Das Wichtigste in Kürze

Eine Prostata-Untersuchung ist kein einzelner Test, sondern eine kurze Reihe von Prüfungen: Abtasten über den Enddarm, ein PSA-Bluttest und oft ein Urintest. Ein auffälliger Wert kommt häufig von einer vergrößerten oder entzündeten Prostata, nicht von Krebs. Ein MRT und erst danach eine Biopsie klären die Fragen, die die ersten Tests offenlassen.

Wann brauchen Prostatabeschwerden sofort ärztliche Hilfe?

Wann zum Arzt?

  • Sofort die 112 wählen oder in die Notaufnahme, wenn Sie gar kein Wasser mehr lassen können, oder wenn Fieber, Schüttelfrost und starke Schmerzen nach einer Prostatabiopsie auftreten oder zusammen mit Brennen und starkem Harndrang. Beides muss noch am selben Tag behandelt werden[1][2][9].
  • Binnen 24 bis 48 Stunden, wenn Sie Blut im Urin sehen, starke Schmerzen im Unterbauch oder in den Harnwegen haben oder der Urin nach einer Untersuchung trüb wird[1][9]. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
  • Zeitnah einen Termin vereinbaren bei schwachem Harnstrahl, nächtlichem Wasserlassen oder wenn Sie über die Früherkennung sprechen möchten[5].

Wie läuft eine Prostata-Untersuchung ab?

Die Prostata liegt unter der Harnblase und umschließt die Harnröhre[2]. Nach Fragen zu Beschwerden, Trinkgewohnheiten und Krebsfällen in der Familie[1] kann der Termin drei Prüfungen umfassen[2]:

  • Tastuntersuchung (digital-rektale Untersuchung, DRU). Vornübergebeugt oder in Seitenlage tastet ein behandschuhter, mit Gel versehener Finger über den Enddarm Größe und Oberfläche der Drüse ab. Das kann etwas unangenehm sein, dauert aber nur kurz[1]. Bei der gesetzlichen Früherkennung werden außerdem die äußeren Geschlechtsorgane und die Lymphknoten in der Leiste untersucht[5].
  • PSA-Bluttest. Eine normale Blutabnahme, die ein Eiweiß aus der Prostata misst[3]. Wie man die Zahl im Detail liest, erklärt unser Ratgeber zu den PSA-Testergebnissen.
  • Urinuntersuchung. Eine Urinprobe wird auf Entzündungszeichen und Blut geprüft[2]; siehe Urinbefund erklärt.

Was kann bei einer Prostata-Untersuchung herauskommen?

Gutartige Erkrankungen verursachen oft nächtliches Wasserlassen, einen schwachen Strahl, Brennen oder Blut im Urin[2]. Mehrere Prostataprobleme teilen diese Beschwerden der unteren Harnwege; die Tests trennen sie voneinander[1].

  • Häufig Gutartige Prostatavergrößerung (BPH). Die Drüse wächst mit dem Alter, von Walnussgröße mit 20 bis zur Größe einer Zitrone mit 60. Sie ist einer der häufigsten Gründe, warum ältere Männer in die urologische Praxis kommen[2].
  • Häufig Prostataentzündung. Die Prostatitis ist bei Männern unter 50 die häufigste Erkrankung der Harnwege und kann den PSA-Wert anheben[2]. Mehr zu den Formen der Prostatitis.
  • Möglich Eine Harnwegsinfektion, die ebenfalls das PSA erhöhen kann[3]: siehe Harnwegsinfektion.
  • Möglich Prostatakrebs. Frühe Tumoren machen meist keine Beschwerden[2], deshalb setzt die Früherkennung auf Tests. BPH und Prostatitis erhöhen das Krebsrisiko nicht[2]. Die Erkrankung selbst beschreibt unser Ratgeber zu Prostatakrebs.
  • Selten Ein Blasenstein oder Blasentumor hinter denselben Beschwerden; bei Bedarf schließt eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) ihn aus[1].

Ab wann und wie oft sollte man die Prostata untersuchen lassen?

Mit Beschwerden in jedem Alter. Ohne Beschwerden ist die Früherkennung eine persönliche Entscheidung. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Männern ab 45 einmal im Jahr eine Früherkennung mit Gespräch und Tastuntersuchung an. Die deutsche S3-Leitlinie von 2025 rät jedoch vom Abtasten allein ab, weil es nur etwa 1 von 3 Tumoren findet, und empfiehlt nach einem Aufklärungsgespräch ab 45 eine Früherkennung auf Basis des PSA-Tests; bei bekannter BRCA2-, MSH2- oder MSH6-Veränderung schon ab 40[5]. Der Abstand richtet sich nach dem Wert: unter 1,5 ng/ml alle 5 Jahre, 1,5 bis 2,99 ng/ml alle 2 Jahre; ab 3 ng/ml wird der Test innerhalb von 3 Monaten wiederholt[5].

Welche Untersuchungen der Prostata kann der Arzt anordnen?

Untersuchungen der Prostata, vom ersten Termin bis zur Facharztpraxis
UntersuchungWelche Frage sie beantwortetWann sie eingesetzt wird
Tastuntersuchung (DRU)Ist die Drüse vergrößert, druckempfindlich, hart oder knotig?Eher zusammen mit dem PSA, nicht allein[5][6]
PSA-BluttestIst das PSA höher als erwartet?Erster Test der Früherkennung[5]; auch bei Beschwerden[3]
Urinstatus, UrinkulturGibt es eine Infektion oder Blut im Urin?Beschwerden, erhöhtes PSA[3]; siehe Urinkultur
Transrektaler Ultraschall (TRUS)Wie groß ist die Drüse? Führt die BiopsienadelMeist während einer Biopsie[1]
MRT der ProstataGibt es einen verdächtigen Bereich für einen relevanten Tumor?Bei bestätigtem PSA ab 3 ng/ml, wenn die urologische Praxis es für nötig hält; vor einer ersten Biopsie[5][7]
Biopsie (Gewebeprobe)Gibt es Krebszellen, und wie aggressiv sind sie?Einziger Weg, Krebs sicher festzustellen[3]

Wie lese ich den Befund meiner Prostata-Untersuchung?

Befund einer Prostata-Untersuchung, ein fiktives Beispiel im deutschen Format
UntersuchungErgebnisReferenzbereichBewertung
PSA gesamt5,6 ng/ml (µg/l)< 4,0 ng/mlH
Urin-Teststreifen: Leukozytennegativnegativ
Urin-Teststreifen: Nitritnegativnegativ
Urin-Teststreifen: Blutnegativnegativ
Tastbefund (DRU, ärztliche Notiz)vergrößert, glatt, prallelastisch, kein Knotenkein Knoten, nicht druckschmerzhaft
MRT der ProstataPI-RADS 2PI-RADS 1–2: unauffällig
  1. Referenzbereich: Einen festen Grenzwert für das PSA gibt es nicht; über 4,0 ng/ml gilt meist als auffällig[4], in der Früherkennung wird ab 3 ng/ml kontrolliert[5]. Maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
  2. Bewertung: H bedeutet über dem Referenzbereich. Tastbefund und MRT werden in Worten oder als Punktwert angegeben.

Sie haben den Befund Ihrer Prostata-Untersuchung erhalten? BloodSense erklärt jede Zeile in verständlicher Sprache, damit Sie wissen, was Sie in der Praxis ansprechen sollten.

Meinen Prostata-Befund erklären lassen

Der Tastbefund: Größe und Oberfläche

Eine vergrößerte Drüse ohne Knoten passt zu einer BPH, also einem Wachstum von Prostatagewebe[2]. Eine harte Stelle oder ein Knoten ist ein Grund für weitere Tests, manchmal eine Biopsie[1]. Plötzliches Fieber, Schüttelfrost und Brennen beim Wasserlassen sprechen für eine akute bakterielle Prostatitis, die sofort behandelt wird[2].

Die PSA-Zeile: erst bestätigen, dann handeln

Das PSA steigt bei BPH, Prostatitis, Infektionen, nach einem Samenerguss, nach Radfahren, nach dem Abtasten oder einem Ultraschall der Prostata und nach einer Biopsie[4][10]. Nur etwa jeder vierte Mann, der wegen eines erhöhten PSA biopsiert wird, hat tatsächlich Krebs[4]. Ein neu erhöhter Wert ist bei 25 bis 40 % der Männer in der Kontrolle wieder normal[6]; deshalb wird er vor einem MRT wiederholt[5]. Finasterid und Dutasterid senken das PSA, daher gilt dann eine niedrigere Grenze[4].

Die Urinzeilen: Infektion oder Blut

Positive Leukozytenesterase oder Nitrit sprechen für eine Infektion; Blut im Urin braucht eine eigene Abklärung.

Der MRT-Befund: PI-RADS 1 bis 5

Das Prostata-MRT wird nach dem PI-RADS-System bewertet[8]. Ein Wert von 3 bis 5 gilt als auffällig und führt meist zu einer gezielten Biopsie dieses Bereichs. PI-RADS 1 oder 2 gilt als unauffällig: Etwa 9 von 10 dieser Männer haben in der Biopsie keinen relevanten Krebs, deshalb bestimmt Ihr Gesamtrisiko den nächsten Schritt[7].

Was sollte man vor einer Prostata-Untersuchung nicht machen?

  • 24 Stunden vor der Blutabnahme keinen Samenerguss[3]; 2 Tage vorher keine langen Radtouren[4]
  • Fragen, ob das Blut vor dem Abtasten abgenommen wird, denn Druck auf die Prostata kann das PSA anheben[10]
  • Eine kürzliche Harnwegsinfektion, einen Katheter oder eine Biopsie erwähnen[4][6]
  • Ihren Medikationsplan mitbringen, vor allem Finasterid oder Dutasterid
  • Beschwerden notieren: nächtliches Wasserlassen, Harnstrahl, Schmerzen, Blut
  • Prostatakrebs bei Vater, Bruder oder Sohn
  • Frühere PSA-Werte mit Datum
  • Vor einem MRT: Implantate oder Metall im Körper angeben[11]

Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

  1. Warum brauche ich diesen Test: wegen Beschwerden oder zur Früherkennung?
  2. Sollten wir mein PSA vor allem anderen wiederholen?
  3. Zeigt mein Urinbefund eine Infektion?
  4. Wäre ein MRT vor einer Biopsie sinnvoll?

Häufige Fragen zur Prostata-Untersuchung

Ist eine Prostata-Untersuchung schmerzhaft?

Das Abtasten ist meist nur kurz unangenehm, nicht schmerzhaft[1]. Tut es deutlich weh, sagen Sie es: Eine druckschmerzhafte Prostata ist selbst ein Befund, etwa bei einer Entzündung.

Geht die Prostata-Untersuchung auch ohne Finger, nur mit Bluttest?

Ja. Zur Früherkennung empfiehlt die deutsche Leitlinie den PSA-Test, nicht das Abtasten allein[5]. Bei Beschwerden hilft die Tastuntersuchung aber, die Größe der Drüse zu beurteilen[1].

Ist Blut nach der Untersuchung normal?

Nach dem Abtasten kann es leicht aus dem Enddarm bluten, meist bei Hämorrhoiden. Nach einer Biopsie ist etwas Blut in Urin, Sperma oder Stuhl für kurze Zeit zu erwarten; Fieber oder ein Harnverhalt nicht[1].

Wie lange dauert das Ergebnis einer Biopsie?

Einige Tage bis wenige Wochen[1]. Der Befund nennt einen Grad für gefundenen Krebs; die Leitlinien zielen auf Grad-Gruppe 2 oder höher, also Tumoren, die eine Behandlung brauchen können[7].

Weiterführende Untersuchungen und Ratgeber

Quellen

  1. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Prostate tests. niddk.nih.gov (abgerufen am 4. November 2026)
  2. National Cancer Institute. Understanding prostate changes and conditions. cancer.gov (abgerufen am 4. November 2026)
  3. MedlinePlus Medical Tests. Prostate-specific antigen (PSA) test. medlineplus.gov (abgerufen am 4. November 2026)
  4. National Cancer Institute. Prostate-specific antigen (PSA) test. cancer.gov (abgerufen am 4. November 2026)
  5. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Prostatakrebs: Vorsorge und Früherkennung (auf Basis der S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Version 8.0, 2025). krebsinformationsdienst.de (abgerufen am 4. November 2026)
  6. Wei JT, Barocas D, Carlsson S, et al. Early detection of prostate cancer: AUA/SUO guideline part I: prostate cancer screening. J Urol. 2023;210(1):46-53. doi:10.1097/JU.0000000000003491 (abgerufen am 4. November 2026)
  7. Wei JT, Barocas D, Carlsson S, et al. Early detection of prostate cancer: AUA/SUO guideline part II: considerations for a prostate biopsy. J Urol. 2023;210(1):54-63. doi:10.1097/JU.0000000000003492 (abgerufen am 4. November 2026)
  8. Turkbey B, Rosenkrantz AB, Haider MA, et al. Prostate Imaging Reporting and Data System version 2.1: 2019 update of Prostate Imaging Reporting and Data System version 2. Eur Urol. 2019;76(3):340-351. doi:10.1016/j.eururo.2019.02.033 (abgerufen am 4. November 2026)
  9. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Enlarged prostate (benign prostatic hyperplasia). niddk.nih.gov (abgerufen am 4. November 2026)
  10. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. gesundheitsinformation.de (abgerufen am 4. November 2026)
  11. RadiologyInfo.org (Radiological Society of North America, American College of Radiology). Magnetic resonance imaging (MRI) – prostate. radiologyinfo.org (abgerufen am 4. November 2026)

Dieser Artikel enthält allgemeine Gesundheitsinformationen. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Sie kein Wasser lassen können oder nach einer Prostatauntersuchung Fieber und Schmerzen haben, lassen Sie sich ohne Zögern behandeln.