Das Wichtigste

Purpura sind rote, violette oder bräunliche Flecken durch Blut in der Haut, 4 bis 10 mm groß, die bei Druck nicht verblassen. Sie sind ein Zeichen, keine eigene Krankheit: Die Ursache kann harmlos sein (dünne Haut im Alter) oder dringend (eine schwere Infektion). Der erste Bluttest ist das Blutbild, denn die Zahl der Blutplättchen teilt die Ursachen in zwei Gruppen.

Was ist Purpura? Ein Überblick

  • Definition: violette Flecken und Flächen auf der Haut oder in der Mundschleimhaut, entstanden durch kleine Gefäße, aus denen Blut unter die Oberfläche austritt[1].
  • Die Begriffe nach Größe: Petechien sind punktförmige Blutungen unter 4 mm, Purpura misst 4 bis 10 mm, Ekchymosen (blaue Flecken) sind größer als 1 cm[1][2].
  • Zwei große Gruppen: thrombozytopenische Purpura mit zu wenigen Blutplättchen und nicht thrombozytopenische Purpura mit normaler Zahl[2].
  • Die wichtigste Zahl: eine normale Thrombozytenzahl liegt bei Erwachsenen bei 150.000 bis 450.000 pro Mikroliter; darunter ist sie erniedrigt[3].

Wie sieht Purpura aus, und welche Symptome gibt es?

Die Flecken sind zuerst rot, dann violett und später bräunlich, während das Blut abgebaut wird. Ihr Kennzeichen: Sie bleiben sichtbar, wenn man darauf drückt, anders als die meisten Rötungen, die blass werden[2]. Prüfen lässt sich das, indem man die Seite eines durchsichtigen Glases auf die Haut drückt (Glastest). Auf dunkler Haut helfen hellere Stellen: Handflächen, Fußsohlen, Innenseite der Augenlider, Gaumen[10].

Das Aussehen der Flecken gibt der Ärztin oder dem Arzt einen ersten Hinweis:

  • Flache Flecken mit Zahnfleisch- oder Nasenbluten, starker Regelblutung, Blut im Urin oder Stuhl: eher ein Problem der Blutplättchen[4].
  • Leicht erhabene Flecken, die man mit der Fingerkuppe tastet (tastbare Purpura), vor allem an Beinen und Gesäß: eher eine Entzündung kleiner Gefäße (Vaskulitis). Bei Kindern kommen oft Gelenk- oder Bauchschmerzen hinzu[7].
  • Große dunkle Blutergüsse an Handrücken und Unterarmen älterer Menschen, nach kleinem Stoß oder ohne Anlass: eher brüchige Gefäße der Altershaut (senile Purpura)[16].

Wann ist Purpura ein Notfall?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen, wenn Flecken, die unter dem Glas nicht verblassen, mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Verwirrtheit, Nackensteife einhergehen oder sich ausbreiten: Das kann eine Meningokokken-Infektion sein, die sofort behandelt werden muss[10]. Ebenso bei einer Blutung, die auf Druck nicht stoppt[4], oder bei Purpura mit plötzlicher Verwirrtheit, Schwäche oder Sprachstörung.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden, wenn neue Flecken ohne bekannten Grund auftreten und Sie sich gut fühlen, wenn ein Kind Purpura an den Beinen mit Gelenk- oder Bauchschmerzen hat, oder wenn Sie einen Gerinnungshemmer nehmen und sich die Flecken ausbreiten[11]. Außerhalb der Sprechzeiten: 116117.
  • Beim nächsten Termin bei alten, unveränderten Blutergüssen an sonnengeschädigten Unterarmen oder bei wenigen, schon verblassten Flecken. Fotos und Medikamentenliste mitbringen.

Fehlendes Fieber schließt eine ernste Ursache nicht aus, und die meisten Menschen mit Hirnhautentzündung haben gar keinen Ausschlag. Unser Ratgeber zu den Symptomen einer Meningitis nennt alle Warnzeichen.

Welche Ursachen hat Purpura?

Ärzte ordnen die Ursachen nach der Thrombozytenzahl, dann nach der Blutgerinnung und der Stabilität der Gefäßwand[1][2]. Häufige Ursachen zuerst:

  • Häufig Senile Purpura (Purpura senilis): Altersbedingte, vor allem durch UV-Strahlung entstandene Hautveränderungen machen die Haut dünn und die Gefäße brüchig. Etwa 12 % der Menschen über 50 und bis zu 30 % über 75 sind betroffen. Eine spezielle Behandlung braucht es nicht[16]; Gerinnungshemmer und Kortison verstärken sie[12].
  • Häufig Medikamente: Mittel, die Blutplättchen oder Gerinnung beeinflussen (ASS, Clopidogrel, Phenprocoumon, Warfarin und andere Gerinnungshemmer), Kortison als Dauertherapie und Arzneimittel, die die Thrombozyten senken[1][12]. Setzen Sie einen Gerinnungshemmer nie ohne ärztlichen Rat ab.
  • Möglich IgA-Vaskulitis (früher Purpura Schönlein-Henoch): die häufigste Vaskulitis im Kindesalter, meist zwischen 2 und 10 Jahren, mit 100 bis 180 Neuerkrankungen pro Million Einwohner im Jahr[17]. Oft geht ein Atemwegsinfekt voraus[7][8].
  • Möglich Immunthrombozytopenie (ITP, früher idiopathische thrombozytopenische Purpura): Das Immunsystem zerstört Blutplättchen. Bei Kindern geht sie oft in Wochen oder Monaten vorbei; die anhaltende Form betrifft vor allem Erwachsene, Frauen zwei- bis dreimal häufiger als Männer[4].
  • Möglich Infektionen und Krankheiten, die Thrombozyten senken: HIV, Hepatitis C, andere Virusinfekte, Lupus und Knochenmarkerkrankungen[2].
  • Selten Schwere Notfälle: Meningokokken-Blutvergiftung und andere Formen der Sepsis, disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), Leukämie und die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), bei der sich im ganzen Körper winzige Gerinnsel bilden[1][2][9]. Wie eine DIC im Labor erkannt wird, lesen Sie unter DIC: Symptome, Ursachen und Laborwerte.
  • Selten Weitere Gefäßursachen: Vitamin-C-Mangel (Skorbut), Amyloidose und erbliche Bindegewebserkrankungen wie das Ehlers-Danlos-Syndrom[1][2].

Wie wird Purpura abgeklärt? Die Blutwerte und wie man sie liest

Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haut, fragt nach Medikamenten, Infekten und Blutungen und veranlasst Blut- und Urinuntersuchungen; manchmal ist eine Hautprobe (Biopsie) nötig[1]. Am Anfang steht das Blutbild, oft mit Gerinnungswerten. Ein fiktives Beispiel für einen Befund:

Fiktives Beispiel eines Laborbefunds bei Purpura, Blutbild und Gerinnung (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichKennzeichen
Leukozyten6,8 Tsd/µl4,0-10,0
Hämoglobin13,6 g/dl12,0-16,0
Thrombozyten18 Tsd/µl150-450↓
MPV (mittleres Thrombozytenvolumen)11,2 fl7,5-11,5
Quick95 %70-130
aPTT31 s25-37
  1. Der Pfeil ↓: 18 Tsd/µl sind 18.000 Blutplättchen pro Mikroliter, weit unter 150.000. Das Blutungsrisiko steigt unter etwa 20.000[5].
  2. Alles andere ist normal: Ein isolierter Thrombozytenmangel bei normalen roten und weißen Blutkörperchen ist das typische Bild der ITP, die nach Ausschluss anderer Ursachen festgestellt wird[5].
  3. Quick und aPTT normal: Die Gerinnungsfaktoren arbeiten; das Problem liegt bei den Blutplättchen, nicht bei den Gerinnungseiweißen.
  4. Keine Diagnose: Der Wert muss bestätigt und ein Blutausstrich unter dem Mikroskop angesehen werden[5]. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor.

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Meinen Befund erklären
Häufige Untersuchungen bei Purpura und was ein auffälliger Wert bedeutet
UntersuchungWozuWert, der das Bild ändert
Thrombozyten und MPVTeilt die Ursachen in zwei Gruppen[2]Erniedrigt (↓): thrombozytopenische Purpura. Normal: Gefäße oder Gerinnung prüfen
BlutausstrichZellen unter dem Mikroskop[5]Plättchenklumpen: falsch niedriger Wert; zerstückelte rote Blutkörperchen (Fragmentozyten): Hinweis auf TTP[9]
Quick/Prothrombinzeit, INR und aPTTPrüfen die Gerinnungsfaktoren (siehe unseren Ratgeber zu Gerinnungswerten)Quick erniedrigt oder aPTT verlängert: Gerinnungshemmer, Leberproblem, Faktorenmangel oder DIC
Urinuntersuchung und KreatininSuchen eine Nierenbeteiligung bei IgA-Vaskulitis[8]Blut oder Eiweiß im Urin, steigendes Kreatinin (↑): engere Kontrollen[17]
LDH, Haptoglobin und ADAMTS13-AktivitätBei Verdacht auf TTP[9]LDH hoch (↑), Haptoglobin niedrig (↓) und ADAMTS13 unter 10 %: TTP, ein Notfall[9]
HIV- und Hepatitis-C-TestBei Verdacht auf ITP und entsprechendem Risiko[4]Ein positives Ergebnis erklärt den Plättchenmangel
Vitamin CBei einseitiger Ernährung und ZahnfleischblutenSehr niedriger Wert (↓): Hinweis auf Skorbut

Eine Falle im Befund: Bei manchen Menschen lässt das Gerinnungshemmer-Mittel im üblichen EDTA-Röhrchen die Blutplättchen im Röhrchen verklumpen. Das Gerät meldet dann einen falsch niedrigen Wert (Pseudothrombozytopenie). Ein Ausstrich oder eine neue Probe im Citrat- oder Heparinröhrchen zeigt den echten Wert[13]. Ein sehr niedriger Wert ohne Blutung und ohne Flecken verdient diese Kontrolle.

Bei Kindern wird die IgA-Vaskulitis über Purpura oder Petechien vor allem an den Beinen eingeordnet, plus mindestens eines von: Bauchschmerzen, Gelenkentzündung oder -schmerzen, Nierenbeteiligung oder IgA-Ablagerungen in einer Gewebeprobe[14]. Als Gefäßursache senkt sie die Thrombozyten nicht[2].

Wie wird Purpura im Verlauf kontrolliert?

  • ITP: wiederholte Thrombozytenzählungen. Über 20.000 pro Mikroliter ist ohne Blutung selten eine Behandlung nötig[5].
  • IgA-Vaskulitis: Urinkontrollen und Blutdruckmessungen über 6 bis 12 Monate, denn die Nieren können auch nach dem Ausschlag betroffen sein[11][17]. Die Erkrankung dauert im Mittel etwa 4 Wochen[7].
  • Senile Purpura: keine Untersuchungen, wenn die Diagnose klar ist. Die Blutergüsse heilen meist in 1 bis 3 Wochen von selbst ab[16].

Wie wird Purpura behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, manchmal ist keine nötig[2]. Dosierungen werden hier nicht genannt.

  • Purpura durch Medikamente: Die Ärztin oder der Arzt kann das Mittel wechseln oder anpassen.
  • ITP: Abwarten mit Kontrollen, Kortison, intravenöse Immunglobuline, Anti-D, Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten, Rituximab oder Milzentfernung, gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten gewählt[6].
  • IgA-Vaskulitis: meist Schonung und Schmerzmittel; Kortison und Nierentherapie nur in ausgewählten Fällen[7][8].
  • TTP: rasche Behandlung im Krankenhaus, gesteuert durch den ADAMTS13-Test[9].
  • Senile Purpura: keine spezielle Behandlung nötig; bei sehr trockener Haut können Feuchtigkeitscremes helfen[16].

Wie kann man Purpura vorbeugen und damit leben?

  • Unterarme und Hände vor Sonne und Stößen schützen, wenn die Haut dünn ist[16].
  • Eine aktuelle Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungen führen und vor ASS oder Ibuprofen nachfragen, wenn die Thrombozyten niedrig sind.
  • Neue Flecken mit einer Münze daneben fotografieren und das Datum notieren.
  • Nach den empfohlenen Meningokokken-Impfungen für Ihr Alter und Ihre Situation fragen.
  • Nach einer IgA-Vaskulitis alle Urin- und Blutdruckkontrollen wahrnehmen, auch wenn der Ausschlag weg ist[11].

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Sind meine Thrombozyten erniedrigt, und hat ein Ausstrich eine Verklumpung im Röhrchen ausgeschlossen?
  2. Sind Quick und aPTT normal?
  3. Kann eines meiner Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel die Flecken auslösen?
  4. Brauche ich Urin- und Blutdruckkontrollen, und wie lange?
  5. Bei welchen Zeichen soll ich sofort die 112 rufen?

Häufige Fragen

Ist Purpura dasselbe wie ein blauer Fleck?

Beides ist Blut unter der Haut. Ärzte nennen Flächen über 1 cm Ekchymose (blauer Fleck) und Flecken von 4 bis 10 mm Purpura[1]. Wichtig ist vor allem, ob sie ohne Anlass entstehen.

Kann Purpura ein Zeichen von Leukämie sein?

Selten. Leukämie ist eine mögliche Ursache, verändert aber meist auch andere Zeilen des Blutbilds, etwa Leukozyten oder Hämoglobin[2]. Ein normales Blutbild macht sie deutlich unwahrscheinlicher.

Wie lange dauert Purpura?

Das hängt von der Ursache ab: 1 bis 3 Wochen bei seniler Purpura[16], etwa 4 Wochen bei IgA-Vaskulitis[7], länger, wenn die Thrombozyten niedrig bleiben.

Gibt es Purpura bei normalen Thrombozyten?

Ja. Vaskulitis, brüchige Altershaut, Kortison, Vitamin-C-Mangel und Störungen der Gerinnungsfaktoren verursachen Purpura bei normaler Plättchenzahl[1].

Verwandte Artikel

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Purpura. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  2. Cleveland Clinic. Purpura. clevelandclinic.org (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute. Thrombocytopenia. nhlbi.nih.gov (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  4. National Heart, Lung, and Blood Institute. Immune thrombocytopenia (ITP). nhlbi.nih.gov (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  5. Provan D, Arnold DM, Bussel JB, et al. Updated international consensus report on the investigation and management of primary immune thrombocytopenia. Blood Adv. 2019;3(22):3780-3817. doi:10.1182/bloodadvances.2019000812 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  6. Neunert C, Terrell DR, Arnold DM, et al. American Society of Hematology 2019 guidelines for immune thrombocytopenia. Blood Adv. 2019;3(23):3829-3866. doi:10.1182/bloodadvances.2019000966 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  7. Leung AKC, Barankin B, Leong KF. Henoch-Schönlein purpura in children: an updated review. Curr Pediatr Rev. 2020;16(4):265-276. doi:10.2174/1573396316666200508104708 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  8. Ozen S, Marks SD, Brogan P, et al. European consensus-based recommendations for diagnosis and treatment of immunoglobulin A vasculitis: the SHARE initiative. Rheumatology (Oxford). 2019;58(9):1607-1616. doi:10.1093/rheumatology/kez041 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  9. Zheng XL, Vesely SK, Cataland SR, et al. ISTH guidelines for the diagnosis of thrombotic thrombocytopenic purpura. J Thromb Haemost. 2020;18(10):2486-2495. doi:10.1111/jth.15006 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  10. NHS. Meningitis. nhs.uk (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  11. NHS. Henoch-Schönlein purpura (HSP). nhs.uk (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  12. MSD Manual Professional Version. Senile purpura. msdmanuals.com (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  13. Yan L, Xu S, Yang X, et al. Decision-making error in platelet transfusion caused by EDTA-dependent pseudothrombocytopenia: a case report and literature review. Clin Lab. 2024;70(1). doi:10.7754/Clin.Lab.2023.230703 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  14. Ozen S, Pistorio A, Iusan SM, et al. EULAR/PRINTO/PRES criteria for Henoch-Schönlein purpura, childhood polyarteritis nodosa, childhood Wegener granulomatosis and childhood Takayasu arteritis: Ankara 2008. Part II: final classification criteria. Ann Rheum Dis. 2010;69(5):798-806. doi:10.1136/ard.2009.116657 (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  15. MedlinePlus. Complete blood count (CBC). US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  16. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit). Senile Purpura (Hauteinblutungen im Alter). gesund.bund.de (abgerufen am 30. Oktober 2026)
  17. Deutsche Rheuma-Liga. IgA-Vaskulitis. rheuma-liga.de (abgerufen am 30. Oktober 2026)

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