Amylase im Blut: Normalwerte, erhöhter oder niedriger Wert und was er bedeutet

Das Wichtigste in Kürze
Amylase ist ein Verdauungsenzym, das vor allem Bauchspeicheldrüse und Speicheldrüsen bilden. Der Bluttest dient hauptsächlich dazu, bei plötzlichen Oberbauchschmerzen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) aufzuspüren. Viele Labore nennen einen Normalbereich von etwa 31 bis 107 U/l, Ihr Labor kann abweichen. Ein erhöhter Wert stammt nicht zwingend aus der Bauchspeicheldrüse, und ein normaler schließt eine Pankreatitis nicht aus. Deshalb bestimmt man heute meist die Lipase.
Was bedeutet mein Amylase-Wert im Laborbefund?
Amylase spaltet Stärke in Zucker[1]. Ist die Bauchspeicheldrüse entzündet oder ihr Gang verlegt, gelangt mehr Amylase ins Blut[2]. Unten sehen Sie eine fiktive Befundzeile im deutschen Format, mit Amylase und Lipase nebeneinander, weil beide oft zusammen angefordert werden.
| Untersuchung | Ergebnis | Referenzbereich | Hinweis |
|---|---|---|---|
| α-Amylase, Serum | 128 U/l | 31 – 107 U/l | H |
| Lipase, Serum | 41 U/l | 13 – 60 U/l | - |
| Kreatinin | 0,9 mg/dl | 0,7 – 1,2 mg/dl | - |
- Ergebnis: die Enzymaktivität in Ihrem Blut, in Einheiten pro Liter (U/l).
- Referenzbereich: legt Ihr Labor fest und hängt vom Messverfahren ab. Für die Amylase werden zum Beispiel 31 bis 107 U/l nach der IFCC-Methode genannt[8]; das US-amerikanische MedlinePlus nennt 40 bis 140 U/l[2].
- Hinweis H: über dem Bereich. Hier ist die Amylase nur leicht erhöht (128 bei einer Obergrenze von 107), die Lipase normal. Das spricht eher gegen eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung und für eine andere Quelle, etwa die Speicheldrüsen, ein Medikament oder die Nieren. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt liest den Wert zusammen mit Ihren Beschwerden.
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Meinen Amylase-Wert erklären lassenWofür wird der Amylase-Test gebraucht?
Der Test dient vor allem dazu, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wie eine Pankreatitis zu erkennen und eine chronische Pankreatitis zu verfolgen[1]. Angefordert wird er zum Beispiel bei Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen oder nach dem Essen zunehmen, bei Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Gelbsucht oder fettigem, übel riechendem Stuhl[1]. Er hilft auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Mukoviszidose und Essstörungen sowie nach einer Gallensteinentfernung[1].
Eine akute Pankreatitis gilt als gesichert, wenn zwei von drei Kriterien erfüllt sind: typische Bauchschmerzen, Lipase oder Amylase mindestens dreimal über der Obergrenze und typische Bildgebung[4]. Die amerikanische Leitlinie folgt derselben Logik[5]. Bei einer Obergrenze von 107 U/l wäre das Dreifache etwa 321 U/l. Ein Wert von 128 U/l erreicht diese Schwelle also nicht.
Was ist der Normalbereich der Amylase im Blut?
Die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Methode. Wichtig ist der Bereich, der auf Ihrem eigenen Befund steht.
| Einheit | Häufig genannter Bereich | Quelle |
|---|---|---|
| U/l (IFCC-Methode) | 31 – 107 | Apotheken Umschau[8] |
| U/l (MedlinePlus) | 40 – 140 | MedlinePlus[2] |
| µkat/l (SI-Einheit) | 0,67 – 2,34 | MedlinePlus[2] |
Manche Labore bestimmen zusätzlich die Pankreas-Amylase, die nur aus der Bauchspeicheldrüse stammt und einen eigenen, niedrigeren Bereich hat[8]. Auch Schwangerschaft und Alter können verschieben, was ein Labor als normal ansieht.
Warum ist meine Amylase erhöht, und ab wann ist es gefährlich?
Eine erhöhte Amylase hat viele Quellen, weil mehrere Organe das Enzym bilden. Wie hoch der Wert steigt, sagt nichts darüber, wie schwer ein Bauchspeicheldrüsenproblem ist[3]. Gefährlich wird es nicht durch die Zahl allein, sondern zusammen mit Beschwerden wie starken Oberbauchschmerzen (siehe Abschnitt „Wann sollte ich zum Arzt?“).
- Häufig Akute Pankreatitis, oft durch Gallensteine oder Alkohol. Etwa 80 % der Menschen mit akuter Pankreatitis haben innerhalb von 24 Stunden eine erhöhte Amylase[3]. Mehr zur Pankreatitis und zu Gallensteinen.
- Häufig Medikamente. Aspirin, die Pille, Opiate (Codein, Morphin), Thiaziddiuretika und einige andere Wirkstoffe können die Amylase anheben[2].
- Möglich Probleme der Speicheldrüsen, etwa eine Entzündung oder ein verstopfter Ausführungsgang. Mumps ist ein klassisches Beispiel[2].
- Möglich Verdauungstrakt: ein verlegter Gallen- oder Pankreasgang, Gallenblasenentzündung, Darmverschluss, ein durchgebrochenes Magengeschwür oder eine Virushepatitis[2][3].
- Möglich Nierenerkrankung, weil die Nieren Amylase ausscheiden. Vergleichen Sie mit Ihrem Kreatinin.
- Selten Makroamylasämie. Die Amylase bindet an einen Antikörper und bildet einen großen Komplex, den die Nieren nicht ausscheiden. Der Blutwert bleibt dann ohne Krankheit erhöht. Eine dauerhaft erhöhte Amylase bei niedriger Amylase im Urin sollte daran denken lassen[3].
- Selten Tumoren der Bauchspeicheldrüse, der Eierstöcke oder der Lunge[2]. Mehr zu Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Warum ist meine Amylase zu niedrig?
Eine niedrige Amylase ist selten und für sich allein meist unbedenklich. Sie kann auf einen lange bestehenden Schaden der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis), auf Mukoviszidose, eine Nierenerkrankung, eine Lebererkrankung oder in der Schwangerschaft auf eine Präeklampsie hinweisen[1]. MedlinePlus nennt außerdem Herzinsuffizienz und Knochenbrüche[2]. Stark erhöhte Triglyzeride in der Probe können das Ergebnis fälschlich senken[3]; prüfen Sie Ihre Triglyzeride.
Amylase oder Lipase: Welcher Wert ist aussagekräftiger?
Bei Verdacht auf eine akute Pankreatitis bevorzugt man die Lipase. Sie ist spezifischer für die Bauchspeicheldrüse und bleibt bis zu etwa zwei Wochen erhöht, während die Amylase früh ansteigt und nur 3 bis 5 Tage erhöht bleibt[3][6]. Beide zu bestimmen, kostet mehr und verbessert die Treffsicherheit kaum[3]. Schon 2002 hielten deutsche Fachleute im Deutschen Ärzteblatt fest, dass man auf die Amylase bei der Diagnostik von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen verzichten kann[7]. Steht „Amylase erhöht, Lipase normal“ auf Ihrem Befund, spricht das also eher für eine andere Quelle als die Bauchspeicheldrüse. Lesen Sie dazu den Lipase-Bluttest, zur Verdauungsleistung auch die fäkale Elastase.
Wie bereite ich mich auf den Amylase-Test vor?
Meist ist keine besondere Vorbereitung nötig, aber verzichten Sie 24 Stunden vor der Blutabnahme auf Alkohol[1]. Manchmal bittet die Praxis um zwei Stunden Nüchternheit[1]. Sagen Sie, welche Medikamente und Präparate Sie nehmen, und setzen Sie keines ohne ärztlichen Rat ab[1]. Vor der Blutabnahme hilft diese Liste:
- Kein Alkohol in den 24 Stunden vor dem Test.
- Fragen, ob und wie lange Sie nüchtern sein sollen.
- Medikamentenliste mitbringen (Aspirin, Pille, Opiate und Entwässerungsmittel können die Amylase erhöhen).
- Kürzliche Pankreatitis, Gallensteine, Mumps oder Nierenprobleme erwähnen.
- Verordnete Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
Weitere Tipps finden Sie in unserem Ratgeber zur Blutabnahme und zum Nüchternsein vor der Blutabnahme.
Wann sollte ich wegen meiner Amylase zum Arzt?
Wann zum Arzt?
- Notfall: 112 anrufen bei starken, anhaltenden Oberbauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, vor allem mit wiederholtem Erbrechen, Fieber, schnellem Herzschlag, Ohnmacht oder gelber Haut oder gelben Augen[1].
- Innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei Oberbauchschmerzen, die anhalten oder nach dem Essen wiederkehren, bei Übelkeit, Appetitlosigkeit oder fettigem, übel riechendem Stuhl zusammen mit erhöhter Amylase[1]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
- Beim nächsten Arzttermin, wenn Sie sich gut fühlen und die Amylase nur leicht erhöht ist. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wiederholt den Test, ergänzt die Lipase oder prüft Ihre Medikamente.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Erklären meine Beschwerden oder ein Medikament den Amylase-Wert?
- Sollte auch die Lipase bestimmt werden?
- Brauche ich eine Bildgebung, zum Beispiel einen Ultraschall?
- Könnte es eine Makroamylasämie sein, und hilft die Amylase im Urin?
- Wann soll der Test wiederholt werden?
Häufige Fragen
Kann die Amylase erhöht sein, ohne dass eine Pankreatitis vorliegt?
Ja. Auch die Speicheldrüsen bilden Amylase, und der Wert steigt bei Medikamenten, Nierenerkrankungen, Darm- oder Gallengangsproblemen und bei Makroamylasämie[2][3].
Kann eine Pankreatitis mit normaler Amylase vorkommen?
Ja. Die Amylase steigt früh und fällt wieder ab, ein später Test kann normal sein, und die Höhe zeigt den Schweregrad nicht an[3]. Deshalb zählen Lipase und das klinische Bild.
Wie lange bleibt die Amylase bei Pankreatitis erhöht?
Meist 3 bis 5 Tage, bei einer Halbwertszeit von 10 bis 12 Stunden[3].
Können Alkohol oder Medikamente den Wert verändern?
Ja. Alkohol vor dem Test sowie Aspirin, Opiate, Thiaziddiuretika und die Pille können die Amylase erhöhen[1][2].
Verwandte Untersuchungen und Ratgeber
- Lipase-BluttestDas bevorzugte Bauchspeicheldrüsenenzym bei Verdacht auf Pankreatitis.
- PankreatitisUrsachen, Symptome und Behandlung der Entzündung.
- Leberwerte erhöhtEine weitere häufige Gruppe auffälliger Werte der Verdauungsorgane.
- Gamma-GTWird oft bei Gallenwegs- oder Alkoholproblemen mitbestimmt.
- GesamtbilirubinHilft, einen Gallengangsverschluss zu erkennen.
- CRPEin allgemeiner Entzündungswert.
Quellen
- MedlinePlus. Amylase Test. US National Library of Medicine. medlineplus.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- MedlinePlus Medical Encyclopedia. Amylase - blood. Stand Januar 2025. medlineplus.gov (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Association for Diagnostics & Laboratory Medicine. Amylase: Optimal Testing Recommendations. myadlm.org (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Banks PA, Bollen TL, Dervenis C, et al. Classification of acute pancreatitis 2012: revision of the Atlanta classification and definitions by international consensus. Gut. 2013;62(1):102-111. doi:10.1136/gutjnl-2012-302779 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Tenner S, Vege SS, Sheth SG, et al. American College of Gastroenterology guidelines: management of acute pancreatitis. Am J Gastroenterol. 2024;119(3):419-437. doi:10.14309/ajg.0000000000002645 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Ismail OZ, Bhayana V. Lipase or amylase for the diagnosis of acute pancreatitis? Clin Biochem. 2017;50(18):1275-1280. doi:10.1016/j.clinbiochem.2017.07.003 (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Teich N, Orth M, Keim V, Mössner J. Diagnostik von Pankreaserkrankungen: Bestimmung von Lipase und alpha-Amylase meistens verzichtbar. Dtsch Arztebl. 2002;99(41). aerzteblatt.de (abgerufen am 23. Oktober 2026)
- Apotheken Umschau. Pankreaswerte: Enzyme der Bauchspeicheldrüse (05.08.2021). apotheken-umschau.de (abgerufen am 23. Oktober 2026)
Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose oder Behandlung. Bei starken Oberbauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen oder gelber Haut oder gelben Augen suchen Sie ohne Zögern ärztliche Hilfe.



