Das Wichtigste in Kürze

Ein Erwachsener hat etwa 70 ml Blut pro Kilogramm Körpergewicht, bei 70 kg also rund 5 Liter. Etwa 55 % davon sind Plasma, das größtenteils aus Wasser besteht; der Rest sind rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Die Blutmenge steht auf keinem normalen Laborbefund, aber Ihr Blutbild zeigt, woraus Ihr Blut besteht.

Wie viel Liter Blut hat ein Mensch?

Bei normalgewichtigen Erwachsenen liegt das Blutvolumen im Mittel bei etwa 70 ml pro Kilogramm[6]. Ein Mensch mit 70 kg hat demnach rund 4,9 Liter Blut. Die genaue Menge hängt von Größe, Gewicht und Geschlecht ab, die eine klassische Klinikformel (nach Nadler) miteinander verrechnet[7]. Danach hat ein Mann mit 1,75 m und 75 kg etwa 5,0 Liter, eine Frau mit 1,62 m und 60 kg etwa 3,7 Liter.

Das Gewicht allein kann täuschen: Die Blutmenge pro Kilogramm sinkt, je schwerer ein Mensch ist. Die Faustregel von 70 ml/kg überschätzt deshalb das Blutvolumen bei Übergewicht[6][8]. Ein Mann mit 1,80 m und 100 kg kommt nach der Formel auf etwa 6,0 Liter, nicht auf 7 Liter[7]. Übrigens: 1 ml entspricht genau 1 cm³; mehr dazu unter cc und Kubikzentimeter in der Medizin.

Woraus besteht Blut?

Blut hat einen flüssigen Anteil, das Plasma (Wasser, Salze und Eiweiße), und einen festen Anteil: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten)[1]. Etwa 55 % sind Plasma, 45 % sind Zellen[2][14].

Was in rund 5 Litern Blut eines Erwachsenen steckt
BestandteilAnteil und GehaltHauptaufgabe
PlasmaEtwa 55 % (2,75 l). Davon 92 % Wasser, 7 % Eiweiße wie Albumin, 1 % Salze, Zucker, Fette, Hormone und Vitamine[2]Transportiert Zellen und Salze; hält Blutdruck und Blutvolumen aufrecht[2]
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)Etwa 5 Millionen pro Mikroliter[10]Bringen Sauerstoff von der Lunge zu den Organen[1]
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)4.500 bis 11.000 pro Mikroliter[4]Wehren Infektionen ab; Teil des Immunsystems[1]
Blutplättchen (Thrombozyten)150.000 bis 400.000 pro Mikroliter[4]Helfen bei der Blutgerinnung[1]

Das Knochenmark bildet diese Zellen ständig nach. Rote Blutkörperchen leben etwa 120 Tage, Blutplättchen etwa 6 Tage und manche weißen Blutkörperchen weniger als einen Tag[1]. Pro Sekunde werden rund 5 Millionen alte rote Blutkörperchen abgebaut[10]. Die Eiweiße des Plasmas finden Sie auf dem Befund als Albumin und Gesamteiweiß.

Wo sehe ich auf dem Laborbefund, woraus mein Blut besteht?

Ein normaler Befund nennt nie Ihre Blutmenge. Die Zusammensetzung zeigt das Blutbild: Es misst rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, Hämoglobin und Hämatokrit[4]. Hier ein kleines Blutbild einer erwachsenen Frau, wie es ein deutsches Labor ausgeben könnte.

Fiktives Beispiel eines Laborbefunds (kleines Blutbild, deutsches Format)
UntersuchungErgebnisEinheitReferenzbereichMarkierung
Erythrozyten5,3/pl4,2-5,4-
Hämoglobin15,9g/dl12,0-16,0-
Hämatokrit49%36-48H
Leukozyten6,8/nl4,5-11,0-
Thrombozyten245/nl150-400-
  1. Hämatokrit: der Anteil des Blutvolumens, den die roten Blutkörperchen einnehmen; der Rest ist Plasma[5]. Hier bestehen 49 % des Blutes aus roten Zellen. Manche Labore schreiben 0,49 l/l. Mehr zu Ihrem Hämatokritwert.
  2. Markierung H: knapp über dem Bereich. Ein häufiger Grund ist Flüssigkeitsmangel: Weniger Plasma lässt die roten Blutkörperchen konzentrierter erscheinen[5].
  3. Erythrozyten und Hämoglobin: siehe was Ihr Hämoglobin bedeutet und die Zahl der roten Blutkörperchen. „/pl“ heißt Millionen pro Mikroliter.
  4. Leukozyten und Thrombozyten: Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen; „/nl“ heißt Tausend pro Mikroliter.
  5. Referenzbereich: Er unterscheidet sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund[4].

Ein markierter Hämatokrit, Hämoglobin- oder Erythrozytenwert, und Sie wissen nicht, was er bedeutet? BloodSense geht Ihren ganzen Befund Zeile für Zeile durch und hilft Ihnen, Fragen für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vorzubereiten.

Mein Blutbild erklären lassen

Wie viel Blut haben Männer, Frauen, Kinder und Babys?

Babys haben insgesamt wenig Blut, pro Kilogramm aber mehr als Erwachsene. Die Werte sind Durchschnitte; die Einschätzung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes geht vor.

Übliches Blutvolumen nach Alter und Situation
PersonBlutvolumenBeispielQuelle
FrühgeborenesEtwa 100 ml/kgBaby mit 1,5 kg: etwa 150 mlChooi 2026[11]
Reifes NeugeborenesEtwa 90 ml/kgBaby mit 3,5 kg: etwa 315 ml, knapp ein DrittelliterChooi 2026[11]
Älteres Kind70-80 ml/kgKind mit 25 kg: etwa 1,75 bis 2 lChooi 2026[11]
Normalgewichtiger ErwachsenerEtwa 70 ml/kg70 kg: etwa 4,9 lLemmens 2006[6]
SchwangerschaftEtwa 45 % mehr als vorherEtwa 1.200 bis 1.600 ml zusätzlichSoma-Pillay 2016[9]

In der Schwangerschaft nimmt das Plasma stärker zu als die roten Blutkörperchen. Hämoglobin, Hämatokrit und Erythrozytenzahl sinken deshalb etwas, auch wenn alles in Ordnung ist[9].

Was macht Blutmenge oder Blutzusammensetzung zu niedrig oder zu hoch?

Ein hoher Hämatokrit bedeutet oft fehlendes Plasma statt zu vieler roter Blutkörperchen. Von den häufigsten zu den seltensten Ursachen:

  • Häufig Flüssigkeitsmangel durch starken Durchfall, heftiges Schwitzen oder Entwässerungstabletten: weniger Plasma, also höherer Hämatokrit und mehr Erythrozyten pro Mikroliter[4]. Siehe Anzeichen und Ursachen einer Dehydrierung.
  • Häufig Blutverlust, sichtbar oder verborgen, der den Hämatokrit senkt[5]; ein lang andauernder Verlust endet oft in einem Eisenmangel.
  • Möglich Blutarmut durch Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12, durch chronische Krankheiten oder eine chronische Nierenerkrankung[5]; siehe unseren Ratgeber zu Anämie: Symptome und Ursachen.
  • Möglich Rauchen, Aufenthalt in großer Höhe, Testosteron oder Herz- und Lungenkrankheiten mit Sauerstoffmangel, die die roten Blutkörperchen vermehren können[4].
  • Selten Polycythaemia vera, eine Erkrankung des Knochenmarks mit zu vielen roten Blutkörperchen, oder ein Nierentumor, der zu viel Erythropoetin bildet[4][5].

Ein zu geringes Blutvolumen senkt den Blutdruck: siehe niedriger Blutdruck: Ursachen und Blutwerte.

Wie viel Blutverlust ist gefährlich?

Bei einer Vollblutspende werden in Deutschland 500 ml Blut entnommen[13], etwa ein Zehntel des Blutes eines Erwachsenen. Das Plasma ist nach rund 24 Stunden ersetzt, die roten Blutkörperchen nach vier bis sechs Wochen[3]. Deshalb liegen zwischen zwei Vollblutspenden mindestens 56 Tage[15].

Ärztinnen und Ärzte teilen einen plötzlichen Blutverlust nach dem verlorenen Anteil ein: Unter 15 % reagiert der Körper kaum; bei 15 bis 30 % schlägt das Herz schneller; 30 bis 40 % sind kritisch, die Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt; über 40 % bedeuten einen schweren Schock, der sofort behandelt werden muss[12]. Bei 5 Litern Blut entsprechen 30 % etwa 1,5 Litern; 2 Liter sind schon 40 %.

Was kann Hämatokrit und Hämoglobin vor der Blutabnahme verfälschen?

Für ein Blutbild müssen Sie nicht nüchtern sein[4], aber die Werte hängen vom Verhältnis zwischen Plasma und Zellen ab. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Bescheid bei:

  • Flüssigkeitsmangel in den letzten Tagen: Erbrechen, Durchfall, Hitze, intensiver Sport oder Entwässerungstabletten[4].
  • Einer Reise oder einem Umzug in große Höhe: Der Hämatokrit steigt dann über mehrere Wochen[5].
  • Einer Blutspende in den letzten 4 bis 6 Wochen oder einer kürzlichen Blutung[3].
  • Schwangerschaft[9], Rauchen oder einer Testosteronbehandlung[4].
  • Vielen Infusionen, etwa im Krankenhaus: Zu viel Wasser im Körper senkt den Hämatokrit[5].

Weitere Tipps finden Sie in unserem Ratgeber Blutabnahme: Ablauf und Vorbereitung.

Wann sollte ich wegen Blutverlust oder hohem Hämatokrit zum Arzt?

Wann zum Arzt?

  • Notfall: 112 anrufen bei starker Blutung, die nicht aufhört, bei Bluterbrechen oder schwarzem Stuhl mit Schwindel, Ohnmacht, Herzrasen, kalter und feuchter Haut oder Verwirrtheit.
  • Innerhalb von 24 bis 48 Stunden, wenn Sie ungewöhnlich müde, blass oder kurzatmig sind oder Ihr Hämoglobin oder Hämatokrit weit außerhalb des Bereichs liegt. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Beim nächsten Arzttermin, wenn ein leicht erhöhter oder erniedrigter Hämatokrit zufällig aufgefallen ist und Sie sich wohlfühlen.

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Ist mein Hämatokrit hoch, weil ich zu wenig getrunken hatte, oder sollte er wiederholt werden?
  2. Passen Hämoglobin und Erythrozytenzahl zu einer Blutarmut?
  3. Könnte ein Medikament oder ein Aufenthalt in den Bergen diese Werte erklären?
  4. Darf ich Blut spenden, und wie oft?

Häufige Fragen zur Blutmenge

Kann man genau messen, wie viel Blut ich habe?

Ja, aber nur mit einer Spezialuntersuchung, nicht mit einem Routinetest. Ein spezialisiertes Labor bestimmt rote Zellmasse und Plasmavolumen mit radioaktiven Markern und vergleicht sie mit Referenzbereichen, die sich nach der Körperoberfläche richten[8].

Hängt die Blutmenge von der Blutgruppe ab?

Nein. Die Blutgruppe (A, B, AB oder 0, Rhesus positiv oder negativ) ist für Transfusionen und Schwangerschaft wichtig[1]; die Blutmenge hängt von Größe, Gewicht und Geschlecht ab[7]. Lesen Sie, wie man einen Blutgruppentest liest.

Wie lange dauert es, bis der Körper einen halben Liter Blut ersetzt hat?

Die Flüssigkeit ist nach etwa einem Tag wieder da, die roten Blutkörperchen brauchen vier bis sechs Wochen[3]. Wie schnell neue rote Zellen nachkommen, zeigen die Retikulozyten.

Weiterführende Untersuchungen

Quellen

  1. MedlinePlus. Blood. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  2. American Red Cross. Learn All About Plasma. redcrossblood.org (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  3. American Red Cross. Frequently Asked Questions: Blood Donation Process. redcrossblood.org (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  4. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Complete blood count. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  5. MedlinePlus Medical Encyclopedia. Hematocrit. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  6. Lemmens HJ, Bernstein DP, Brodsky JB. Estimating blood volume in obese and morbidly obese patients. Obes Surg. 2006;16(6):773-776. doi:10.1381/096089206777346673 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  7. Nadler SB, Hidalgo JH, Bloch T. Prediction of blood volume in normal human adults. Surgery. 1962;51(2):224-232. PMID 21936146 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  8. Pearson TC, Guthrie DL, Simpson J, et al. Interpretation of measured red cell mass and plasma volume in adults: Expert Panel on Radionuclides of the International Council for Standardization in Haematology. Br J Haematol. 1995;89(4):748-756. doi:10.1111/j.1365-2141.1995.tb08411.x (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  9. Soma-Pillay P, Nelson-Piercy C, Tolppanen H, Mebazaa A. Physiological changes in pregnancy. Cardiovasc J Afr. 2016;27(2):89-94. doi:10.5830/CVJA-2016-021 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  10. Thiagarajan P, Parker CJ, Prchal JT. How Do Red Blood Cells Die? Front Physiol. 2021;12:655393. doi:10.3389/fphys.2021.655393 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  11. Chooi CSL, Simmonds MC, Fisher L, et al. Management of neonatal massive hemorrhage: A narrative review. Transfusion. 2026;66(5):1012-1022. doi:10.1111/trf.70186 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  12. Meza Monge K, Rosa C, Sublette C, et al. Navigating Hemorrhagic Shock: Biomarkers, Therapies, and Challenges in Clinical Care. Biomedicines. 2024;12(12):2864. doi:10.3390/biomedicines12122864 (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  13. DRK-Blutspendedienste. Blut spenden: Ablauf der Blutspende. drk-blutspende.de (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  14. DRK-Blutspendedienste. Blutbestandteile. drk-blutspende.de (abgerufen am 31. Oktober 2026)
  15. Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes. Voraussetzungen für die Blutspende. blutspendedienst.com (abgerufen am 31. Oktober 2026)

Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen zu Blutmenge und Zusammensetzung des Blutes. Er ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes, die Ihre Werte zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und Untersuchung beurteilen.