch-Institut noch aus[21]. Andere Länder gehen eigene Wege: In England werden HIV, Syphilis und Hepatitis B beim ersten Termin angeboten[17], das Röteln-Screening in der Schwangerschaft endete dort 2016[18].
Wie liest man IgG und IgM in der TORCH-Serologie?
Für die meisten Erreger im Panel gelten dieselben vier Kombinationen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt liest sie zusammen mit Ihrer Vorgeschichte und früheren Befunden.
IgG negativ, IgM negativ: nie infiziert, nicht geschützt
Kein Hinweis auf eine frühere oder aktuelle Infektion. Bei Röteln heißt das: keine Immunität; ein grenzwertiges Ergebnis gilt als nicht immun[9], die Impfung folgt nach der Geburt[8]. Melden Sie sich sofort, wenn Sie in den ersten vier Monaten Kontakt zu Röteln haben oder verdächtige Symptome bemerken[19]. Bei Toxoplasmose oder CMV lohnen sich einfache Vorsichtsmaßnahmen: Fleisch gut durchgaren, Obst und Gemüse waschen und den Kontakt mit Speichel und Urin von Kleinkindern meiden, die viel CMV ausscheiden[13].
IgG positiv, IgM negativ: frühere Infektion oder Immunität
Das ist das häufigste Ergebnis. Es spricht für eine Infektion oder Impfung vor dieser Schwangerschaft. Bei Röteln und Windpocken bedeutet es Schutz. Bei CMV ist es beruhigend, aber keine Garantie: Eine frühere Infektion schließt eine Infektion des Kindes nicht aus[12]. Was dieser Marker allgemein bedeutet, lesen Sie in unserem Ratgeber zum IgG-Antikörper.
IgG negativ, IgM positiv: sehr frühe Infektion oder Fehlalarm
IgM kann von einer ganz frischen Infektion stammen, bevor IgG auftaucht. Manche natürlichen IgM-Antikörper reagieren aber auch ohne Infektion mit dem Test[11]. Üblich ist eine zweite Blutprobe zwei bis drei Wochen später: Wird IgG positiv (Serokonversion), ist die Infektion echt und frisch[12]. Mehr zu diesem Marker in unserem Ratgeber zum IgM-Bluttest.
IgG positiv, IgM positiv: Wann war die Infektion?
Das beweist keine frische Infektion. Toxoplasma-IgM kann bis zu 18 Monate nach der Infektion nachweisbar sein[10]. Ein IgG-Aviditätstest hilft bei der Datierung: Die Antikörper binden mit den Monaten immer fester. Bei Toxoplasmose schließt eine hohe Avidität eine Infektion in den letzten 4 Monaten aus; eine niedrige Avidität spricht für eine frische Infektion, beweist sie aber nicht[11][21]. Bei CMV sprechen positives IgM, positives IgG und niedrige Avidität für eine Erstinfektion[12]. Weil diese Ergebnisse leicht falsch gelesen werden, wird bei Toxoplasmose die Bestätigung in einem erfahrenen Speziallabor empfohlen[10].
Herpes: nur typspezifisches IgG
HSV-IgM-Tests werden nicht empfohlen: Sie unterscheiden die Virustypen nicht und können auch bei einem Rückfall positiv sein[14]. Typspezifisches IgG kann dennoch helfen, Frauen zu erkennen, die sich in der Schwangerschaft mit Genitalherpes anstecken könnten, etwa wenn der Partner Herpes hat und sie nicht[14].
Wie bereitet man sich auf die TORCH-Blutentnahme vor?
Die TORCH-Serologie ist eine einfache Blutentnahme aus der Vene.
- Nicht nüchtern nötig für Antikörpertests, außer wenn aus derselben Blutprobe andere Werte bestimmt werden.
- Frühere Befunde mitbringen, vor allem Tests von vor der Schwangerschaft: Ein negatives IgG, das später positiv wird, ist der klarste Beweis einer neuen Infektion.
- Impfpass mitbringen: Zwei dokumentierte Röteln-Impfungen gelten als Nachweis der Immunität[19]; auch für Windpocken zählt eine belegte Impfung[16].
- Beschwerden oder Kontakte nennen: Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen oder Kontakt mit einem Kind mit Ausschlag.
Wann sollten Sie wegen TORCH-Ergebnissen zur Ärztin oder zum Arzt?
Wann zur Ärztin oder zum Arzt?
- Notfall: 112 anrufen bei starker Blutung aus der Scheide, starken Bauchschmerzen, einem Krampfanfall oder Fieber mit Verwirrtheit in der Schwangerschaft.
- Innerhalb von 24 bis 48 Stunden, wenn Sie schwanger sind und Fieber mit Ausschlag bekommen oder Kontakt zu jemandem mit Röteln, Windpocken oder Ringelröteln hatten und Ihre Immunität nicht belegt ist[15][19]. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.
- Beim nächsten Vorsorgetermin bei positivem IgM, niedriger Avidität, positiver Lues-Suchreaktion oder fehlender Immunität gegen Röteln oder Windpocken.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Auf welche Infektionen werde ich getestet, und warum gerade auf diese?
- Bin ich gegen Röteln und Windpocken immun, und sollte ich mich nach der Geburt impfen lassen?
- Mein IgM ist positiv: Brauche ich eine Kontrolle oder einen Aviditätstest, und wann?
- Sollte das Ergebnis in einem Speziallabor bestätigt werden?
- Welche Vorsichtsmaßnahmen sind wichtig, wenn ich gegen Toxoplasmose oder CMV nicht immun bin?
- Ist ein Toxoplasmose- oder CMV-Test bei mir medizinisch begründet, oder wäre er eine Selbstzahlerleistung?
Häufige Fragen zur TORCH-Serologie
Was bedeutet ein negativer TORCH-Test?
Es wurden keine Antikörper gegen die getesteten Erreger gefunden: kein Hinweis auf eine frühere oder aktuelle Infektion. Es heißt aber auch: kein Schutz. Bei Röteln wird nach der Geburt geimpft[8], bei Toxoplasmose und CMV zählen die Vorsichtsmaßnahmen im Alltag.
Sollte man die Antikörper schon vor der Schwangerschaft testen?
Für Röteln und Windpocken lohnt sich die Klärung vorher, denn beide Impfungen müssen vor der Empfängnis erfolgen: Nach der MMR-Impfung sollte man 4 Wochen lang nicht schwanger werden[9]. Ein vor der Schwangerschaft dokumentierter Röteln-Befund wird in den Mutterpass übernommen[19].
Wird nach einer Fehlgeburt eine TORCH-Serologie gemacht?
Antikörper-Panels erklären einen einzelnen Verlust selten. Nach einem Tod des Kindes nach der 20. Woche wird aber ein Syphilis-Test empfohlen[5].
Wird die TORCH-Serologie auch bei Neugeborenen gemacht?
Ja, wenn ein Baby Zeichen einer angeborenen Infektion zeigt[1]. Auf CMV wird ein Neugeborenes innerhalb von 2 bis 3 Wochen nach der Geburt per PCR aus Speichel, Urin oder Blut getestet, denn Antikörpertests können eine angeborene CMV-Infektion nicht nachweisen[13].
Was ist der Unterschied zwischen TORCH und STORCH?
Inhaltlich keiner: STORCH stellt die Syphilis mit einem S an den Anfang, weil sie sonst unter „other“ leicht übersehen wird. Kinderärztliche Fachleute schlagen aus demselben Grund die Abkürzung SCORTCH vor[4].
Verwandte Tests und Ratgeber
- Toxoplasmose-BluttestIgG, IgM und Avidität bei Toxoplasmose im Detail.
- Zytomegalievirus (CMV)Symptome, IgG/IgM im Befund und was CMV in der Schwangerschaft bedeutet.
- SyphilisStadien, Bluttests und Behandlung.
- B-Streptokokken-Test in der SchwangerschaftDer Abstrich gegen Ende der Schwangerschaft und was ein positives Ergebnis bedeutet.
- Zuckerbelastungstest (oGTT)Der andere wichtige Bluttest der Vorsorge, zwischen der 24. und 28. Woche.
Quellen
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Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei starker Blutung, starken Schmerzen oder Fieber mit Verwirrtheit in der Schwangerschaft rufen Sie ohne zu warten den Notruf 112.



