Das Wichtigste

Die bakterielle Vaginose ist die häufigste Störung der Scheidenflora bei Frauen im gebärfähigen Alter. Sie ist keine Infektion mit einem einzelnen Erreger, sondern ein Ungleichgewicht: Die schützenden Milchsäurebakterien (Laktobazillen, Döderlein-Flora) nehmen ab, andere Bakterien wie Gardnerella nehmen überhand. Typisch ist ein dünner, grauweißer Ausfluss mit Fischgeruch, doch mindestens die Hälfte der Frauen hat keine Beschwerden. Ein Abstrich sichert die Diagnose, verschreibungspflichtige Antibiotika behandeln sie, Rückfälle sind häufig.

Was ist eine bakterielle Vaginose – kurz erklärt?

  • Was passiert: Die Scheidenflora verschiebt sich, mit weniger Laktobazillen und mehr Bakterien wie Gardnerella; meist ist der Anteil der Gardnerella-Bakterien zu hoch[12]. Die genaue Ursache ist unbekannt[1].
  • Wie häufig: weltweit etwa 23 bis 29 % der Frauen im reproduktiven Alter, in Europa und Zentralasien 23 %[2][8]. Das Gesundheitsportal des Bundes schätzt, dass etwa 5 von 100 Frauen gerade eine Vaginose haben[12].
  • Eine Geschlechtskrankheit? Nicht im klassischen Sinn. Sie hängt mit Sex zusammen und ist bei Frauen ohne Geschlechtsverkehr selten, kommt aber auch ohne sexuelle Aktivität vor[1].
  • Wichtige Tests: pH-Wert der Scheide, Mikroskopie (Amsel-Kriterien), Gram-Färbung mit Punktwert von 0 bis 10 (Nugent-Score) oder molekularer Test (PCR)[3].
  • Keine Blutuntersuchung: Die Diagnose stammt aus dem Scheidensekret, nicht aus Blut oder Urin. Ein Test auf Geschlechtskrankheiten ist eine eigene Untersuchung.

Welche Symptome hat eine bakterielle Vaginose?

  • Häufig Dünner, weißer oder grauer Ausfluss, der die Scheidenwand gleichmäßig bedeckt[3].
  • Häufig Auffälliger Fischgeruch, besonders nach dem Sex[1][12].
  • Möglich Juckreiz, Reizung oder Brennen beim Wasserlassen[2].
  • Häufig Gar keine Beschwerden: Das trifft auf mindestens die Hälfte der Frauen mit bakterieller Vaginose zu[12].

Dicker, weißer, bröckeliger Ausfluss mit starkem Juckreiz spricht eher für einen Scheidenpilz (Candidose). Gelbgrüner Ausfluss, Unterbauchschmerzen oder Blutungen nach dem Sex können auf Chlamydien, Gonorrhö (Tripper) oder Trichomonaden hinweisen. Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen – ein Abstrich ist besser als Raten.

Wann sollte ich mit einer bakteriellen Vaginose zum Arzt?

Wann zum Arzt

  • Notfall: 112 anrufen bei starken Unterbauchschmerzen mit Fieber, Ohnmacht oder starker Blutung, besonders wenn Sie schwanger sein könnten.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden, wenn Sie schwanger sind und neuen Ausfluss oder Geruch bemerken: Eine Vaginose mit Beschwerden wird in der Schwangerschaft behandelt[3], weil sie das Risiko für vorzeitige Wehen leicht erhöhen kann[12]. Außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Gehen Sie auch bald bei Beckenschmerzen, Fieber oder einem neuen Partner mit Beschwerden.
  • Beim nächsten Termin in der Frauenarztpraxis bei ungewöhnlichem Ausfluss oder Geruch ohne Schmerzen oder wenn die Vaginose immer wiederkommt.

Was sind die Ursachen der bakteriellen Vaginose und wer ist gefährdet?

Was die Vaginose genau auslöst, weiß man nicht[1]. Diese Faktoren stören das Gleichgewicht:

  • Häufig Scheidenspülungen und Intimwaschungen innen, die das Risiko erhöhen[1][2].
  • Häufig Wechselnde oder neue Sexualpartner, Sex ohne Kondom[1][12]. Auch zwischen Partnerinnen kann sie übertragen werden[1].
  • Möglich Spirale (Intrauterinpessar), schon in der Studie von Amsel mit Vaginose verbunden[5].
  • Selten Kein Geschlechtsverkehr: Frauen, die nie Sex hatten, sind selten betroffen[1].

Die Vaginose ist nicht nur lästig: Sie erhöht das Risiko, sich mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Chlamydien und Gonorrhö anzustecken[1][2].

Wie wird eine bakterielle Vaginose festgestellt und wie lese ich den Abstrich-Befund?

Bei der Untersuchung entnimmt die Ärztin oder der Arzt etwas Scheidensekret mit einem Abstrich; daraus werden der pH-Wert und die Bakterienarten bestimmt[12]. Hier ein fiktiver Befund.

Fiktives Beispiel eines Abstrich-Befunds (Format Deutschland)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
pH-Wert Vaginalsekret5,43,8 – 4,5↑ erhöht
Nativpräparat: Schlüsselzellen (Clue Cells)nachweisbarnicht nachweisbarauffällig
Amintest (KOH)positivnegativauffällig
Gram-Präparat: Nugent-Score80 – 3↑ vereinbar mit BV
Trichomonas vaginalis (PCR)nicht nachgewiesennicht nachgewiesen
Sprosspilze (Candida)nicht nachgewiesennicht nachgewiesen
  1. pH ↑: Eine gesunde Scheide liegt zwischen 3,8 und 4,5. Über 4,5 passt zur Vaginose, der pH-Wert allein reicht aber nicht für die Diagnose[4].
  2. Schlüsselzellen: Scheidenzellen, die mit Bakterien bedeckt sind, unter dem Mikroskop[3].
  3. Amintest: Fischgeruch, wenn ein Tropfen Kalilauge (KOH) zugegeben wird[3].
  4. Nugent-Score: 0 bis 3 normal, 4 bis 6 Mischflora, 7 bis 10 bakterielle Vaginose[3][6].
  5. Nicht nachgewiesen: weder Trichomonaden noch Pilze, die ähnliche Beschwerden machen.

Abstrich, Urinbefund und STI-Test am selben Tag? BloodSense liest jede Zeile Ihres vollständigen Befunds, zeigt, welche Werte zusammenpassen, und hilft Ihnen, Ihre Fragen für die Praxis vorzubereiten.

Meinen Befund erklären lassen

Amsel-Kriterien: die Diagnose in der Praxis

Eine Vaginose liegt vor, wenn mindestens 3 der 4 Zeichen zutreffen: dünner, milchiger Ausfluss, der die Scheidenwand bedeckt; Schlüsselzellen im Mikroskop; pH-Wert über 4,5; Fischgeruch vor oder nach Zugabe von Kalilauge[3][5]. Verglichen mit der Gram-Färbung übersehen die Amsel-Kriterien 30 bis 63 % der Fälle, geben aber selten Fehlalarm (Spezifität 94 bis 99 %)[3].

Nugent-Score: der Laborstandard

Die Gram-Färbung gilt als Referenzmethode im Labor[3]. Gezählt werden drei Bakterienformen auf dem Objektträger (Laktobazillen, Gardnerella-ähnliche Stäbchen und gebogene Stäbchen), die zu einem Punktwert von 0 bis 10 addiert werden[6]. Ein Wert von 4 bis 6, die „Mischflora“, ist weder normal noch eine klare Vaginose: Ihre Ärztin bewertet ihn zusammen mit Beschwerden und Amsel-Kriterien.

PCR und Multiplex-Tests

Molekulare Tests (meist PCR) suchen das Erbgut von Vaginose-Bakterien und Laktobazillen; manche Panels prüfen Vaginose, Candida und Trichomonaden aus einem Abstrich[3]. In einer Studie mit 1.740 Frauen mit Beschwerden erkannte ein solches Panel 90,5 % der Vaginosen bei einer Spezifität von 85,8 %[7]. Sie sind nur bei Beschwerden sinnvoll[3].

Was keine Vaginose beweist

  • „Gardnerella nachgewiesen“ allein: Eine Gardnerella-Kultur ist nicht spezifisch und wird zur Diagnose nicht empfohlen[3].
  • Der Pap-Abstrich (Krebsvorsorge): Ein Hinweis auf Bakterien im zytologischen Befund ist für die Diagnose einer Vaginose nicht brauchbar[3].
  • Der Urinbefund: Bakterien im Urin, Epithelzellen oder der Urin-pH zeigen keine Vaginose an. Positives Nitrit spricht eher für eine Harnwegsinfektion.

Vor dem Abstrich 24 Stunden lang auf Tampons, Spülungen, Vaginalcremes oder -zäpfchen und vaginalen Sex verzichten, sofern nicht anders besprochen[4].

Welche Kontrollen sind nach der Behandlung nötig?

  • Keine Routinekontrolle: Wenn die Beschwerden verschwinden, ist kein Kontrolltermin nötig[3].
  • HIV und andere STI: Frauen mit Vaginose sollten auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen getestet werden[3]. Siehe unsere Ratgeber zum HIV-Test und zum STI-Test.
  • Wenn die Beschwerden wiederkommen: Ein neuer Abstrich bestätigt den Rückfall. Rückfälle sind häufig: In einer australischen Studie hatten 58 % der Frauen innerhalb von 12 Monaten erneut eine Vaginose[9].
  • In der Schwangerschaft: Ein Routinescreening aller Schwangeren ohne Beschwerden wird zur Vorbeugung einer Frühgeburt nicht empfohlen[3]. Der Abstrich am Ende der Schwangerschaft sucht ein anderes Bakterium, die B-Streptokokken.

Wie wird die bakterielle Vaginose behandelt?

Hier stehen keine Dosierungen: Die Behandlung wählt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

  • Verschreibungspflichtige Antibiotika bei Beschwerden[12]: Metronidazol (Tabletten oder Vaginalgel) oder Clindamycin (Vaginalcreme); Secnidazol und Tinidazol sind Alternativen[3].
  • Die Behandlung zu Ende führen und währenddessen auf Sex verzichten oder konsequent Kondome benutzen[3].
  • Ohne Beschwerden: Bei etwa einem Drittel heilt die Vaginose von selbst ab[12].
  • Häufige Rückfälle: Eine längere Erhaltungstherapie kann Rückfälle verringern, die Wirkung endet aber mit ihr[3]. Die deutschsprachige S2k-Leitlinie von 2023 behandelt auch die chronisch wiederkehrende Vaginose[11].

Was sich kürzlich geändert hat: den Partner mitbehandeln. Bisher gilt eine Mitbehandlung des Partners oder der Partnerin als nicht erforderlich[12][3]. 2025 zeigte eine randomisierte Studie bei monogamen Paaren, dass die zusätzliche Behandlung des Mannes die Rückfälle nach 12 Wochen von 63 % auf 35 % senkte[10]. Fragen Sie, ob das für Sie infrage kommt.

Wie beuge ich einer erneuten Vaginose vor?

  • Keine Scheidenspülungen oder Innenwaschungen; die Vulva nur mit Wasser waschen[2].
  • Kondome benutzen, vor allem mit neuen Partnern[1].
  • Notieren, wann die Beschwerden wiederkommen (nach der Periode, nach dem Sex, mit neuem Partner), um es in der Praxis anzusprechen.
  • Wiederholte „Pilzinfektionen“ nicht ohne Abstrich selbst behandeln: Vaginose und Scheidenpilz brauchen verschiedene Mittel.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Womit wurde meine Vaginose festgestellt: pH-Wert, Amsel-Kriterien, Nugent-Score oder PCR?
  2. Ist mein Nugent-Score eine Mischflora, und was bedeutet das?
  3. Sollte ich mich auch auf Chlamydien, Gonorrhö, Trichomonaden und HIV testen lassen?
  4. Muss mein Partner mitbehandelt werden?
  5. Was tue ich, wenn Geruch oder Ausfluss wiederkommen?
  6. Ändert die Vaginose etwas an meiner Schwangerschaft oder an einem geplanten Eingriff (Spirale, Ausschabung)?

Häufige Fragen

Kann eine bakterielle Vaginose ohne Antibiotika heilen?

Ja, bei etwa einem Drittel heilt sie von selbst ab[12]. Bei Beschwerden oder in der Schwangerschaft sollten Sie trotzdem in die Praxis gehen.

Was passiert, wenn man eine bakterielle Vaginose nicht behandelt?

Oft nichts Ernstes, doch das Risiko für HIV und andere STI steigt, und in der Schwangerschaft ist sie mit Frühgeburt verbunden[1][2].

Können Männer eine Vaginose bekommen?

Die Vaginose ist auf die Scheide bezogen, Männer „haben“ sie also nicht. Partner können aber die beteiligten Bakterien teilen – deshalb wurde 2025 die Behandlung des Mannes untersucht[10].

Reicht ein pH-Test aus der Apotheke?

Nein. Ein erhöhter pH-Wert passt zur Vaginose, aber auch zu anderen Ursachen; allein ermöglicht er keine Diagnose[4].

Verwandte Artikel

  1. Centers for Disease Control and Prevention. About bacterial vaginosis (BV). 11. Dezember 2023. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  2. Weltgesundheitsorganisation. Bacterial vaginosis. Faktenblatt, 21. November 2025. who.int (abgerufen am 6. November 2026)
  3. Centers for Disease Control and Prevention. Bacterial vaginosis. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  4. MedlinePlus. Bacterial vaginosis test. Aktualisiert am 2. September 2026. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  5. Amsel R, Totten PA, Spiegel CA, et al. Nonspecific vaginitis. Diagnostic criteria and microbial and epidemiologic associations. Am J Med. 1983;74(1):14-22. doi:10.1016/0002-9343(83)91112-9 (abgerufen am 6. November 2026)
  6. Nugent RP, Krohn MA, Hillier SL. Reliability of diagnosing bacterial vaginosis is improved by a standardized method of gram stain interpretation. J Clin Microbiol. 1991;29(2):297-301. doi:10.1128/jcm.29.2.297-301.1991 (abgerufen am 6. November 2026)
  7. Gaydos CA, Beqaj S, Schwebke JR, et al. Clinical validation of a test for the diagnosis of vaginitis. Obstet Gynecol. 2017;130(1):181-189. doi:10.1097/AOG.0000000000002090 (abgerufen am 6. November 2026)
  8. Peebles K, Velloza J, Balkus JE, et al. High global burden and costs of bacterial vaginosis: a systematic review and meta-analysis. Sex Transm Dis. 2019;46(5):304-311. doi:10.1097/OLQ.0000000000000972 (abgerufen am 6. November 2026)
  9. Bradshaw CS, Morton AN, Hocking J, et al. High recurrence rates of bacterial vaginosis over the course of 12 months after oral metronidazole therapy and factors associated with recurrence. J Infect Dis. 2006;193(11):1478-1486. doi:10.1086/503780 (abgerufen am 6. November 2026)
  10. Vodstrcil LA, Plummer EL, Fairley CK, et al. Male-partner treatment to prevent recurrence of bacterial vaginosis. N Engl J Med. 2025;392(10):947-957. doi:10.1056/NEJMoa2405404 (abgerufen am 6. November 2026)
  11. Farr A, Swidsinski S, Surbek D, et al. Bacterial vaginosis: guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-level, AWMF registry no. 015/028, June 2023). Geburtshilfe Frauenheilkd. 2023;83(11):1331-1349. doi:10.1055/a-2169-8539 (abgerufen am 6. November 2026)
  12. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Bakterielle Scheideninfektion (Vaginose). Stand 9. September 2022. gesund.bund.de (abgerufen am 6. November 2026)

Diese Seite dient der allgemeinen Information. Sie ersetzt nicht die ärztliche Beratung, bei der Ihr Abstrich-Befund zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilt wird.