Das Wichtigste in Kürze

Zu hoher Blutzucker macht durstig, lässt Sie oft zur Toilette müssen und macht müde und das Sehen unscharf. Zu niedriger Blutzucker (Unterzucker) verursacht Zittern, Schwitzen, Heißhunger und Verwirrtheit. Unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) spricht man von Unterzucker; Verwirrtheit und Krampfanfälle sind unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) wahrscheinlicher. Welches von beidem vorliegt, zeigen Messgerät oder Labor, Beschwerden allein können täuschen. Sehr hoher Zucker mit Fruchtgeruch des Atems, Erbrechen oder schneller Atmung oder Unterzucker mit Benommenheit oder Krampfanfall ist ein Notfall: 112.

Welche Symptome hat ein zu hoher Blutzucker (Überzucker)?

Ein zu hoher Blutzucker (Hyperglykämie) ist eine häufige Folge eines nicht gut eingestellten Diabetes. Auf Dauer schädigt er Nerven und Blutgefäße[6]. Die Beschwerden können plötzlich auftreten oder bei Typ-2-Diabetes erst nach Jahren auffallen[3][6].

  • Durst und Wasserlassen: häufiges Wasserlassen, starker Durst und gesteigerter Hunger[3][4].
  • Allgemein: ungewöhnliche Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen[3][4]. Das deutsche Portal Gesundheitsinformation.de nennt außerdem Übelkeit und Schwindel[8].
  • Augen: verschwommenes Sehen[3][4][6].
  • Haut und Infekte: schlecht heilende Schnitte oder Wunden sowie wiederkehrende Harnwegs-, Haut- oder Pilzinfektionen[3][4].
  • Nerven: Taubheit oder Kribbeln in Händen oder Füßen und bei Typ-2-Diabetes dunkle Hautflecken an Nacken, Achseln oder Leiste[3].

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben keinerlei Beschwerden. Nur ein Bluttest schafft deshalb Gewissheit[3][8].

Welche Symptome hat Unterzucker (Hypoglykämie)?

Bei vielen Menschen mit Diabetes gilt ein Wert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) als zu niedrig[1][2][7]. Manche deutschen Patienteninformationen nennen 60 mg/dl (3,3 mmol/l)[8]. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann für Sie einen anderen Wert festlegen[2]. Die Beschwerden setzen oft schnell ein[2], können aber auch erst bei tieferen Werten auftreten[7].

  • Leicht bis mäßig: Zittern, Heißhunger, Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit, Reizbarkeit, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, Kopfschmerzen sowie Seh- und Sprachstörungen[2]. Hinzu kommen oft kalter Schweiß und Blässe[7][8].
  • Schwer: Das Gehirn arbeitet nicht mehr richtig, bis hin zu Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall[2]. Verwirrtheit und Krampfanfälle sind unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) wahrscheinlicher[1].
  • Im Schlaf: Schreien, Albträume, durchgeschwitzte Bettwäsche oder Aufwachen mit Müdigkeit, Reizbarkeit oder Verwirrtheit[2][8].

Wann sollte ich zum Arzt?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen, wenn ein Mensch mit Unterzucker nicht aufzuwecken ist, weniger wach wird, einen Krampfanfall hat oder sich nach einem zuckerhaltigen Snack nicht bessert[1][2][7]. Auch bei hohem Blutzucker mit Fruchtgeruch des Atems, Übelkeit und Erbrechen, Atemnot, Bauchschmerzen oder Ohnmacht rufen Sie an: Das sind Zeichen einer diabetischen Ketoazidose, eines medizinischen Notfalls[4][5].
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei wiederholt hohen Werten mit Durst, häufigem Wasserlassen und Gewichtsverlust, bei wiederholtem Unterzucker oder bei Ketonen in Urin oder Blut, wenn Sie Diabetes haben[5][8]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Arzttermin bei verschwommenem Sehen, schlecht heilenden Wunden, wiederkehrenden Infekten, Taubheit oder Kribbeln oder bei jedem Anzeichen von zu hohem Blutzucker, auch wenn es mild ist[3][4].

Woher kommen zu hoher oder zu niedriger Blutzucker?

  • Häufig Zu hoch: ein nicht erkannter oder nicht gut eingestellter Diabetes. Ohne genug Insulin sammelt sich Glukose im Blut an[1][6].
  • Häufig Zu niedrig, bei Menschen mit Diabetes: Insulin oder Tabletten, die die Bauchspeicheldrüse zur Insulinabgabe anregen (Sulfonylharnstoffe und Glinide), ausgelassene oder verschobene Mahlzeiten, zu wenige Kohlenhydrate, Fasten unter blutzuckersenkenden Medikamenten, zusätzliche Bewegung (sie kann den Blutzucker bis zu 24 Stunden senken), Alkohol ohne ausreichend Essen und Krankheiten, die den Appetit mindern[2][7].
  • Möglich Zu niedrig, bei Menschen ohne Diabetes: Alkohol, Hormonmangel, schweres Herz-, Nieren- oder Leberversagen, Sepsis, manche Operationen zur Gewichtsabnahme und bestimmte Medikamente[1].
  • Selten Zu niedrig: ein insulinbildender Tumor der Bauchspeicheldrüse (Insulinom)[1].

Welche Untersuchungen zeigen, ob mein Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist?

Die Zahl liefern ein Blutzuckermessgerät, ein Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung oder ein Bluttest. Hier ein fiktiver Befund für eine Person mit Beschwerden eines zu hohen Blutzuckers.

Fiktives Beispiel einer Laborbefundzeile (deutsches Format)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichMarkierung
Glukose (nüchtern)172 mg/dl70-99 mg/dlH
HbA1c8,1 % (65 mmol/mol)unter 5,7 % (unter 39 mmol/mol)H
Glukose im UrinpositivnegativPOS
Ketone im Urinnegativnegativ-
  1. Nüchternglukose: der Blutzucker nach mehreren Stunden ohne Essen. Die Bereiche sind typische Beispiele: Maßgeblich ist der Referenzbereich Ihres Labors.
  2. HbA1c: zeigt den Durchschnitt der letzten etwa drei Monate, nicht den Wert in diesem Moment. Deutsche Labore geben ihn in % und in mmol/mol an.
  3. Glukose und Ketone im Urin: Glukose im Urin passt zu hohem Blutzucker. Sind Ketone vorhanden, nehmen Sie sofort Kontakt zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auf[5].

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Meine Blutzuckerwerte erklären lassen

Jeden Wert im Detail erklären unsere Ratgeber zum Nüchternblutzucker, zum HbA1c, zum geschätzten Durchschnittsblutzucker, zu Insulin und zu Glukose im Urin. Die Krankheit als Ganzes beschreibt unser Artikel Diabetes: Symptome, Bluttests und Behandlung.

Was tun bei Unterzucker?

Die folgenden Schritte gelten für Menschen mit Diabetes und einem niedrigen Messwert. Lassen Sie sich Ihren persönlichen Plan von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt geben[2].

  1. Nehmen Sie sofort schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich, zum Beispiel Traubenzucker, Fruchtsaft oder eine zuckerhaltige Limonade (keine „Light"- oder „Zero"-Getränke). Je nach Schwere sind 10 bis 30 Gramm nötig[7][8]; das NIDDK nennt 15 bis 20 Gramm, etwa vier Traubenzuckertabletten[2]. Bei Nierenerkrankung meiden Sie Orangensaft[2]. Fettreiche Lebensmittel wie Schokolade wirken zu langsam[7].
  2. Warten Sie 15 Minuten und messen Sie erneut. Ist der Wert noch niedrig, wiederholen Sie Schritt 1[2].
  3. Essen Sie danach langsam wirkende Kohlenhydrate, etwa eine Scheibe Brot, und kontrollieren Sie den Wert weiter, denn er kann erneut fallen[2][7].

Manche Diabetesmedikamente verlangsamen die Verdauung von Kohlenhydraten, sodass andere Zuckerquellen zu langsam wirken können[2]. Wer sich nicht selbst helfen kann, bekommt Glukagon als Spritze oder Nasenspray; Angehörige, Freunde und Kollegen sollten wissen, wie man es gibt[2][7]. Nach starker Anstrengung oder Alkohol wirkt Glukagon nicht[7]. Ist die Person bewusstlos, geben Sie nichts in den Mund, rufen Sie 112 und bringen Sie sie in die stabile Seitenlage[7][8]. Ein Notfallausweis hilft anderen zu erkennen, dass Sie Diabetes haben[2].

Was tun bei zu hohem Blutzucker?

  • Folgen Sie dem Plan Ihres Diabetesteams und ändern Sie ein Medikament nicht auf eigene Faust.
  • Prüfen Sie auf Ketone, wenn Sie Typ-1-Diabetes haben oder Ihr Plan es vorsieht, und melden Sie sich sofort bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn sie vorhanden sind[5].
  • Rufen Sie 112 bei Fruchtgeruch des Atems, Übelkeit und Erbrechen, Atemnot, Verwirrtheit oder nachlassender Wachheit[5][8].
  • Wenn Sie nie eine Diagnose erhalten haben und Beschwerden haben, lassen Sie Ihr Blut untersuchen: Die frühe Diagnose beruht auf einer einfachen Blutzuckermessung[6].

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Was ist mein persönlicher Zielwert und ab welchem Wert gilt bei mir Unterzucker?
  2. Bei welchen Beschwerden sollte ich Blutzucker oder Ketone messen?
  3. Brauche ich ein Glukagon-Notfallset und wer soll damit umgehen können?
  4. Könnten meine Medikamente zu hohe oder zu niedrige Werte verursachen?
  5. Wie oft sollten HbA1c und Nüchternblutzucker kontrolliert werden?

Häufige Fragen

Ab welchem Wert spricht man von Unterzucker?

Unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) gilt der Blutzucker als niedrig; schwere Beschwerden sind unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) wahrscheinlicher[1][7].

Kann man hohen Blutzucker spüren?

Nicht immer. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben jahrelang keine Beschwerden[3][8].

Gibt es Unterzucker auch ohne Diabetes?

Ja, aber seltener. Ursachen sind Alkohol, Hormonmangel, schweres Organversagen und manche Medikamente[1].

Warum wache ich nach einer schlechten Nacht müde und verschwitzt auf?

Unterzucker im Schlaf kann Albträume, Schwitzen und Aufwachen mit Müdigkeit, Reizbarkeit oder Verwirrtheit auslösen[2][8].

Woran erkenne ich eine diabetische Ketoazidose?

An extremer Müdigkeit, Atemnot, Fruchtgeruch des Atems, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Ohnmacht. Sie ist ein Notfall[4][5].

Weiterführende Artikel

  1. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Low blood sugar. Überprüft am 25. Januar 2026. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  2. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Low blood glucose (hypoglycemia). Zuletzt überprüft im Juli 2021. National Institutes of Health. niddk.nih.gov (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  3. Centers for Disease Control and Prevention. Diabetes symptoms. Überprüft am 15. Mai 2024. cdc.gov (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  4. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Symptoms and causes of diabetes. Zuletzt überprüft im Oktober 2024. National Institutes of Health. niddk.nih.gov (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  5. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Diabetic ketoacidosis. Überprüft am 10. Januar 2025. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  6. World Health Organization. Diabetes (Faktenblatt). 14. November 2024. who.int (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  7. diabinfo, Diabetesinformationsportal (Helmholtz Munich, Deutsches Diabetes-Zentrum, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung). Diabetes: Unterzuckerung (Hypoglykämie). Stand 5. April 2023. diabinfo.de (abgerufen am 24. Oktober 2026)
  8. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes. Gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 18. Oktober 2023. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 24. Oktober 2026)

Diese Seite ist eine allgemeine Information. Sie ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes, die Ihre Werte gemeinsam mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilen.