Das Wichtigste in Kürze

Der Katecholamin-Test misst Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin oder ihre Abbauprodukte, die Metanephrine, im Blut oder im 24-Stunden-Sammelurin. Gesucht werden seltene hormonbildende Tumoren: Phäochromozytom und Paragangliom bei Erwachsenen, Neuroblastom bei Kindern. Heute gelten die Metanephrine als Test der ersten Wahl. Ein leicht erhöhter Wert ist häufig und kommt meist von Stress, Körperhaltung, Ernährung oder Medikamenten, nicht von einem Tumor.

Was sind Katecholamine und was misst der Test?

Katecholamine sind Hormone, die von den Nebennieren gebildet werden. Die drei wichtigsten sind Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin[1]. Sie wirken auch als Botenstoffe im Nervensystem[9].

Häufiger wird im Urin gemessen, weil sich die Blutwerte schnell ändern und schon durch den Stress des Einstichs ansteigen[1].

Der Körper baut Katecholamine zu Metanephrin und Normetanephrin (den „Metanephrinen“) sowie zu Vanillinmandelsäure (VMS) ab; ein Befund aus dem Sammelurin kann auch diese Werte enthalten[3]. Die Leitlinie der Endocrine Society bewertet die Metanephrine als genauer als die Katecholamine selbst, deshalb sind sie heute der Test der ersten Wahl[4].

Katecholamine im Urin: Wie lese ich meinen Befund Zeile für Zeile?

Hier ein fiktiver Befund aus dem 24-Stunden-Sammelurin einer erwachsenen Person mit Anfällen von Kopfschmerzen und Schwitzen:

Fiktives Beispiel eines Laborbefunds (deutsches Format, 24-Stunden-Sammelurin)
UntersuchungErgebnisReferenzbereichHinweis
Sammelmenge 24 h1850 ml--
Noradrenalin im Urin148 µg/24 h< 105 µg/24 hH
Adrenalin im Urin9 µg/24 h< 20 µg/24 h-
Dopamin im Urin302 µg/24 h< 446 µg/24 h-
Normetanephrin im Urin410 µg/24 h75 – 375 µg/24 hH
Metanephrin im Urin58 µg/24 h24 – 96 µg/24 h-
  1. Sammelmenge: Sie zeigt, ob wirklich ein ganzer Tag gesammelt wurde. Fehlt Urin, fallen die Werte falsch niedrig aus.
  2. Noradrenalin 148 (H): etwas über dem Bereich eines deutschen Universitätslabors[9]. Stress, starke körperliche Anstrengung, Kaffee und viele Medikamente können ihn erhöhen[3].
  3. Normetanephrin 410 (H): knapp über der oberen Grenze und weit vom Doppelten entfernt. Ärztinnen und Ärzte bewerten, wie weit und in wie vielen Werten die Grenze überschritten ist, zusammen mit Beschwerden und Medikamenten[4][5].
  4. Übrige Zeilen: im Bereich (Katecholamine nach Uniklinik Ulm[9], Metanephrine nach MedlinePlus[3]; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors).

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Meinen Befund erklären lassen

Warum werden Katecholamine bestimmt?

  • Anfallsartige Beschwerden bei Erwachsenen: Bluthochdruck, der trotz Behandlung nicht sinkt, starke Kopfschmerzen, Schwitzen, Herzrasen, Angst oder Kribbeln in Armen und Beinen[1].
  • Eine zufällig entdeckte Nebennierenraumforderung: Fast 5 % davon sind Phäochromozytome[4].
  • Erbliches Risiko: Wer eine passende Genveränderung trägt oder eine eigene oder familiäre Vorgeschichte hat, wird regelmäßig getestet[5]. Mindestens ein Drittel der Betroffenen trägt eine solche Genveränderung[4].
  • Kinder: Knochenschmerzen, eine Schwellung im Bauch, Gewichtsverlust oder auffällige Augenbewegungen können zu einem Urintest auf ein Neuroblastom führen[1].

Diese Tumoren sind selten: Man findet sie bei etwa 0,2 bis 0,6 % der Menschen mit Bluthochdruck in der allgemeinen Versorgung[4]. Die Europäische Gesellschaft für Hypertonie rät davon ab, jeden gewöhnlichen Bluthochdruck darauf zu testen[5].

Katecholamine oder Metanephrine: Welcher Test ist besser?

Die Leitlinie der Endocrine Society empfiehlt, mit den freien Metanephrinen im Plasma oder den fraktionierten Metanephrinen im Urin zu beginnen, gemessen mit Flüssigchromatographie[4]. Metanephrine im Urin übersehen weniger Tumoren als Katecholamine oder VMS im Urin[4].

In einer Studie mit 2056 untersuchten Personen fanden die Metanephrine im Plasma 97,9 % der Tumoren, die freien Metanephrine im Urin 93,4 %[6]. Beide Tests waren bei etwa 6 von 100 Personen ohne Tumor positiv (Spezifität 94,2 %)[6]. Bei hohem Risiko schnitt der Bluttest besser ab[6].

Katecholamine werden trotzdem noch bestimmt, etwa im Urin bei Kindern mit Verdacht auf ein Neuroblastom[1], und ein Befund aus dem Sammelurin führt Katecholamine und Metanephrine oft gemeinsam auf[3].

Was sind normale Werte für Katecholamine und Metanephrine?

Die Bereiche hängen von Methode, Probe, Einheit und Alter ab.

Beispiele für Referenzbereiche Erwachsener (maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors)
UntersuchungBereichQuelle
Adrenalin, Sammelurin< 20 µg/24 hUniklinik Ulm[9]
Noradrenalin, Sammelurin< 105 µg/24 hUniklinik Ulm[9]
Dopamin, Sammelurin< 446 µg/24 hUniklinik Ulm[9]
Adrenalin, Blut0 – 140 pg/mlMedlinePlus[2]
Noradrenalin, Blut70 – 1700 pg/mlMedlinePlus[2]
Normetanephrin, Sammelurin75 – 375 µg/24 hMedlinePlus[3]
Metanephrin, Sammelurin24 – 96 µg/24 h (manche Labore: 140 – 785)MedlinePlus[3]
Normetanephrin, Plasma0,0 – 0,89 nmol/lARUP Laboratories[8]
Metanephrin, Plasma0,0 – 0,49 nmol/lARUP Laboratories[8]

Normetanephrin steigt mit dem Alter. In einer Studie mit im Liegen abgenommenen Blutproben lag die obere Grenze bei Kindern und Jugendlichen bei 0,47 nmol/l und nach dem 60. Lebensjahr bei 1,05 nmol/l[7].

Normetanephrin oder Katecholamine erhöht: Was bedeutet das?

  • Häufig Stress, Schmerzen oder starke Anstrengung vor oder während des Tests[1][2]. Auch akute Angst kann die Werte erhöhen[3].
  • Häufig Koffein, Nikotin und Alkohol sowie Lebensmittel wie Bananen, Schokolade, Zitrusfrüchte und Vanille[1][2]. Ein deutsches Labor nennt außerdem Tee, Käse, Nüsse und Eier[10].
  • Häufig Medikamente. Für Katecholamine unter anderem Paracetamol, Salbutamol, Levodopa, Pseudoephedrin und trizyklische Antidepressiva[2]. Für Metanephrine erhöhen Antidepressiva, MAO-Hemmer und Phenoxybenzamin das Normetanephrin deutlich[5].
  • Möglich Eine Blutabnahme im Sitzen. Fachleute raten, das Blut nach mindestens 20 Minuten im Liegen abzunehmen und mit Bereichen zu vergleichen, die in derselben Lage erstellt wurden[4][5].
  • Selten Phäochromozytom oder Paragangliom, Tumoren der Nebenniere oder des benachbarten Nervengewebes[1][4].
  • Selten Neuroblastom, Ganglioneurom oder Ganglioneuroblastom, vor allem bei Säuglingen und Kindern[1][3].

Entscheidend ist das Ausmaß des Anstiegs. Liegt ein Metanephrin im Plasma über dem Doppelten der oberen Grenze oder sind zwei oder mehr Metanephrine erhöht, ist ein Tumor wahrscheinlich, und es folgt eine Bildgebung[5]. Bei einem kleinen Anstieg helfen eine Wiederholung ohne störende Medikamente oder ein Clonidin-Hemmtest, echte von falschen Befunden zu unterscheiden[5]. Ein normales Metanephrin-Ergebnis macht diese Tumoren sehr unwahrscheinlich[5].

Was bedeutet ein erniedrigter Katecholaminwert?

Ein niedriger Wert ist meist kein Grund zur Sorge. Clonidin und MAO-Hemmer können die Katecholamine im Blut senken[2], und ein unvollständig gesammelter Urin kann zu falsch niedrigen Werten führen. Der Bluttest wird manchmal auch bei der Abklärung einer Multisystematrophie eingesetzt, einer seltenen Erkrankung des Nervensystems[2].

Wie bereite ich mich auf den Test und den Sammelurin vor?

  • Meiden Sie zwei bis drei Tage vorher Koffein, Alkohol, Tabak, Bananen, Zitrusfrüchte, Vanille, Stress und starke Anstrengung, wenn Ihr Labor nichts anderes sagt[1][10].
  • Notieren Sie alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Setzen Sie nie eines auf eigene Faust ab: Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt[2][5].
  • Katecholamine im Blut: Meist sollen Sie etwa 10 Stunden nüchtern sein[2]. Metanephrine im Plasma brauchen keine besondere Diät; nüchtern über Nacht nur, wenn 3-Methoxytyramin mitbestimmt wird[5].
  • Fragen Sie, ob Sie vor der Blutabnahme liegen werden. Für Metanephrine im Plasma werden mindestens 20 Minuten Ruhe im Liegen empfohlen[5].
  • 24-Stunden-Sammelurin: den ersten Morgenurin verwerfen und die Uhrzeit notieren, danach jede Portion 24 Stunden lang sammeln, den Behälter kühl lagern und zum Schluss ein letztes Mal Wasser lassen[1]. Deutsche Labore lassen den Urin oft angesäuert (zum Beispiel mit Essigsäure im Sammelgefäß) und lichtgeschützt sammeln[9][10].

Wann sollte ich zum Arzt?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen bei plötzlichen, sehr starken Kopfschmerzen mit sehr hohem Blutdruck, Brustschmerzen, Ohnmacht, Atemnot oder Verwirrtheit.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei wiederholten Anfällen von pochenden Kopfschmerzen, Schwitzen und Herzklopfen oder bei Blutdruckwerten weit über Ihren üblichen. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.
  • Beim nächsten Arzttermin wegen eines erhöhten Ergebnisses, einer Nebennierenraumforderung im Bild oder solcher Tumoren in der Familie.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Warum wurde der Test angefordert, und wurden Katecholamine oder Metanephrine bestimmt?
  2. Wie weit liegt mein Ergebnis über der oberen Grenze, und bei welchen Werten?
  3. Könnten meine Medikamente oder die Art der Probenahme das erklären?
  4. Sollte der Test im Liegen wiederholt werden, oder brauche ich eine Bildgebung?

Häufige Fragen

Muss ich meine Blutdruckmedikamente vor dem Test absetzen?

Nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es sagt. Laut Fachleuten ist eine Pause meist nicht nötig und kann nach einem ersten positiven Ergebnis erwogen werden[5].

Was passiert nach einem deutlich erhöhten Ergebnis?

Meist eine Bildgebung, oft eine Computertomographie. Bei jedem bestätigten Tumor wird dann ein Gentest erwogen[4].

Schließt ein normales Ergebnis einen Tumor aus?

Ein normales Metanephrin-Ergebnis schließt diese Tumoren praktisch aus, außer manchen sehr kleinen und den Paragangliomen an Kopf und Hals, die kaum Hormone abgeben[5].

Weiterführende Artikel

  1. MedlinePlus. Catecholamine tests. US National Library of Medicine. Updated August 21, 2024. medlineplus.gov (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  2. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Catecholamines - blood. Reviewed February 13, 2025. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  3. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Catecholamines - urine. Reviewed July 1, 2025. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  4. Lenders JWM, Duh QY, Eisenhofer G, et al. Pheochromocytoma and paraganglioma: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2014;99(6):1915-1942. doi:10.1210/jc.2014-1498 (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  5. Lenders JWM, Kerstens MN, Amar L, et al. Genetics, diagnosis, management and future directions of research of phaeochromocytoma and paraganglioma: a position statement and consensus of the Working Group on Endocrine Hypertension of the European Society of Hypertension. J Hypertens. 2020;38(8):1443-1456. doi:10.1097/HJH.0000000000002438 (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  6. Eisenhofer G, Prejbisz A, Peitzsch M, et al. Biochemical diagnosis of chromaffin cell tumors in patients at high and low risk of disease [...]. Clin Chem. 2018;64(11):1646-1656. doi:10.1373/clinchem.2018.291369 (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  7. Eisenhofer G, Lattke P, Herberg M, et al. Reference intervals for plasma [...] metanephrines with an age adjustment for normetanephrine for optimized laboratory testing of phaeochromocytoma. Ann Clin Biochem. 2013;50(Pt 1):62-69. doi:10.1258/acb.2012.012066 (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  8. ARUP Laboratories. Metanephrines, plasma. Laboratory test directory, test 0050184. ltd.aruplab.com (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  9. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie. Leistungsverzeichnis: Katecholamine im Urin (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin). Revision 001, 30.05.2022. uniklinik-ulm.de (abgerufen am 26. Oktober 2026)
  10. LADR Der Laborverbund. Katecholamine (A–Z Laboranalysen). ladr.de (abgerufen am 26. Oktober 2026)

Diese Seite ist eine allgemeine Information. Sie ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes, die Ihre Werte gemeinsam mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilen.