Das Wichtigste

Die Bestimmung der Immunglobuline im Blut misst Ihre wichtigsten Antikörper, IgG, IgA und IgM, manchmal zusammen mit dem Gesamt-IgE. Entscheidend ist das Gesamtbild: Mehrere erniedrigte Werte sprechen für einen Antikörpermangel, meist ausgelöst durch ein Medikament oder eine andere Erkrankung. Ist dagegen ein einziger Wert stark erhöht und die anderen erniedrigt, folgt eine Eiweißelektrophorese. Ein einzelner, leicht auffälliger Wert wird oft einfach kontrolliert.

In Ihrem Laborbefund stehen drei oder vier Zeilen, die mit „Ig“ beginnen, und eine oder zwei davon sind markiert. Immunglobuline sind die Antikörper, die Plasmazellen bilden, eine Gruppe der weißen Blutkörperchen. Werden sie zusammen gemessen, zeigt das, wie gut Ihr Körper Antikörper herstellt[1]. Dieser Ratgeber liest das Immunglobulin-Profil als Ganzes: was jede Zeile bedeutet, welche Kombinationen zählen und wie es danach weitergeht. Jeder Antikörper hat außerdem eine eigene ausführliche Seite, angefangen mit unserem Ratgeber zum IgG-Bluttest, dem häufigsten Antikörper.

Wie sieht ein Laborbefund mit Immunglobulinen aus?

Deutsche Labore geben IgG, IgA und IgM meist in Gramm pro Liter (g/l) an, manche in mg/dl. Das Gesamt-IgE wird oft getrennt angefordert, etwa bei Verdacht auf eine Allergie, und in kU/l oder IU/ml angegeben. Das folgende Beispiel zeigt eine Konstellation, die häufig zu einem Kontrolltermin führt.

Fiktives Beispiel eines Befunds der Immunglobuline (Format in Deutschland)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
Immunglobulin G (IgG), Serum5,40 g/l7,00 – 16,00− ↓
Immunglobulin A (IgA), Serum0,62 g/l1,00 – 5,00− ↓
Immunglobulin M (IgM), Serum0,85 g/l0,40 – 2,30
IgE gesamt45 kU/l< 214
  1. IgG, erniedrigt: der wichtigste Antikörper im Blut, zuständig für den langfristigen Schutz. Ein Wert unter dem Referenzbereich ist hier der zentrale Befund.
  2. IgA, erniedrigt: der Antikörper, der die Schleimhäute von Atemwegen und Darm schützt. Zusammen mit dem niedrigen IgG macht er einen echten Antikörpermangel wahrscheinlicher als einen Messfehler.
  3. IgM, normal: die ersten Antikörper gegen einen neuen Erreger. Ein normales IgM hebt die beiden anderen Befunde nicht auf.
  4. Gesamt-IgE, normal: hängt mit Allergien und Parasiten zusammen. Es gehört nicht zu jedem Profil und sagt wenig über die allgemeine Abwehr.
  5. Referenzbereiche: die Werte für IgG, IgA und IgM sind typische Erwachsenenwerte[2], die IgE-Grenze stammt von einem Referenzlabor[3]. Für Kinder gelten altersabhängige Bereiche: Maßgeblich sind immer die Werte Ihres Labors.

Sie haben einen Befund mit Immunglobulinen, ein oder zwei Markierungen und weitere Werte auf demselben Blatt? BloodSense liest den ganzen Befund Zeile für Zeile mit Ihnen und hilft Ihnen, die Fragen für Ihren nächsten Arzttermin vorzubereiten.

Meine Immunglobuline erklären lassen

IgG, IgA, IgM und IgE: Was sagt jeder Wert aus?

Die vier Antikörper haben unterschiedliche Aufgaben. Dieselbe Markierung bedeutet deshalb nicht in jeder Zeile dasselbe. Die Tabelle nennt typische Erwachsenenwerte und verweist auf den ausführlichen Ratgeber zu jedem Wert.

Immunglobulin-Profil: Aufgabe jedes Antikörpers, typische Erwachsenenwerte und ausführlicher Ratgeber
AntikörperHauptaufgabeTypische Werte bei ErwachsenenRatgeber
IgGHäufigster Antikörper im Blut; langfristiger Schutz nach Infektion oder Impfung7,0–16,0 g/l (700–1600 mg/dl)[2]IgG-Werte
IgASchützt Atemwege, Darm, Speichel, Tränen und Muttermilch[1]1,0–5,0 g/l (103–501 mg/dl)[2]IgA-Bluttest
IgMErste Antikörper gegen einen neuen Erreger0,40–2,3 g/l (40–230 mg/dl)[2]IgM-Werte
Gesamt-IgEAllergien und Abwehr von Parasitenbis 214 kU/l[3]IgE-Wert

Umrechnung: mg/dl geteilt durch 100 ergibt g/l (540 mg/dl = 5,4 g/l). Beim Gesamt-IgE bezeichnen kU/l und IU/ml denselben Wert.

Wie liest man die Kombination aus IgG, IgA und IgM?

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt vergleicht die Werte miteinander und mit Ihren Beschwerden. Die Bestimmung der Immunglobuline allein stellt keine Diagnose; ein auffälliges Ergebnis führt oft zu weiteren Untersuchungen[1].

Häufige Konstellationen der Immunglobuline und was sie meist bedeuten
KonstellationWas sie oft bedeutetÜblicher nächster Schritt
Alle Werte im ReferenzbereichNormale Antikörperbildung für das AlterNichts, außer bei immer wiederkehrenden Infekten
IgG erniedrigt, dazu IgA und/oder IgM erniedrigtAntikörpermangel (Hypogammaglobulinämie), meist sekundär durch ein Medikament, eine Blutkrebserkrankung oder Eiweißverlust[4]; selten angeboren wie das CVID[5]Kontrolle, Ursachensuche, Impfantwort prüfen
IgA sehr niedrig oder nicht nachweisbar, IgG und IgM normalSelektiver IgA-Mangel, der häufigste angeborene Immundefekt, oft ohne Beschwerden[6][7]In der Krankenakte vermerken, vor allem vor einer Transfusion
Mehrere Werte gleichzeitig erhöht (polyklonal)Stark gefordertes Immunsystem: chronische Infektion, Autoimmunerkrankung, Hepatitis oder Zirrhose[1]Ursache suchen; die Elektrophorese zeigt eine breite Gammafraktion
Ein Wert stark erhöht, die anderen erniedrigtMöglicher monoklonaler Antikörper aus einem einzigen Plasmazellklon: MGUS, Myelom, Lymphom oder Morbus Waldenström[1][9]Eiweißelektrophorese und Immunfixation
Nur IgM erhöhtFrische Infektion, etwa Pfeiffersches Drüsenfieber; seltener Lymphom oder Morbus Waldenström[2]Nach der Infektion kontrollieren, bei Persistenz weiter abklären
Nur IgE erhöhtAllergie, Neurodermitis, Asthma oder ParasitenSiehe Ratgeber zum IgE-Wert; ggf. Allergietests

Immunglobuline zu niedrig: Welche Ursachen gibt es?

Zu wenige Antikörper führen zu häufigeren Infekten, vor allem wiederkehrenden Nasennebenhöhlen-, Ohr-, Bronchial- oder Darminfekten, manchmal immer mit demselben Erreger[1]. Im Laufe des Lebens erworbene Ursachen sind viel häufiger als angeborene[4]:

  • Häufig Medikamente: Immunsuppressiva und Therapien, die sich gegen B-Zellen richten, also gegen die Zellen, aus denen die Antikörperfabriken entstehen[4]. Setzen Sie eine Behandlung nie eigenmächtig ab.
  • Häufig Blutkrebserkrankungen und ihre Behandlung: die chronische lymphatische Leukämie und das multiple Myelom senken oft die normalen Antikörper[4].
  • Möglich Eiweißverlust oder Eiweißmangel: Nierenerkrankung, schwere Verbrennungen, gestörte Aufnahme im Darm oder Mangelernährung[1]. Ein niedriges Gesamteiweiß oder Albumin auf demselben Befund stützt diese Erklärung.
  • Möglich Selektiver IgA-Mangel: viele Betroffene haben keine Beschwerden, andere mehr Atemwegs- und Darminfekte, Allergien oder Autoimmunerkrankungen[6][7]. Er verändert auch die Auswertung von Zöliakie-Tests, wie unser IgA-Ratgeber erklärt.
  • Selten Variables Immundefektsyndrom (CVID): IgG und IgA erniedrigt, manchmal auch IgM, mit schlechtem Impfschutz; betroffen ist etwa 1 von 25.000 bis 50.000 Menschen[5].

Bei erniedrigtem IgG ergänzt die Ärztin oder der Arzt oft ein großes Blutbild mit den Lymphozyten, sucht nach Eiweißverlust über Niere oder Darm und prüft die Antwort auf frühere Impfungen[5]. Bei vollständigem IgA-Mangel kann der Körper Antikörper gegen IgA bilden, die zu schweren Reaktionen auf Blutprodukte führen können; das gehört in die Krankenakte[6].

Immunglobuline zu hoch: polyklonal oder monoklonal?

Ein Anstieg der Antikörper kann zwei sehr unterschiedliche Formen haben, die die Elektrophorese unterscheidet[8]:

  • Häufig Polyklonaler Anstieg: viele Plasmazellfamilien bilden gleichzeitig mehr Antikörper. IgG, IgA und IgM steigen gemeinsam, die Gammafraktion ist breit. Ursachen sind chronische Infektionen (zum Beispiel HIV oder Hepatitis), Leberzirrhose, rheumatoide Arthritis und Lupus[1][2].
  • Möglich Monoklonaler Anstieg: ein einziger Plasmazellklon bildet einen identischen Antikörper. Typisch ist ein stark erhöhtes Immunglobulin, während die anderen absinken[1][9]. Meist steckt eine MGUS (monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz) dahinter, die bei 3,2 % der Menschen ab 50 Jahren vorkommt[10] und laut deutschsprachiger Leitlinie regelmäßig kontrolliert wird[11].
  • Selten Blutkrebs: multiples Myelom, Lymphom oder Morbus Waldenström; die Diagnose stützt sich auf weitere Untersuchungen, nie auf dieses Profil allein[1].

Besteht der Verdacht auf einen monoklonalen Antikörper, folgen meist eine Eiweißelektrophorese, eine Immunfixation, die den Antikörpertyp benennt, und die Bestimmung der Leichtketten mit dem Kappa-Lambda-Verhältnis[8][9]. Unsere Seite zu den Gammaglobulinen erklärt die Fraktion, in der diese Antikörper erscheinen.

Muss man sich auf die Immunglobulin-Bestimmung vorbereiten?

Es ist eine gewöhnliche Blutabnahme aus der Vene, eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig[1]. Verlangen andere Werte auf derselben Anforderung, dass Sie nüchtern sind, halten Sie sich daran; mehr dazu in unserem Ratgeber zur nüchternen Blutabnahme. Notieren Sie vor dem Termin:

  • Alle Medikamente, denn manche verändern die Ergebnisse; setzen Sie keines ohne Rücksprache ab[1].
  • Einen Infekt in den letzten Wochen, der IgM oder IgG vorübergehend erhöhen kann[2].
  • Wie viele und welche Infekte Sie in diesem Jahr hatten, denn wiederkehrende Infekte sind der häufigste Grund für diese Untersuchung[1].
  • Frühere Immunglobulin-Werte, damit der Verlauf verglichen werden kann.

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen bei hohem Fieber mit Verwirrtheit, Atemnot, Nackensteifigkeit oder rasch größer werdenden Hautflecken, besonders wenn Sie wissen, dass Ihre Antikörper niedrig sind.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei anhaltendem Fieber, einem neuen Lungen- oder Nebenhöhleninfekt mit niedrigem IgG oder bei Knochenschmerzen, starker Erschöpfung oder Gewichtsverlust mit einem stark erhöhten Immunglobulin. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Termin bei einem leicht auffälligen Wert ohne Beschwerden, einem mäßigen Anstieg mehrerer Immunglobuline oder einem isoliert niedrigen IgA: Das wird besprochen und kontrolliert.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Bilden meine erhöhten oder erniedrigten Werte ein Muster, oder ist es ein Einzelbefund?
  2. Kann eines meiner Medikamente oder eine andere Erkrankung die Werte erklären?
  3. Soll die Untersuchung wiederholt werden, und wann?
  4. Brauche ich eine Prüfung der Impfantwort, eine Elektrophorese oder eine Überweisung zur Immunologie oder Hämatologie?
  5. Soll ein IgA-Mangel vor einer möglichen Transfusion in meiner Akte stehen?

Häufige Fragen

Ist das dasselbe wie ein Antikörpertest auf eine Infektion?

Nein. Das Profil misst die Gesamtmenge jeder Antikörperklasse. Ein Test auf eine bestimmte Infektion, etwa IgG und IgM gegen ein Virus, sucht nur die Antikörper gegen diesen Erreger, wie bei der TORCH-Serologie in der Schwangerschaft.

Haben Kinder niedrigere Immunglobuline?

Ja. Babys profitieren zunächst teilweise von Antikörpern der Mutter und bauen ihre eigenen über Jahre auf; Labore nutzen deshalb altersabhängige Bereiche. Beim Gesamt-IgE verwendet ein Referenzlabor zum Beispiel bis 97 kU/l im Alter von 1 bis 2 Jahren und bis 307 kU/l mit 4 bis 6 Jahren[3].

Muss ein auffälliger Wert immer behandelt werden?

Nein. Auffällige Immunglobuline bedeuten nicht immer eine behandlungsbedürftige Krankheit, und manche Medikamente verändern die Ergebnisse[1]. Oft reicht es, die Ursache anzugehen, etwa ein Medikament oder einen Eiweißverlust; eine Antikörpergabe ist nachgewiesenen Mangelzuständen mit häufigen Infekten vorbehalten.

Was ist der Unterschied zur Eiweißelektrophorese?

Die Immunglobulin-Bestimmung liefert eine genaue Menge jeder Antikörperklasse. Die Elektrophorese zeigt die Form aller Bluteiweiße, darunter die Gammafraktion mit den Antikörpern, und kann einen schmalen Gipfel sichtbar machen[8]. Beide werden oft zusammen angefordert.

Verwandte Untersuchungen

Quellen

  1. MedlinePlus. Immunoglobulins blood test. National Library of Medicine (USA). medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  2. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Quantitative nephelometry (IgG, IgM, IgA). medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  3. ARUP Laboratories. Immunoglobulin E (Test 0050345): Referenzbereiche nach Alter und Bearbeitungszeit. aruplab.com (abgerufen am 6. November 2026)
  4. Patel SY, Carbone J, Jolles S. The expanding field of secondary antibody deficiency: causes, diagnosis, and management. Front Immunol. 2019;10:33. doi:10.3389/fimmu.2019.00033 (abgerufen am 6. November 2026)
  5. MedlinePlus Genetics. Common variable immune deficiency. National Library of Medicine (USA). medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  6. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Selective deficiency of IgA. medlineplus.gov (abgerufen am 6. November 2026)
  7. Yel L. Selective IgA deficiency. J Clin Immunol. 2010;30(1):10-16. doi:10.1007/s10875-009-9357-x (abgerufen am 6. November 2026)
  8. O'Connell TX, Horita TJ, Kasravi B. Understanding and interpreting serum protein electrophoresis. Am Fam Physician. 2005;71(1):105-112. aafp.org (PubMed 15663032, abgerufen am 6. November 2026)
  9. American Cancer Society. Tests to find multiple myeloma. cancer.org (abgerufen am 6. November 2026)
  10. Kyle RA, Therneau TM, Rajkumar SV, et al. Prevalence of monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med. 2006;354(13):1362-1369. doi:10.1056/NEJMoa054494 (abgerufen am 6. November 2026)
  11. DGHO, ÖGHO, SGH-SSH, SGMO. Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Onkopedia-Leitlinie. onkopedia.com (abgerufen am 6. November 2026)

Dieser Artikel bietet allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Auffällige Immunglobuline sollten von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zusammen mit Ihren Beschwerden, Medikamenten und weiteren Werten beurteilt werden.