Das Wichtigste

„Mykoplasmen“ auf einem Befund kann zwei Infektionen bedeuten, die nichts miteinander zu tun haben. Mycoplasma pneumoniae befällt die Atemwege: langsam stärker werdender Husten, manchmal eine atypische Lungenentzündung, vor allem bei Kindern. Mycoplasma genitalium ist eine sexuell übertragbare Infektion (STI), oft ohne Beschwerden und zunehmend schwer zu behandeln. Jede hat eigene Tests (Rachenabstrich, Antikörper im Blut, PCR aus Urin) und eigene Antibiotika.

Was sind Mykoplasmen, kurz erklärt?

  • Was es ist: sehr kleine Bakterien ohne Zellwand. Deshalb wirken Antibiotika aus der Penicillin-Familie (Betalaktame wie Amoxicillin) nicht[3].
  • Mycoplasma pneumoniae: wird durch Husten und Niesen übertragen; verursacht Bronchitis, Halsschmerzen und Lungenentzündung[1]. Bei Kindern ist es der häufigste bakterielle Erreger einer Lungenentzündung mit Klinikaufenthalt, bei Erwachsenen der zweithäufigste[1].
  • Mycoplasma genitalium: eine STI der Harnröhre, des Gebärmutterhalses oder des Enddarms, oft unbemerkt[9].
  • Wichtigste Tests: PCR aus Rachen- und Nasenabstrich bei Atemwegsinfektion[2][4]; PCR aus Urin oder Genitalabstrich mit Resistenztest bei M. genitalium[10][11].
  • Nicht verwechseln mit: Chlamydien oder Gonorrhö (Tripper), anderen Bakterien mit anderen Tests.

Welche Symptome treten bei einer Lungenentzündung durch Mykoplasmen auf?

Die Beschwerden beginnen 1 bis 4 Wochen nach der Ansteckung und können mehrere Wochen anhalten; manche Menschen merken nichts[1]. Diese lange Inkubationszeit erklärt, warum sich Ausbrüche langsam in Schulen und Familien ausbreiten[6].

  • Häufig Eine „Bronchitis“: Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und ein Husten, der langsam schlimmer wird[1]. Der Husten ist meist trocken[7].
  • Häufig Bei Kindern unter 5 Jahren: laufende oder verstopfte Nase, Niesen, pfeifende Atmung, tränende Augen, Erbrechen oder Durchfall statt einer klaren Lungenentzündung[1].
  • Möglich Lungenentzündung: Husten, Fieber mit Schüttelfrost, Atemnot[1]. Sie verläuft oft so mild, dass Betroffene weiter ihren Alltag machen; im Englischen heißt das „walking pneumonia“[1].
  • Selten Komplikationen: Asthmaanfälle, Gehirnentzündung, hämolytische Anämie, Nierenprobleme, schwere Lungenentzündung oder ein blasiger Ausschlag an Mund und Haut[1].

Ohne Antibiotika können Husten und Schwäche bei Erwachsenen bis zu einem Monat anhalten[7].

Welche Symptome macht Mycoplasma genitalium?

Viele Menschen haben keine Beschwerden und können die Infektion trotzdem weitergeben[9].

  • Häufig Männer: Ausfluss aus dem Penis und Brennen beim Wasserlassen (Harnröhrenentzündung)[9]. M. genitalium verursacht etwa 15 bis 20 % der nicht durch Gonokokken bedingten Harnröhrenentzündungen und rund 40 % der anhaltenden oder wiederkehrenden[10].
  • Häufig Frauen: Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen[9]; nachweisbar bei 10 bis 30 % der Gebärmutterhalsentzündungen[10].
  • Möglich Unterbauchschmerzen oder Schmerzen beim Sex als Zeichen einer Entzündung im kleinen Becken (PID)[11].
  • Selten Spätfolgen bei Frauen: vernarbte Eileiter, Eileiterschwangerschaft, Unfruchtbarkeit, chronische Beckenschmerzen; möglicher Zusammenhang mit Frühgeburt[9].

Wann sollte ich mit Mykoplasmen zum Arzt?

Wann zum Arzt

  • Notfall: 112 anrufen bei Atemnot, bläulichen Lippen, Verwirrtheit oder einem sehr schläfrigen oder schnell atmenden Kind. Jede Atemnot muss sofort ärztlich beurteilt werden[1].
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden (außerhalb der Sprechzeiten: 116 117) bei zunehmendem Husten oder pfeifender Atmung, anhaltendem Fieber oder bei Menschen mit Asthma oder geschwächter Abwehr[1]; ebenso bei starken Unterbauchschmerzen mit Fieber nach Sex, möglicherweise einer PID[10].
  • Beim nächsten Termin, wenn Brennen oder Ausfluss nach Behandlung einer STI wiederkommen oder Ihr Partner M. genitalium hat[9][10].

Wie bekommt man eine Mykoplasmen-Infektion, und wer ist gefährdet?

Die beiden Infektionen teilen nur die Bakterienfamilie: M. genitalium bekommt man nicht durch Husten, M. pneumoniae nicht durch Sex.

  • Häufig M. pneumoniae wird über Tröpfchen beim Husten und Niesen übertragen[1]. Betroffen sind vor allem Schulkinder und jüngere Kinder[2] sowie Orte, an denen viele Menschen eng zusammenleben[7].
  • Häufig Wellen alle paar Jahre: Anstiege treten etwa alle 4 Jahre auf[2]. Nach dem Ende der COVID-19-Maßnahmen begann Ende 2023 eine weltweite Welle, in vielen Ländern gleichzeitig; Todesfälle blieben selten[6].
  • Möglich M. genitalium wird beim Vaginal- oder Analverkehr übertragen, auch von Partnern ohne Beschwerden; die Rolle von Oralsex wird noch untersucht[9].
  • Selten Schwere Verläufe durch M. pneumoniae sind ungewöhnlich[2]; sie betreffen eher ältere und abwehrgeschwächte Menschen[7].

Wie kann man auf Mykoplasmen testen, und wie lese ich den Befund?

Der richtige Test hängt davon ab, welche Mykoplasmen vermutet werden. Ein „Mykoplasmen-Test“ ohne genaue Angabe sorgt oft für Verwirrung.

Mykoplasmen-Tests und was sie aussagen
TestMaterialBedeutung eines positiven ErgebnissesWichtigste Grenze
Mycoplasma-pneumoniae-PCR, oft in einem Atemwegs-PanelRachen- und NasenabstrichErbgut des Bakteriums gefunden: der bevorzugte Test, schnell genug für die Therapieentscheidung[4]Kann monatelang positiv bleiben; auch bei Kindern ohne Beschwerden nachweisbar[5]
Antikörper gegen M. pneumoniae (IgM, IgG), auch als „Schnelltest“BlutFrische oder frühere InfektionWenig spezifisch; ein einzelnes IgM ist unzuverlässig, besonders bei Erwachsenen; IgM kann lange bestehen bleiben[4][5]
KälteagglutinineBlutAntikörper, die rote Blutkörperchen in der Kälte verklumpen; normal bis zu einem Titer von 1:16[8]Nur bei etwa der Hälfte der schwereren Fälle positiv, auch bei anderen Krankheiten[5][8]
Nukleinsäuretest (NAT/PCR) auf M. genitaliumUrin oder Vaginal-, Zervix-, HarnröhrenabstrichEine aktive STI[10]Kein Screening bei Menschen ohne Beschwerden[10][11]
Makrolid-ResistenztestDieselbe Probe„Mutation nachgewiesen“: Azithromycin wird wahrscheinlich versagen[10][11]Nach europäischer Leitlinie fester Bestandteil der Diagnostik[11]
Fiktives Beispiel eines Laborbefunds (Format in Deutschland)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichKennzeichen
Mycoplasma pneumoniae-DNA (PCR, Nasopharynxabstrich)positivnegativ+
Mycoplasma pneumoniae-IgM-Akpositivnegativ+
Mycoplasma pneumoniae-IgG-Aknegativnegativ
Kälteagglutinine (Titer)1:64≤ 1:16↑
Mycoplasma genitalium-DNA (Urin)nicht nachgewiesennicht nachgewiesen
  1. PCR positiv: bei einem Kind mit zunehmendem Husten spricht das für M. pneumoniae. Bei jemandem ohne Beschwerden kann es eine Besiedlung oder ein Rest der Infektion sein[5].
  2. IgM positiv, IgG negativ: passt zu einer frischen Infektion, aber ein IgM allein beweist es nicht. Eine zweite Blutprobe frühestens 2 Wochen später mit steigenden Antikörpern ist aussagekräftiger[5].
  3. Kälteagglutinine 1:64 (↑): über der üblichen Grenze von 1:16; das stützt das Bild, aber auch andere Erkrankungen erhöhen sie[8].
  4. M. genitalium nicht nachgewiesen: ein anderer Test für eine andere Infektion. Die Ergebnisse beeinflussen sich nicht.
  5. „+“ oder „↑“ kennzeichnen Werte außerhalb des Referenzbereichs; maßgeblich sind die Werte Ihres Labors.

Ein Mykoplasmen-Ergebnis kommt selten allein: daneben stehen Blutbild, CRP oder Urinbefund. BloodSense liest Ihren Befund Zeile für Zeile und erklärt verständlich, was zusammenpasst und was Sie Ihren Arzt fragen sollten.

Meinen Befund erklären lassen

Andere Werte zeigen eher die Schwere als die Ursache: das große Blutbild, das CRP, manchmal das Procalcitonin und das Röntgenbild der Lunge[7]. Bei Verdacht auf hämolytische Anämie kann ein Coombs-Test hinzukommen. Bei Genitalbeschwerden wird meist gleichzeitig auf Chlamydien und Gonokokken getestet: siehe welche STI-Tests sinnvoll sind.

Viele Labore bieten außerdem „Mycoplasma hominis / Ureaplasma“ an: das sind andere Bakterien, die oft ohne Krankheit im Genitalbereich vorkommen; die Regeln für M. genitalium gelten für sie nicht automatisch.

Wie lange kann man Mykoplasmen haben, und sind Kontrollen nötig?

  • M. pneumoniae: nach der Genesung ist keine neue PCR nötig, denn das Bakterium kann bis zu 4 Monate ohne Krankheit nachweisbar bleiben[5]. Ein Kind, dem es unter Behandlung nicht besser geht, sollte erneut vorgestellt werden: ein anderes Antibiotikum kommt in Frage[3].
  • M. genitalium: gehen Sie erneut zum Arzt, wenn die Beschwerden einige Tage nach der Behandlung anhalten, denn resistente Stämme nehmen zu[9]. Ein Kontrolltest ist nach empfohlener Therapie ohne Beschwerden nicht routinemäßig nötig[10].
  • Partner: Sexualpartner von Menschen mit Beschwerden sollten getestet und bei positivem Ergebnis behandelt werden[10].

Wie werden Mykoplasmen behandelt?

Mycoplasma pneumoniae. Die meisten leichten Infektionen heilen von selbst[1]. Eine Lungenentzündung wird meist mit Antibiotika behandelt: Makrolide (etwa Azithromycin) bei Kindern und Erwachsenen, Tetrazykline (etwa Doxycyclin) bei älteren Kindern und Erwachsenen, Fluorchinolone bei Erwachsenen[3]. In einer weltweiten Studie lag die Makrolidresistenz in Europa bei etwa 2 %, in Asien bei 71 %[6]. Bessert sich der Zustand unter einem Makrolid nicht, erwägt der Arzt ein anderes Mittel wie Doxycyclin[3].

Mycoplasma genitalium. Makrolid-Resistenzmarker finden sich bei 44 bis 90 % der Infektionen in Nordamerika, Westeuropa und Australien[10]. Deshalb richtet sich die Therapie nach dem Resistenztest[11]: Azithromycin heilt 85 bis 95 % der empfindlichen Infektionen, Doxycyclin allein nur 30 bis 40 %, Moxifloxacin ist Mittel der zweiten Wahl[11]. Dosis und Dauer legt die verordnende Ärztin oder der Arzt fest.

Wie kann man Mykoplasmen vorbeugen?

  • Häufig Hände waschen, in die Armbeuge husten und niesen[1].
  • Bei Asthma während der Infektion auf Anfälle achten, eine bekannte Komplikation[1].
  • Kondome bei jedem Sex richtig verwenden: das senkt das Risiko für M. genitalium[9].
  • Die Behandlung vollständig einnehmen und Partner testen lassen: eine erneute Ansteckung ist möglich[9].

Fragen an Ihren Arzt

  1. Auf welche Mykoplasmen wurde getestet: pneumoniae, genitalium oder andere?
  2. Stammt das Ergebnis aus einer PCR oder aus Antikörpern, und beweist es eine aktuelle Infektion?
  3. Brauche ich ein Antibiotikum, oder heilt es von selbst?
  4. Wurde auf Makrolidresistenz getestet, und welche Behandlung folgt daraus?
  5. Sollten mein Partner oder meine Familie getestet werden?

Häufige Fragen

Sind Mykoplasmen gefährlich?

Meist nicht: die Atemwegsinfektion verläuft in der Regel mild, schwere Komplikationen sind selten[2]. M. genitalium kann bei Frauen unbehandelt die Fruchtbarkeit gefährden[9].

Was bringt ein Mykoplasmen-Schnelltest?

Ein Antikörper-Schnelltest zeigt nur, ob IgM-Antikörper vorhanden sind. Ein einzelnes IgM ist besonders bei Erwachsenen unzuverlässig und kann lange bestehen bleiben[5]; die PCR ist der bevorzugte Nachweis[4].

Warum hat Amoxicillin bei meinem Husten nicht gewirkt?

Mykoplasmen haben keine Zellwand, das Angriffsziel der Penicilline. Sind Mykoplasmen die Ursache, wechselt der Arzt auf ein Makrolid oder Doxycyclin[3].

Ist eine Mykoplasmen-Pneumonie dasselbe wie eine atypische Lungenentzündung?

Fast. Atypisch nennt man Lungenentzündungen durch Erreger wie Mycoplasma pneumoniae, die oft milder verlaufen. Auch andere Keime können sie auslösen: mehr in unserem Ratgeber zur Lungenentzündung.

Wie lange ist man ansteckend?

Solange man hustet, kann man die Bakterien weitergeben; wegen der Inkubationszeit von 1 bis 4 Wochen erkranken Kontaktpersonen oft erst Wochen später[1].

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Quellen

  1. Centers for Disease Control and Prevention. About Mycoplasma pneumoniae infection. 18. Mai 2026. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  2. Centers for Disease Control and Prevention. Clinical overview of Mycoplasma pneumoniae infection. 18. Mai 2026. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  3. Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of Mycoplasma pneumoniae infection. 18. Mai 2026. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  4. Centers for Disease Control and Prevention. Laboratory testing for Mycoplasma pneumoniae. 18. Mai 2026. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  5. Waites KB, Xiao L, Liu Y, Balish MF, Atkinson TP. Mycoplasma pneumoniae from the respiratory tract and beyond. Clin Microbiol Rev. 2017;30(3):747-809. doi:10.1128/CMR.00114-16 (abgerufen am 6. November 2026)
  6. Meyer Sauteur PM, Zhang XS, Emborg HD, Sidorov S, et al. Global spatiotemporal dynamics of Mycoplasma pneumoniae re-emergence after COVID-19 pandemic restrictions. Lancet Microbe. 2025;6(4):101019. doi:10.1016/j.lanmic.2024.101019 (abgerufen am 6. November 2026)
  7. MedlinePlus. Pneumonia - mycoplasma. Überprüft am 19. August 2024. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  8. MedlinePlus. Febrile/cold agglutinins. Überprüft am 27. April 2026. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  9. Centers for Disease Control and Prevention. About Mycoplasma genitalium. 31. Januar 2025. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  10. Centers for Disease Control and Prevention. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021: Mycoplasma genitalium. cdc.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  11. Jensen JS, Cusini M, Gomberg M, Moi H, Wilson J, Unemo M. 2021 European guideline on the management of Mycoplasma genitalium infections. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022;36(5):641-650. doi:10.1111/jdv.17972 (abgerufen am 6. November 2026)
  12. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). STI-Tests. liebesleben.de. liebesleben.de (abgerufen am 6. November 2026)

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