Das Wichtigste in Kürze

Eine Aphthe ist ein kleines, schmerzhaftes Geschwür der Mundschleimhaut. Sie ist nicht ansteckend, hat nichts mit Lippenherpes zu tun und heilt meist innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst ab. Kommen Aphthen immer wieder, können Bluttests nach behandelbaren Ursachen suchen: ein niedriges Ferritin, zu wenig Vitamin B12 oder Folsäure, eine Zöliakie und selten ein Morbus Behçet. Heilt eine Aphthe nach zwei Wochen nicht ab, gehen Sie zur Hausarztpraxis oder zum Zahnarzt.

Was sind Aphthen auf einen Blick?

Aphthen (oft auch „Aphten“ geschrieben; Fachbegriff: rezidivierende aphthöse Stomatitis) gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut. Mehr als die Hälfte aller Menschen hat irgendwann einmal Aphthen, oft zum ersten Mal in der Jugend[2]. Nach Einschätzung von Fachleuten ist etwa jeder zehnte Mensch betroffen, Frauen häufiger als Männer; meist treten zwei bis vier Aphthen gleichzeitig auf[13]. Bis zu 25 % der Bevölkerung haben immer wieder Schübe[6].

Wie sehen Aphthen aus, und wie lange dauert es, bis sie weggehen?

Eine typische Aphthe ist rund oder oval, meist kleiner als 1 cm, mit einem weißlichen oder gelblichen Belag und einem roten Rand[1]. Sie entsteht auf der weichen, beweglichen Schleimhaut: an der Innenseite von Lippen und Wangen, an der Zunge und am weichen Gaumen[2]. Die Schmerzen lassen oft nach 7 bis 10 Tagen nach, ganz abgeheilt ist sie nach 1 bis 3 Wochen[1]. Viele Betroffene haben drei bis sechs Schübe im Jahr, manchmal liegen aber auch Jahre dazwischen[13]. Man unterscheidet drei Formen[13]:

  • Häufig Minor-Aphthen (etwa 85 %): wenige Millimeter groß, heilen in etwa einer Woche ohne Narbe ab.
  • Möglich Major-Aphthen (etwa 10 %): 1 bis 3 cm groß, sehr schmerzhaft, heilen erst nach bis zu vier Wochen ab, oft mit Narbe.
  • Selten Herpetiforme Aphthen (etwa 5 %): viele stecknadelkopfgroße Geschwüre, die zusammenfließen können.

Aphthe oder Herpesbläschen?

Aphthen sitzen im Mund und sind nicht ansteckend. Lippenherpes (Fieberbläschen) ist eine andere Erkrankung: Er wird durch Herpesviren ausgelöst und ist ansteckend[1][2]. Haben Sie eher ein Bläschen außen an der Lippe, lesen Sie unseren Ratgeber zur Blase auf der Lippe und unsere Seite zu Herpes: Symptome und Tests.

Wann sollte man mit Aphthen zum Arzt?

Wann zur Ärztin oder zum Arzt

  • Notfall: Rufen Sie 112 an bei Atemnot oder Schluckbeschwerden oder wenn Gesicht oder Zunge anschwellen. Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen: Mundgeschwüre mit hohem Fieber, wenn Ihre Abwehr durch eine Krankheit oder Medikamente geschwächt ist.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden wenn die Aphthen mit Fieber, Durchfall, Kopfschmerzen oder Hautausschlag einhergehen[1], mit Augenschmerzen oder geröteten Augen oder mit Geschwüren im Genitalbereich oder an anderen Körperstellen[2]. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Termin wenn eine Aphthe nach zwei Wochen nicht abgeheilt ist, größer als 1 cm ist, Sie am Essen oder Trinken hindert oder wenn Sie mehr als zwei- bis dreimal im Jahr Aphthen bekommen[1][3]. Auch viele Aphthen auf einmal, eine starke Entzündung, Mundgeruch oder geschwollene Lymphknoten sind ein Grund für die Hausarztpraxis oder den Zahnarzt[13]. Eine Wunde, die nicht heilt, muss angeschaut werden: Aphthen sind kein Krebs, aber manche Mundkrebse sehen anfangs wie ein Geschwür aus, das nicht abheilt[1].

Was löst Aphthen aus, und welcher Mangel kann dahinterstecken?

Die genaue Ursache ist unbekannt. Aphthen treten familiär gehäuft auf, und offenbar greifen weiße Blutkörperchen kurzzeitig die Mundschleimhaut an[1][2]. Hinter den meisten Schüben steckt ein einfacher Auslöser; nur selten deuten sie auf einen Mangel oder eine Krankheit an anderer Stelle im Körper hin:

  • Häufig Kleine Verletzungen: auf Wange oder Zunge gebissen, zu kräftig geputzt, Zahnbehandlung[1].
  • Häufig Stress, hormonelle Schwankungen wie die Monatsblutung und empfindliche Reaktionen auf Lebensmittel (zum Beispiel saure oder scharfe Speisen)[1][3].
  • Möglich Zahnpasta mit Natriumlaurylsulfat (SLS, auf der Packung oft „Sodium Lauryl Sulfate“); manche Menschen haben nach einem Wechsel weniger Schübe[2].
  • Möglich Zu wenig Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure[1], außerdem ein Mangel an Zink oder Vitamin D[3]. In einer Studie mit 273 Menschen mit wiederkehrenden Aphthen hatten 20,9 % eine Blutarmut, 20,1 % zu wenig Eisen, 4,8 % zu wenig Vitamin B12 und 2,6 % zu wenig Folsäure[4].
  • Möglich Einige Medikamente, darunter Betablocker, Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (wie Ibuprofen) und Mittel, die das Immunsystem unterdrücken[3].
  • Möglich Zöliakie: Betroffene haben etwa 2,5-mal so oft wiederkehrende Aphthen[5]. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und HIV hängen mit Aphthen zusammen[2][3][13].
  • Selten Morbus Behçet, eine entzündliche Erkrankung, bei der Mundgeschwüre zusammen mit Genitalgeschwüren, Augenentzündungen oder Hautveränderungen auftreten[7].
  • Selten Zyklische Neutropenie, eine erbliche Erkrankung bei etwa einem von einer Million Menschen: Die Neutrophilen (eine Art weißer Blutkörperchen) fallen etwa alle 21 Tage für 3 bis 5 Tage ab, mit Mundgeschwüren und Fieber, die in diesem Rhythmus wiederkehren[8].

Welche Blutwerte prüft man bei häufigen Aphthen, und wie liest man den Befund?

Eine einzelne Aphthe erkennt die Ärztin oder der Arzt beim Anschauen[1][3]. Kommen Aphthen immer wieder oder sind sie sehr ausgeprägt, können einfache Bluttests nach einem Nährstoffmangel oder einer anderen Ursache suchen[2]; bei Verdacht auf eine andere Krankheit kommen auch ein Abstrich, eine Gewebeprobe oder eine Untersuchung des Darms infrage[13]. Eine Übersichtsarbeit empfiehlt, vor der Behandlung wiederkehrender Aphthen Blutbild, Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Homocystein zu bestimmen[4].

  • Großes Blutbild: Blutarmut, Größe der roten Blutkörperchen und die Zahl der Neutrophilen.
  • Ferritin und der Eisenstatus: Ihre Eisenspeicher.
  • Vitamin B12 und Folsäure.
  • Zink und manchmal Vitamin D[3].
  • Zöliakie-Test: Hauptuntersuchung sind die Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (tTG-IgA, auch TG2-IgA). Zusätzlich wird das Gesamt-IgA bestimmt, damit sich das Ergebnis richtig deuten lässt[14]; bei einem IgA-Mangel nimmt man einen DGP-Test[9].
  • Manchmal: ein HIV-Test, wiederholte Neutrophilenzählungen über mehrere Wochen, wenn Geschwüre wie nach Uhrwerk wiederkehren[8], oder eine Gewebeprobe aus einem ungewöhnlichen Geschwür[2].
Fiktives Beispiel eines Laborbefunds bei einer Frau mit häufigen Aphthen (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
Ferritin9 ng/ml13–150 ng/ml (Frauen)↓
Vitamin B12240 pg/ml299–1054 pg/ml↓
Folsäure im Serum8,4 ng/ml2,7–17,0 ng/ml
Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTG-IgA)negativnegativ
  1. Ferritin: spiegelt die Eisenspeicher wider. Je niedriger der Wert, auch innerhalb des Referenzbereichs, desto wahrscheinlicher sind die Speicher leer[10]. Dann muss die Ursache gesucht werden (starke Regelblutung, Ernährung, gestörte Aufnahme im Darm).
  2. Vitamin B12: unter 299 pg/ml ist ein Mangel möglich; ein Test auf Methylmalonsäure kann ihn bestätigen[11].
  3. Folsäure: im üblichen Bereich von 2,7 bis 17,0 ng/ml[12].
  4. tTG-IgA: Ein negatives Ergebnis macht eine Zöliakie unwahrscheinlicher, wenn das Gesamt-IgA normal ist und Sie vor dem Test weiter Gluten gegessen haben[9][14].

Blutwerte nach immer wiederkehrenden Aphthen in der Hand? BloodSense erklärt Ihnen jede Zeile Ihres vollständigen Befunds verständlich, vom Ferritin bis zum Vitamin B12, und hilft Ihnen, Ihr nächstes Arztgespräch vorzubereiten.

Meinen Befund erklären lassen

Bei Männern liegt der Ferritin-Referenzbereich höher (30 bis 400 ng/ml)[10]; maßgeblich sind die Bereiche Ihres Labors. Sind Eisen und Vitamin B12 gleichzeitig niedrig, kann das auf eine gestörte Aufnahme im Darm hinweisen, wie bei einer Zöliakie. Mehr dazu in unserem Ratgeber Eisenmangel und seine Bluttests.

Für den Morbus Behçet gibt es keinen beweisenden Bluttest. Ärztinnen und Ärzte nutzen eine klinische Punkteskala: Mundgeschwüre, Genitalgeschwüre und Augenentzündung zählen je 2 Punkte; ab 4 Punkten spricht vieles für die Erkrankung[7].

Wie geht es nach dem Befund weiter?

Findet sich ein Mangel, sucht die Ärztin oder der Arzt nach seiner Ursache und kontrolliert den Wert oft nach der Behandlung, um zu sehen, ob er sich normalisiert hat. Ein positiver oder unklarer Zöliakie-Test wird meist durch eine Gewebeprobe aus dem oberen Dünndarm bei einer Magenspiegelung abgeklärt[14]. Ein Aphthen-Tagebuch (Datum, Lebensmittel, Zahnpasta, Stress, Periode) hilft, Muster zu erkennen[2].

Was hilft gegen Aphthen?

Die meisten Aphthen heilen ohne Behandlung ab[1]. Heilen lassen sie sich nicht, und keine Behandlung verhindert neue Aphthen sicher[13]; Behandlungen können aber Schmerzen lindern, Schübe verkürzen und seltener machen[2]. Dosierungen nennen wir hier bewusst nicht.

  • Zu Hause: heiße, scharfe oder saure Speisen meiden; mit Salzwasser oder einer milden Mundspülung ohne Alkohol spülen; zweimal täglich sanft putzen[1].
  • Rezeptfrei aus der Apotheke: betäubende oder entzündungshemmende Gele, Cremes und Mundspülungen (zum Beispiel mit Benzocain) zur kurzfristigen Linderung[1][3][13].
  • Auf ärztliche Verordnung: Chlorhexidin-Spülungen, kortisonhaltige Gele oder Spülungen und bei schweren Verläufen manchmal Kortisontabletten oder eine Lasertherapie[1][3][13].
  • Einen Mangel ausgleichen: Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure, wenn ein Test einen Mangel zeigt[3]. In einer kleinen Studie verringerte Vitamin B12 über sechs Monate die Schübe, auch bei normalem B12-Spiegel: 74,1 % hatten im letzten Monat keine Aphthen, gegenüber 32,0 % mit Placebo[6]. Sprechen Sie vor Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann man Aphthen vorbeugen?

  • Eine weiche Zahnbürste benutzen und sanft putzen[1].
  • Für einige Monate eine Zahnpasta ohne Natriumlaurylsulfat ausprobieren[2].
  • Lebensmittel notieren, nach denen Schübe auftreten, und sie einschränken[3].
  • Täglich Zahnseide verwenden und regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen[1].
  • Kommen Aphthen immer wieder, lieber die Blutwerte prüfen lassen, statt auf Verdacht Präparate zu nehmen. Siehe auch unseren Ratgeber zu eisenhaltigen Lebensmitteln.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Sind das Aphthen, oder könnte es etwas anderes sein?
  2. Sollten Blutbild, Ferritin, Vitamin B12, Folsäure oder ein Zöliakie-Test bestimmt werden?
  3. Kann eines meiner Medikamente die Aphthen auslösen?
  4. Welche Behandlung hilft mir während eines Schubs?
  5. Bei welchen Zeichen soll ich früher wiederkommen?

Häufige Fragen

Sind Aphthen ansteckend oder ein Virus?

Nein. Auch offene Aphthen übertragen sich nicht auf andere Menschen, anders als Herpesbläschen, die durch Herpesviren entstehen[1][2].

Welcher Vitaminmangel verursacht Aphthen?

Am besten untersucht sind Eisen, Vitamin B12 und Folsäure, dazu Zink und Vitamin D[1][3]. Am häufigsten findet sich ein Eisenmangel[4]. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt nur ein Bluttest.

Bekommen auch Kinder Aphthen?

Ja, oft ab dem Jugendalter[2]. Hat ein Kind Mundgeschwüre und Fieber, die in einem regelmäßigen Rhythmus wiederkehren, sollte es kinderärztlich untersucht werden; dabei wird das Blutbild eventuell über mehrere Wochen kontrolliert[8].

Sind Aphthen ein Zeichen für Zöliakie?

Meist nicht, aber bei einer Zöliakie kommen sie häufiger vor[5]. Ein Test ist sinnvoll, wenn zusätzlich Verdauungsbeschwerden, Gewichtsverlust, ein Eisenmangel oder Zöliakie in der Familie vorliegen. Mehr dazu in unserem Artikel zur Zöliakie.

Weiterführende Artikel

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Canker sore. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  2. American Academy of Oral Medicine. Canker Sores. aaom.com (abgerufen am 3. November 2026)
  3. Cleveland Clinic. Canker Sores. my.clevelandclinic.org (abgerufen am 3. November 2026)
  4. Chiang CP, Yu-Fong Chang J, Wang YP, et al. Recurrent aphthous stomatitis - Etiology, serum autoantibodies, anemia, hematinic deficiencies, and management. J Formos Med Assoc. 2019;118(9):1279-1289. doi:10.1016/j.jfma.2018.10.023 (abgerufen am 3. November 2026)
  5. Zhao Y, Feng W. Relative risk of oral manifestations with celiac disease: a systematic review and meta-analysis. BMC Gastroenterol. 2026;26(1). doi:10.1186/s12876-026-04860-z (abgerufen am 3. November 2026)
  6. Volkov I, Rudoy I, Freud T, et al. Effectiveness of vitamin B12 in treating recurrent aphthous stomatitis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Am Board Fam Med. 2009;22(1):9-16. doi:10.3122/jabfm.2009.01.080113 (abgerufen am 3. November 2026)
  7. International Team for the Revision of the International Criteria for Behçet's Disease (ITR-ICBD). The International Criteria for Behçet's Disease (ICBD): a collaborative study of 27 countries on the sensitivity and specificity of the new criteria. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2014;28(3):338-347. doi:10.1111/jdv.12107 (abgerufen am 3. November 2026)
  8. MedlinePlus Genetics. Cyclic neutropenia. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  9. MedlinePlus. Celiac Disease Screening. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  10. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Ferritin blood test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  11. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Vitamin B12 level. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  12. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Folic acid - test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 3. November 2026)
  13. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aphthen. Gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 29. Oktober 2025. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 3. November 2026)
  14. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 3. November 2026)

Diese Seite ist eine allgemeine Information. Sie ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes oder einer Zahnärztin bzw. eines Zahnarztes, die Ihre Werte zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilen.